Mama-Momente

Bitte nicht stören – Wie wichtig ist die kinderfreie Mamazeit?

Villa Schaukelpferd-Klassiker


Dieser Mama Blogbeitrag kommt aus einer anderen Stadt. Übers Wochenende ausquartiert, verbringen mein Mann und ich gerade Zeit in einem schnuckeligen Wellnesshotel, das dazu einlädt, die Seele mal wieder baumeln zu lassen. Die Frage dabei ist, ob man das als Eltern überhaupt noch kann. Entspannen. Mal nichts tun. Freie Zeit genießen, ohne dabei ständig aufs Handy zu schielen, ob der Babysitter schon eine Horrornachricht (Fieber, Sturz vom Dreirad, Windpocken) auf der Mailbox hinterlassen hat.

Zweifachmama Severine tut sich derzeit sichtlich schwer damit, ihre Auszeit vom Mamasein überhaupt für sich selbst zu nutzen und fragt auf ihrem Blog „Mama on the rocks“ geradeheraus in die Bloggerrunde, wie es da anderen Müttern geht. Möchte man als Mama überhaupt freie Zeit für sich ohne den Nachwuchs verbringen? Geht Entspannen nicht auch mit Kleinkind am Rockzipfel? Und Gesetz den Fall, man hat als Mama mal Zeit für sich: Nutze ich diese wirklich für mich oder brüte ich doch wieder über der unerledigten Steuererklärung oder schwinge den Wischmob?

Wer meinen Mama Blog auch nur ein kleines bisschen kennt, weiß, dass sich gefühlt jeder zweite Blogbeitrag mit dem Thema Auszeit vom Mamasein beschäftigt. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch, der Phasen ohne Kinder nicht nur als nette Nebenbeschäftigung ansieht, sondern sie als hochsensible Person dringend wie die Luft zum Atmen benötigt. Bekomme ich nicht genügend Auszeiten für mich, werde ich schnell zu einer gestressten, ungeduldigen Mutter, die genervt reagiert oder der zumindest nach kurzer Zeit die Decke auf den Kopf fällt. Nein, auf kinderfreie Zeiten könnte ich nicht mehr verzichten.

Und dennoch kenne ich das Phänomen, das Severine in ihrem Blogbeitrag beschreibt, sehr gut. Denn auch, wenn ich derzeit keinem Job nachgehe (außer Mini und Maxi großziehen, was natürlich sehr wohl mit einem Vollzeitjob bei der NASA mithält) und keine Deadline beherzigen muss, um Kundenprojekte abzuschließen, nutze ich meine freie Zeit nicht immer nur zum Füße hochlegen oder Kaffeetrinken. Schnell mal eben den Spülkram erledigen, sieht ja wieder furchtbar aus die Küche und – oh! Unterm Esstisch könnte ich auch mal kurz die Krümel vom Frühstück wegsaugen, bevor ich die Email beantworte, die schon seit Wochen im Posteingang ihr Dasein fristet.

Bitte nicht stören - Wie wichtig ist die kinderfreie Mamazeit?
Irgendwas zu tun scheint immer. Die Kunst dabei ist wohl, sich selbst mindestens genauso wichtig zu nehmen wie den Job, die beste Freundin oder den Haushalt. In der Theorie selbstverständlicher als in der Umsetzung. Wie oft setzen wir Prioritäten so, dass wir auf der Wichtigkeitsskala immer erst zum Schluss kommen? Lieber erst der Freundin zwei Stunden am Telefon unser Ohr leihen, die gerade Liebeskummer hat. Lieber erst dem Mann das Hemd bügeln, das er morgen für sein Meeting benötigt. Lieber erst den Fußboden wischen für Gäste, die wir aus Zeitmangel eh nicht empfangen können.

Es soll natürlich auch Mütter unter uns geben, die keine Zeit für sich brauchen. Die nur in Gegenwart ihrer Kinder entspannen können und sich ohne sie unglücklich und nicht komplett fühlen. Diese Frauen kommen selbstredend viel seltener an den Punkt, eine Auszeit vom Mamasein zu nehmen und das finde ich auch absolut in Ordnung. Solange jede Mama gut auf sich achtet und weiß, wann es mal wieder Zeit wird, für ein paar Stunden oder vielleicht auch Tage, der Familie den Rücken zu kehren, um sich mal wieder mit sich selbst zu beschäftigen.

