Lebensfragen

Zeit für die Schnullerfee?

Daumen lutschen oder Schnuller? Dieser Gedanke kommt unweigerlich in der Schwangerschaft, spätestens kurz nach der Geburt auf, und wenn man sich etwas intensiver mit der Thematik befasst, stellt man fest, dass die Frage nach der besten Nuckeltechnik eine Wissenschaft für sich ist. Hunderte Internetforen, Mama Blogs und Ratgeber widmen sich der Frage aller Fragen und wer dachte, er informiere sich „einfach mal eben“, der hat sich geirrt!

Die Daumenlutscher-Fraktion sieht den positiven Effekt vor allem darin, dass der Finger an der Hand immer zur Verfügung steht, nie verloren geht oder in den Dreck fällt (es sei denn mitsamt seinem Besitzer). Für moderne, kiefergerechte Schnuller hingegen spräche ihr geringeres Risiko einer späteren Zahnfehlstellung des Kindes. Mein Mann und ich hatten sowohl zum Daumenlutschen als auch zum Schnullernuckeln weder eine absolut positive, noch eine durchaus negative Meinung.

Ich hatte jahrelang exzessiv an meinem Daumen genuckelt, mein Mann bevorzugte als Kind wohl den Schnuller, aber da wir eindeutig von beiden Varianten bis auf den obligatorischen Kieferorthopädenbesuch keine sichtlichen Folgeschäden davongetragen hatten (Zahnspange besaßen wir beide), wollten wir es unseren Kindern überlassen, mit welcher Nuckelvariante sie besser zurechtkämen, also kauften wir auch ein paar Sauger. Ich weiß noch, wie ich in der ersten Schwangerschaft stundenlang mit offenem Mund (wie passend) vor dem riesigen Regal im Babyfachmarkt stand, vor mir eine geballte Ladung unterschiedlichster Schnuller in allen Größen aus Latex oder Silikon. Dennoch fand ich die Meisten hässlich. Und die paar Schönen holte mein Mann wieder aus dem Einkaufswagen heraus, angeblich würde die rosa Farbe auf das andere Geschlecht deuten.

„Der Daumen ist doch das Natürlichste! Du hast auch von Anfang an deinen Finger in den Mund gesteckt.“ So die Aussage meiner Mutter. Auch die Wissenschaft bestätigt, dass schon Embryos im Unterleib an ihrem Daumen nuckeln können. Leider nützten mir diese Weisheiten nichts, als ich die schreienden Kinder nach ihrer Geburt vor mir hatte. Maximal zwei Minuten warteten wir darauf, dass Mini und Maxi sich an die vorgeburtliche Situation erinnern würden, doch sie schrieen nur aus vollem Hals und ruderten mit ihren Ärmchen konsequent am Zielort vorbei. Für uns der Moment, den Schnuller zu zücken, der die augenblickliche Erlösung in Form von leisem Schmatzen bot. So wurde der Nuckel ständiger Begleiter.

Die Frage, wie und wann man den Schnuller abgewöhnt, stellte sich bei uns allerdings erst bei unserem zweiten Sohn Mini. Sein Bruder beschloss bereits nach drei Monaten, das Ding nicht mehr zu benötigen und schloss einfach den Mund, wenn wir ihm den Sauger zum Schlafen geben wollten. Seitdem braucht er nur seinen Teddy zum Trösten und Einschlafen. Nicht aber so sein Bruder.

Mini war das absolute Schnullerkind. Schlafen, beruhigen, trösten, Auto fahren, im Buggy sitzen, sprechen – ohne den Sauger ging gar nichts. Knapp zwei Jahre lang war der Nuckel Dauerbegleiter. Wenn er fehlte, war das Geschrei groß und nichts konnte ihn beruhigen. Aber mit der Zeit wurde aus unserem „Atkivsauger“ ein „Passivnuckler“. Ich nenne es so, weil Mini irgendwann aufhörte, den Schnuller wirklich zu „benutzen“. Er schien nur noch gewohnheitsmäßig zwischen den Zähnen zu stecken.

