Mama-Momente

Ein Kinderarztbesuch mit Folgen


Wenn sich der erste Geburtstag des Kindes mit Siebenmeilenstiefeln nähert, dann bedeutet das für Eltern neben Geschenke kaufen und Kuchen backen vor allem Eins: Ab zum Kinderarzt und die U6 durchführen lassen. So stand diese scheinbar unkomplizierte Routineuntersuchung auch bei uns und unserem Mini vor ein paar Tagen an.

Den Termin dazu hatten wir uns in weiser Voraussicht schon fünf Monate vorher geben lassen, um ein volles Wartezimmer lauter kranker Kinder zu umgehen, und betraten voller Zuversicht mit unserem Jüngsten die Praxis. Maxi hatten wir vorsorglich bei der Oma gelassen, was –wie sich in Anbetracht der nachfolgenden Ereignisse herausstellte- die beste Entscheidung des Tages war.

Der Termin war für 9.30h angesetzt gewesen und laut Sprechstundenhilfe sollten wir „ganz schnell drankommen, wegen der Schulferien“. Nun ja. „Ganz schnell“ ist ja immer ein dehnbarer Begriff, besonders, wenn Patienten und Ärzte das interpretieren. Immerhin war ich zuhause noch so geistesgegenwärtig gewesen und hatte schon mal Minis Mittagessen für unterwegs in die Wickeltasche gepackt. Auch, wenn wir es ja garantiert nicht brauchen würden, bis dahin wären wir ja sicher wieder zuhause.

Das Wartezimmer stimmte meinen Mann und mich erst einmal zuversichtlich – außer uns war Niemand da. Wunderbar. Da lohnte es sich ja gar nicht, die Jacke auszuziehen oder sich ein Buch aus der Tasche zu nehmen. Mini krabbelte derweil munter weg von dem großzügigen Spielzeugangebot und hin zu den Steckdosen über der Fußleiste. Zum Glück konnte er sich dann aber doch noch für das Schaukelpferd aus Holz begeistern, auf das ihn sein stolzer Papa setzte und sachte vor- und zurück wippen ließ. Dann ging die Tür auf. Die Sprechstundenhilfe, die uns aufrufen würde?

Nein, es war eine Patientin in Minis Alter mit ihrer Mutter. Nachdem die kleine Dame ihre Banane gefrühstückt hatte, freundete sie sich gleich mit unserem Sohn an und beide krabbelten (fast) Händchenhaltend über den Teppich. Dann, ein beherzter Griff, und schwupps, schon steckte der Schnuller unseres Minis im Mund seiner neuen Freundin, die natürlich eine dicke Erkältung hatte, wie uns die peinlich berührte Mutter direkt mitteilte. Wieder ging die Tür auf. Waren wir jetzt dran? Nein, noch mehr Patienten strömten ein. Langsam wurde es eng auf der Suche nach freien Stühlen. Beim nächsten Öffnen der Tür blickten wir schon gar nicht mehr auf, bis wir plötzlich unseren Namen hörten.

Wenn dein Kinderarzt so arbeitet wie unserer, dann ahnst du schon, dass du Besagten im Untersuchungsraum noch nicht vorfinden wirst. Zuerst stellt die Arzthelferin Fragen zur Ernährung, ob es Auffälligkeiten im Verhalten gibt und misst dann Größe und Gewicht. Letzteres selbstverständlich nur mit Body, ohne Windel. Das Gewicht war schnell ermittelt und die Sprechstundenhilfe eilte wieder zurück zum Schreibtisch, um die Daten in das U-Heft einzutragen – augenscheinlich!

Im Nachhinein war mir klar, dass sie nur deshalb so schnell die Flucht ergriff, weil sie sich der Gefahr, in der sie sich befand, genau bewusst war. Auf meine Nachfrage (weil ich die Gefahr auch erkannte), ob ich Mini die Windel denn wieder anziehen könne, bis der Arzt für weitere Untersuchungen käme, wiegelte sie nur ab und meinte „er würde ja jeden Moment kommen“. Sie hatte den Satz gerade ausgesprochen, da hörte ich es schon von meinem Arm auf den Boden plätschern. Zu spät. Mini hatte mich von oben bis unten angepinkelt und nun stand ich da. Aber anstatt auf Hilfe in Form eines Handtuches hoffen zu dürfen, lächelte die Arzthelferin nur nett, drückte mir noch eine Gratisprobe Trinkflaschen in die Hand und verschwand durch die Tür. Überflüssig zu erwähnen, dass der Doktor noch weitere 20 Minuten brauchte, um den Weg zu uns zu finden (wir haben Mini die Windel „verbotener Weise“ trotzdem bis dahin noch angezogen, um Schlimmeres zu verhindern).

Ja, man wird als Mama auch mal von seinem Kind angepinkelt. Und ja, es ist kein Weltuntergang. Aber in dieser Situation war es einer! Oder meinst du, ich hätte vorsorglich für Mini und mich noch Wechselkleidung in die Wickeltasche gepackt? Liebes Ärzteteam, wenn Sie sich jetzt angesprochen fühlen: Bitte, bitte, denken Sie auch mal an die Eltern. Sie wissen doch, dass ein Baby so und so oft in der Minute pinkeln kann. Noch dazu, wenn es eh schon nervös und aufgeregt ist. Oder halten Sie wenigstens umgehend Aufwischtuch und Duschgel parat.

Beim nächsten Mal bin ich jedenfalls gewappnet. Dann werde ich die Sprechstundenhilfe nicht höflich um Erlaubnis fragen, sondern meinem Sohn umgehend eine frische Windel umbinden. Ha! Schon alleine deshalb, um dem Kind eine Blasenentzündung oder Erkältung zu ersparen, die er quasi gratis zur langen Wartezeit geschenkt bekommt. Gesund rein – krank raus? Nicht mit mir! Ach so, du willst noch wissen, ob es das mitgenommene Mittagessen ungeöffnet bis nach Hause geschafft hat? Frag lieber nicht…

2 Gedanken zu „Ein Kinderarztbesuch mit Folgen“

  1. kullerkind sagt:

    Halli Hallo… erst einmal: schöne Seite! :-)
    Dann: sehr unterhaltsamer Artikel… da habt ihr vielleicht einfach Pech mit dem Arzt?! Bei uns geht das immer alles Ruck Zuck. Wir warten höchstens 10 Minuten, sind dann dran und schneller als man „hallo“ sagen kann ist es auch schon wieder rum. *hehe*

    Viel Glück und starke Nerven für das nächste Mal!

    1. Christine sagt:

      Hallo,

      vielen Dank für die Blumen, deine Seite gefällt mir übrigens auch sehr gut, hab mal geläuert ;-)
      Ja ansonsten kommen wir zum Glück gut mit dem Arzt klar, der nimmt sich auch sehr viel Zeit für Fragen (da haben wir den Grund für seine Unpünktlichkeit) und er ist sehr liebevoll mit den Kindern. Also das Vertrauensverhältnis stimmt und das ist uns besonders wichtig. Freut mich trotzdem für dich, dass ihr in Punkto Wartezeit keine Probleme habt, das ist schon mal ein Stressfaktor weniger, und Stress hat man ja eh schon mehr als genug mit Kindern.

      Viele Grüße und alles Liebe!

Was sagst du dazu? Schreibe einen Kommentar!

Dein Kommentar wurde nicht (oder nur unvollständig) freigeschaltet? Lies hier, warum!