Ich plädiere dafür, dass sich grundsätzlich jeder Mensch genügend Zeit für sein eigenes Wohlbefinden nehmen sollte und Müttermenschen ganz besonders! Ist Mama ausgebrannt, profitiert davon Niemand. Weder die Freundin am Telefon noch die Kinder, die dann eine vollends erschöpfte Mutter ertragen müssen. Keine Mama sollte bis zum Nervenzusammenbruch alles geben, um dann für Tage oder Wochen aufgrund seelischer Erschöpfung komplett auszufallen. Bei mir und meinem Mann war dieser Punkt beinahe erreicht. Nach langer Zeit ohne (Arbeits-) Pausen schien das Wochenende im Wellnesshotel der letzte Strohhalm, an den man sich in seiner Verzweiflung klammert.

Muss es wirklich immer so weit kommen? Sicherlich ist es für Viele (mich eingeschlossen) erst einmal unangenehm, Eltern, Schwiegereltern oder sonstige Babysitter um eine längere Betreuung zu bitten, als nur mal eben für die zwei Stunden, die man im Wartezimmer seines Lieblingsarztes verbringt. Einen „ernsthaften“ Grund zu haben, den Babysitter um die eigene, wertvolle Zeit zu berauben, scheint uns Müttern jedenfalls oft leichter zu fallen, als zuzugeben, dass man mal einfach wieder faulenzen und sich ohne Kinder die Sonne auf den Bauch scheinen lassen möchte. Aber was ist der Preis dafür, wenn man nur aus Schamgefühl sein eigenes Leben als Frau neben dem Muttersein vernachlässigt?

Bitte nicht stören - Wie wichtig ist die kinderfreie Mamazeit?
Was mich an diesem Wochenende zusätzlich beschäftigt, ist die Frage, wie man in seiner freien Zeit denn nun am Besten entspannt. Selbst 70 Stunden ohne Nachwuchs scheinen plötzlich wie im Fluge zu vergehen. Wie bekomme ich jetzt das optimale Verhältnis zwischen einfach mal Nichtstun und das gesamte Wellnessprogramm rauf und runter testen hin? Hier eine Massage, da ein Drink an der Bar, jetzt eine Fahrradtour, einfach mal auf dem Bett liegen und Dösen, dann mal in den Whirlpool springen, noch die historische Kapelle in der Stadt besichtigen, und ach ja, das Buch wollte ich ja auch noch lesen…. Der Druck steigt mit dem Angebot und man muss sich schon zwingen, aus der Vielfalt die Essenz für sich herauszuziehen. Dann eben erst im Herbst die Radtour oder nicht erst mittags beim Frühstücksbuffet antanzen, um mehr als zwei Kapitel im Roman lesen zu können. Zuviel Freizeit kann also auch Stress auslösen. Zumindest bei Menschen wie mir.

Die Frage nach dem sehnlichst erhofften, langen Ausschlafen im Urlaub erübrigte sich dann heute Morgen zumindest, als ich nach wohligem Räkeln und Strecken im Bett als erste Zahl eine Sechs auf der Uhr erblickte. Alles wie immer also, dachte ich, und drehte mich noch mal lächelnd auf die andere Seite. Nein, wie immer war hier gar nichts. Himmelbett, Zimmerservice und keine knatschigen Kinder im Nebenzimmer waren alles andere als wie immer. Morgen gibt es noch mal eine Chance auf Ausschlafen, quengelfreies Frühstück und genügend Zeit zu Zweit, bevor wir dann abends die Kinder abholen und wieder eine ganze Familie sind. Ich freu mich drauf. Auf Alles.

2 Gedanken zu „Bitte nicht stören – Wie wichtig ist die kinderfreie Mamazeit?“

  1. Séverine sagt:

    Mir geht es wir Dir, wenn ich nicht genügend Zeit für mich habe, werde ich total knatschig und bin so was von unausgeglichen. Und das lasse ich dann meistens – leider – genau an den kids aus ;-(
    Es ist wirklich wichtig, dass wir auf uns „Müttermenschen“, wie Du so schön formulierst, aufpassen.
    Danke fürs Teilnehmen an der Blogparade, sogar aus dem Kurzurlaub :-)
    LG
    Séverine

    1. Christine sagt:

      Liebe Séverine,

      es hat mir aber auch wirklich Spaß gemacht, an deiner tollen Blogparade teilzunehmen! Deswegen war es auch ein Teil meiner #metime im Kurzurlaub und kein „Akt, den ich noch erledigen wollte“.
      Ja, meistens merkt man dann schon unmittelbar in dem Moment, wenn man seine Laune an den Kindern auslässt, wie sehr der Schuss eigentlich nach hinten losgeht. Ist ja nicht so, als würde es danach allen Beteiligten besser gehen…
      Liebe Grüße zurück

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