Mama-Momente

1x duschen, 8 Euro bitte


Sicher, wir hatten das Schlimmste eingeplant. Dass es dann aber auch eintreffen würde, damit hatten wir nicht gerechnet. Aber der Reihe nach.
Ich hatte mit Mini schon erste Erfahrungen im Schwimmbecken gemacht, als er für Maxi einmal einspringen musste, mit dem ich den Eltern-Kind-Schwimmkurs gebucht hatte. Maxi war jedes Mal mit einer notorischen Unlust dabei gewesen (näheres hast du vielleicht im passenden Baby-Blog-Beitrag gelesen), aber Mini hatte von allen Kindern mit Abstand am meisten Spaß.

Er quietschte vor Lachen, ließ sich mal glucksend, mal kreischend vor Freude durchs Wasser ziehen und machte mit seinen zehn Monaten eine durchaus sportliche Figur. Da lag es für mich nahe, mit ihm auch mal ohne Babyschwimmkurs ins naheliegende Schwimmbad zu fahren, um Mini seinen Spaß am Wasser ausleben zu lassen. Leider war es nicht das Hallenbad, in dem der damalige Schwimmkurs stattfand. Mein Mann packte kurzerhand auch noch seine Badehose ein, schließlich kannte er Mini’s Begeisterung für das plätschernde Nass nur aus meinen Erzählungen und wollte jetzt live dabei sein.

Wir planten etwa eine halbe Stunde Schwimmspaß ein, plus Duschen und Umziehen, mehr wollten wir Mini fürs erste Mal nicht zumuten. Mein Mann und ich bezahlten jeweils vier Euro (Mini zum Glück nichts), das war der günstigste Tarif und ab ging es in die Familienumkleidekabine. Leider ohne Wickelauflage. Die gab es nur in der Gruppenkabine, die ich uns ersparen wollte. Also mussten wir Mini auf die Bank quetschen.

Während er hörbar laut gegen die vorherrschenden Bedingungen protestierte, nahm ich schon einen üblen Geruch aus seiner Windel wahr. Und wie das natürlich so ist, hat man in so einer Situation die Feuchttücher zuhause vergessen. Es erwartete mich eine grüne Pampe, die sich trotz aller Bemühungen nicht rückstandslos mit den letzten Taschentüchern aus unseren Hosentaschen wegwischen ließ. Was soll’s, Schwimmwindel an, hoffen, dass Mini mir die Babykacke nicht bis zur Damendusche vollends an die Taille reibt und los ging’s.

Ein ziemlich kalter Gang erwartete uns schon, da waren wir noch ein Stockwerk von den Duschen entfernt. Mit zitterndem Kind auf dem Arm, das spontan eine Abneigung gegen den Duschstrahl entwickelte, verwandelten wir kurzerhand die Nasszelle in eine Casting-Bühne, bei der Mini lautstark sein Talent vorführte. Die anwesenden älteren Damen konnten in seiner Darbietung wohl keine Chance auf den Recall erkennen, da sie nur ein mitfühlendes Lächeln entgegenbrachten.

Nachdem der erste Schock vorüber war, eilten Mutter und Kind schleunigst zum wartenden Papa und stiegen gemeinsam ins Becken. Leider konnte ich meinem Sohn kein gutes Vorbild sein, denn ich japste selbst schon nach Luft, als das kühle Wasser meine Füße umspielte. Nach oben hin wurde es immer schlimmer. Wir versuchten Mini zwar bei Laune zu halten, indem wir ihn durchs Becken schoben, uns zuwarfen und einen riesigen Spaß vorgaukelten, aber unser Baby klammerte sich wie ein Äffchen um meinen Hals und ruderte mit den Fäustchen.

Nach 30 Sekunden war klar: Ab ins Babybecken. Das war aber auch nur gefühlte zwei Grad wärmer und somit keine gute Basis, unserem Mini ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Um Mini weitere Überraschungen wie eine Lungenentzündung und einem generalisierten Hass gegenüber Schwimmbädern zu ersparen, machten wir uns direkt wieder auf den Weg zurück zu den Duschen. Diesmal gab Mini keinen Mucks von sich, dankbar über die warmen Wasserstrahlen blieb er friedlich auf meinem Arm sitzen, bis die blauen Lippen wieder eine normale Farbe angenommen hatten. Zack, raus aus den nassen Badesachen, rein ins Handtuch. Das galt für Alle.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass es so oder so ein Erlebnis war: Immerhin haben wir uns (zumindest finanziell) eine wahrhafte Luxus-Dusche gegönnt. Unser Résumée am Abend: 8 Euro, 12 Wassertropfen und 1 niesender Ehemann.

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