Mama-Momente

Vom Glück, einen Bruder zu haben


Ich hätte nie gedacht, dass ich mein Leben einmal mit drei Männern an meiner Seite teilen würde. Als mein Mann und ich damals über die Kinderplanung nachdachten, war es für uns irgendwie selbstverständlich, dass wir bei dem geplanten Geschwisterpaar mit mindestens einem Mädchen rechnen könnten. Nun gut, Mutter Natur sah das ein wenig anders und es wurden uns zwei bezaubernde Jungs geschenkt. Damals noch ein bisschen wehmütig über fehlende Frauenpower als Verstärkung (schließlich dominiert hier im Haus nun massig Testosteron), entdecke ich täglich neue Vorzüge der „Bruderschaft“.

1. Mini wächst in Maxi’s Klamotten hinein.

Dass ich so etwas einmal sagen würde, um gleichzeitig vor Glück in die Hände zu klatschen, das hätte ich als junges Mädchen nie gedacht. NIIIIEEE! Wenn meine Mutter vor zwanzig Jahren meinte, dass es mal wieder an der Zeit wäre, mir Kleidung älterer Verwandter oder Freundinnen über zu stülpen, fand ich das meist nur grässlich und total uncool. Heute kann ich meine Mutter verstehen. Naja zumindest was die praktische Seite angeht. Ich denke, in den ersten Lebensjahren stört es Mini und Maxi noch nicht, wenn ihre Pullover und Hosen „Bäumchen wechsle dich“ spielen. Wenn sie in ein Alter kommen, wo sie „cool“ von „uncool“ unterscheiden können, wird ihnen nichts mehr ungefragt vom Bruder übergestülpt. Versprochen!

2. Gleich und gleich gesellt sich gern

Das ist ja meistens der Fall, dass gleichgeschlechtliche Geschwister mehr miteinander anfangen können, weil sie oft dieselben Interessen haben. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, kann ich das nur bestätigen. Mit der eigenen Schwester macht es einfach saumäßig Spaß, mit Puppen, Barbies und Ponys zu spielen. Oder über Puppen, Barbies und Ponys zu streiten. Natürlich, das gehört dazu. Deswegen freue ich mich so, wenn Mini und Maxi Freude am selben Müllauto haben und sich um die gleichen Bauklötze zanken. Irgendwie schweißt doch beides zusammen!

3. Wenn Mama nicht weiter weiß, gibt sie an Papa ab

Klingt jetzt nach fauler Ausrede, aber wer kennt Jungs schon besser, als Jemand, der selbst mal einer war? Als ich damals meine erste Periode, Liebesbriefe verfasst und mich in den tollen Typen verknallt hatte – meinst du, ich wäre damit zu meinem Vater gerannt? Natürlich nicht. Der hätte mich unter Garantie sowieso an meine Mutter weitergeleitet. Man muss eben nicht als Ansprechpartner für alle Problemchen des anderen Geschlechts herhalten. Bei gewissen Themen ist das einfach so. Wenn ich in die Zukunft blicke, kann ich mich also auch mal guten Gewissens zurücklehnen und meine drei Männer mal machen lassen. Zelten im Wald, Indianer spielen und am Fluss nach Fischen angeln – Männersache. Wenn sie dann zugedreckt und erschöpft, aber völlig glücklich nach Hause kommen, dürfen sie sich auch auf die Couch lümmeln und ihre Friedenspfeife rauchen. Mama kümmert sich dann in der Küche um den Fisch, um heißes Wasser in der Badewanne und lauscht den Abenteuergeschichten aus dem Wald.

2 Gedanken zu „Vom Glück, einen Bruder zu haben“

  1. Claudia sagt:

    Hallo,
    oh ist das schön zu lesen! Ich hab auch zwei Jungs und liebe sie abgöttisch, aber irgendwie ist dieses Junge-Mädchen-Thema doch oft da. Ich grübel: Hätte ich doch… Wie wäre es… Wäre es einfacher…?
    Manchmal hab ich eine richtige Wut auf Mädchenmütter oder „Pärchenmüttern“, wenn die mir sagen: „ist schon was anderes, seine kleine Prinzessin im Arm zu halten“…
    Und jede Freundin um mich herum wünscht sich immer nur Mädchen.
    Danke dir!
    Liebe Grüße von Claudia

    1. S. sagt:

      Hallo Claudia,
      diese „Wut“ kenne ich und habe mich genau aus diesem Grund zu diesem Blog „verirrt“. Es geht mir haargenauso. Ich habe immer von der „Bilderbuchfamilie“ mit dem Geschwister-Pärchen geträumt, mindestens aber von einer Tochter (wäre es beim Einzelkind geblieben). Nun sind es 2 Jungs (der zweite noch im Bauch) und da es beim ersten schon enorme Startschwierigkeiten gab und auch heute noch viele Fälle existieren, in denen ich seine Freude und sein Interesse an vielen Dingen einfach nicht teilen kann, mache ich mir enorme Sorgen, wie das wohl beim zweiten Sohn werden wird. Kann ich ihn richtig annehmen? (Schließlich musste ich mich mit ihm endgültig von meiner immer dagewesenen Vorstellung meiner „Traumfamilie“ verabschieden) Kann ich mich jemals vollständig damit abfinden und den Neid gegenüber Mädchen- oder Pärchen-Mamas ablegen? Ich hoffe, dass ich ähnliche Erfahrungen machen darf wie in diesem Blog beschrieben und diese Fragen final mit „ja“ beantworten kann. Denn im Moment überwiegt der Vergleich mit anderen, bei denen offenbar alles so viel mehr ideal bzw. nach Plan läuft als bei mir. (einige andere Dinge in meinem Leben sind nämlich auch leider schon ganz anders gelaufen, als ich es mir gewünscht und vorstellt habe, aber das gehört hier nicht her…)

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