Ein Babyaccessoire sozusagen. So beschlossen wir, ihm den Nuckel nicht mehr den ganzen Tag zu überlassen, sondern nur noch zum Schlafen. Natürlich gab es auch mal Protest, der sich aber in Grenzen hielt. Gerade tagsüber konnte man Mini super ablenken. Und dann verstrichen die Wochen und ich fühlte, es wurde Zeit für die Schnullerfee.Zeit für die Schnullerfee?

Ja, ich weiß, es klingt ein bisschen esoterisch, dass mir plötzlich die Eingebung kam, mein Kind könnte bereit für eine Schnullerlose Zukunft sein, immerhin konnte ich die Option ja nicht mit meinem Zweijährigen sachlich besprechen, aber irgendwie fühlte es sich an wie ein Instinkt. Mein Mann war zwar etwas verwundert, aber sofort bereit, meinen Plan zu unterstützen. Ich durchforstete noch ein paar Internetseiten und andere Mama Blogs, erfuhr, dass es am Besten sei, den Schnuller langsam abzugewöhnen, dass es aber oft auch erstaunlich einfach sei und das Kind sich relativ schnell umgewöhnen würde.

Erstaunte Nachfragen aus dem Bekanntenkreis, warum es jetzt schon sein müsse, ich hätte doch noch Zeit bis zum dritten Geburtstag, gaben mir noch einmal die Möglichkeit, mein Vorhaben zu überdenken. Wäre es ein Fehler? War es zu früh? Was, wenn wir nach drei schlaflosen Nächten wieder entnervt den Nuckel aus dem Müll fischen müssten? Andererseits war da immer noch dieses Gefühl in mir, dass mein Sohn jetzt zu dem Schritt bereit sein könnte. Nach Abwägen aller Optionen, entschied ich mich, auf meinen Instinkt zu hören und die Schnullerfee zu kontaktieren.

Ich gab Mini eine Woche Vorbereitungszeit, in der ich ihm jeden Abend von der Schnullerfee erzählte, die am Ende der Woche kommen und seine Schnuller mitnehmen würde, um sie an die kleinen Babies zu verteilen, die die Nuckel jetzt dringender benötigen würden. Das war zugegebenermaßen das Schwierigste für mich. Wie viel versteht ein Zweijähriger von dem Ganzen? Wie soll er sich eine Schnullerfee vorstellen, wenn selbst meine Fantasie damit Schwierigkeiten hat er bisher noch nie von irgendwelchen Wesen namens Feen gehört hat? Von der Vorstellung, andere Kleinkinder würden seine angesabberten und durchkauten Sauger mit Freuden entgegennehmen, mal ganz abgesehen. Mini nickte aber immerhin eifrig, den Anstand wahrend. Und als der Abschied gekommen war, legte er auch bereitwillig seinen „Nuna“ auf die Fensterbank, an der die Fee nachts vorbeifliegen würde.

Was dann geschah, überraschte uns wirklich sehr. Nachdem wir Mini Gute Nacht gesagt und die Tür hinter ihm geschlossen hatten, passierte…nichts. Kein Gebrüll, kein Schreien, kein Heulen. Irgendwann hörten wir ihn leise nach seinem Nuna fragen, mein Mann ging noch mal rein ins Zimmer, um ihn noch einmal an die Schnullerfee zu erinnern und Minuten später war er eingeschlafen. Am nächsten Morgen liefen wir gemeinsam mit Mini zur Fensterbank, auf der nun anstelle seiner Nuckel ein neues Buch lag. Kurz verwirrt, wo seine „Nunas“ denn geblieben wären, erinnerte er sich dann doch an die Schnullerfee und zeigte mit dem Finger fragend Richtung Regen. Und schon war das Buch spannender als irgendwelche Schnuller und irgendwelche geheimnisvollen Zauberwesen.

Was kann ich dir jetzt als Tipps zur Schnullerentwöhnung mitgeben?
1.) Informiere dich, was für dich und dein Kind persönlich der beste Weg sein könnte (z.B. Schnuller durch Schnuffeltuch oder ein anderes Zubett-geh-Ritual ersetzen). Nicht jeder Tipp passt zur eigenen Familie. Ob man den o.g. sanften Weg oder eher den radikalen (jeden Tag ein Stück vom Sauger abschneiden, bis nix mehr an Kaufläche übrig ist) wählt, ist sicherlich Typsache!
2.) Erspüre den richtigen Zeitpunkt. Beobachte dein Kind im Alltag. Gibt es noch viel Geschrei, wenn der Schnuller mal weg ist? Oder ist die Zeit reif, das Kind langsam zu entwöhnen? Höre auch auf deinen Mutterinstinkt. Nur, weil im Internet steht, dass es am Besten ist, den Nachwuchs bis zum dritten Jahr vom Nuckel entwöhnt zu haben, muss das nicht unbedingt auf den Eigenen zutreffen. Vielleicht braucht dein Sohn, deine Tochter auch noch ein wenig mehr Zeit. Ich rate außerdem davon ab, während einer Krankheit oder einer stressigen Phase (z.B. KiTa-Eingewöhnung, neues Geschwisterkind) den Schnuller abzugewöhnen, das würde wahrscheinlich nur zusätzlichen Stress auslösen.
3.) Wenn du nach ausführlichen Überlegungen die Entscheidung zur Entwöhnung gefällt hast, ziehe sie konsequent durch!

Meiner persönlichen Meinung nach ist der letzte Punkt der Entscheidende, besonders in der ersten Schnullerlosen Nacht. Für dein Kind ist es eine neue, vielleicht beängstigende Situation, plötzlich ohne den geliebten Tröst-Sauger auskommen zu müssen. Ich bin mir sicher, dass es spürt, wie du zu dem Thema stehst. Wenn du dein Kind mit dem Gedanken „Das wird eh nicht klappen, gleich heult er sicher los“ ins Bett steckst, kannst du noch so oft betonen, warum die Schnullerfee eine gute Idee wäre. Solange du selbst nicht hundertprozentig hinter der Entscheidung stehst, vielleicht auch noch unsicher bist, wird dein Kind das spüren. Warum sollte es jetzt guten Gewissens den Schnuller abgeben?

Seitdem die Schnullerfee bei uns vorbeiflog, sind nun schon einige Tage vergangen und summa summarum hat alles wunderbar funktioniert. Mini fragte zwar ab und an noch mal vor dem Schlafengehen nach seinem „Nuna“, aber nach kurzer Erinnerung, dass den doch die Schnullerfee mitgenommen hatte, kam ein verständnisvolles „Okay“, dicht gefolgt von Schnarchgeräuschen aus dem Kinderbett. Lediglich der Mittagsschlaf hat unter dem Fehlen des Schnullers gelitten, aber da hoffen wir noch, dass sich das wieder legt. Im Nachhinein bin ich jedenfalls mehr als froh, dass wir nicht gezwungen waren, drei Tonnen Hausmüll nach drei kleinen Nuckeln zu durchforsten.

Wie hast du die Schnullerentwöhnung deines Kindes erlebt? War es so schlimm wie befürchtet oder doch ähnlich unkompliziert wie bei uns? Mit welchen Tricks hast du gearbeitet? Und wie alt war dein Kind, als der Nuckel kein Thema mehr wurde? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen und freue mich auf deinen Kommentar!Zeit für die Schnullerfee?

Ein Gedanke zu „Zeit für die Schnullerfee?“

  1. Manuela sagt:

    Ich freu mich sehr für dich, dass es so unkompliziert gelaufen ist mit dem Schnuller entwöhnen. Es kann ja auch mal was einfach sein ne ;-)
    Mir graut es ehrlich gesagt schon davor, ich denke aber es ist noch nicht soweit und wir warten noch mindestens bis zum 2. Geburtstag. Ich hab echt Schiss, dass dann das Schlafen wieder ne Katastrophe wird. Im Moment gibts schon mal tagsüber (meist) keinen Schnuller und ich hoffe es wird dann letztendlich leichter als gedacht.
    Liebe Grüße
    Ela

Was sagst du dazu? Schreibe einen Kommentar!

Dein Kommentar wurde nicht (oder nur unvollständig) freigeschaltet? Lies hier, warum!