Lebensfragen

Werte und Normen aus der Kindheit und welche ich gerne weitergeben möchte


Man mag es kaum glauben, aber der heutige Beitrag ist das Ergebnis einer Liebster-Award-Nominierung. Statt der üblichen 11 Fragen über Blogger(in) und Blog, die wohl Jede(r) von uns schon einmal gestellt bekam, hat sich Jasmin von Wurzelkraft und Flügelschlag einem äußerst tiefgehenden Thema genähert: Es geht um Werte und Normen aus der Kindheit, wie sie unser Leben heute prägen und welche es wert sind, an die nächste Generation weitergegeben zu werden. Hier findest du nun elf Antworten auf elf achtsame Fragen, die meiner Meinung nach Jeder einmal für sich persönlich beantworten sollte.

1. Welche Werte und Normen waren in Deiner Kindheit wichtig?

Meine Mutter war ein unheimlich freiheitsliebender und gefühlsbetonter Mensch. Bei ihr habe ich vor allem eine relativ antiautoritäre Erziehung erlebt mit wenig Grenzen und viel Raum für eigene Wünsche. Meine Talente wurden gefördert, jedoch nur in dem gesunden Maße, wie ich es selber wollte. Für meinen Vater hingegen standen vor allem schulische Leistungen und ein „anständiger“ Ausbildungsweg im Vordergrund.

2. Wie hast Du die Werte und Normen Deiner Eltern damals empfunden?

Mit der Gefühlswelt meiner Mutter konnte ich schon als Kind mehr anfangen. Und da ich auf dem Gymnasium hart für gute Noten arbeiten musste, gefielen mir Nachhilfestunden mit meinem Vater am Wochenende natürlich nie besonders gut. Rückblickend muss ich aber sagen, dass mir das Aufwachsen ohne große Regeln und Verbote auch nicht besonders gut tat. Dass mein Vater grundsätzlich Interesse daran hatte, dass ich einen guten Schul- und Ausbildungsabschluss bekam, konnte ich damals schon verstehen. Dennoch war es meiner Erfahrung nach einfach zu viel des Guten, da man in seinen Augen an Achtung verlor, wenn man es nicht „zu etwas gebracht“ hatte.

Werte und Normen aus der Kindheit und welche ich gerne weitergeben möchte
3. Welche Normen hatten positive Folgen in Deinem späteren Leben, welche hatten negative?

Ein halbes Jahr vor dem Abitur brach ich mit einem durchschnittlichen Fachabi die Schule ab, riskierte Unverständnis und Angst um mein Wohlwollen in der Familie, zog 800km weit weg und bestand mit Bravour die Ausbildung zur Hotelfachfrau. Zwei Jahre in dem Job genügten mir, um zu wissen, dass mich die Arbeit im Hotelgewerbe auf Dauer nicht glücklich machen würde. Heute belege ich ein Abend-Studium zur Heilpraktikerin.
Was ich daraus gelernt habe? Zeugnisse und Abschlüsse sind wichtig und geben einem ein Gefühl der Sicherheit. Aber sie sind keine Garantie für ein glückliches (Arbeits-)Leben. Auf sein Gefühl hören, ungewohnte oder unbequeme Wege gehen und am Ende wissen, wofür es gut war – das habe ich mitgenommen.

4. Welche Werte und Normen gibst Du bewusst oder bisher unbewusst an Deine Kinder weiter?

Da meine Jungs mit ihren drei und zwei Jahren noch sehr klein sind, kann ich noch nicht abschätzen, was ich ihnen unbewusst mitgebe. Mir ist es wichtig, meine Kinder in einer respektvollen Atmosphäre aufwachsen zu lassen, in der Ehrlichkeit, ein freundliches Miteinander und Mitgefühl eine große Rolle spielen. Grenzen zu setzen finde ich sehr bedeutsam, genauso wie ich ihnen beibringe, dass man Verantwortung für sein Handeln tragen muss.

Werte und Normen aus der Kindheit und welche ich gerne weitergeben möchte
5. Wie war in Deinem Leben das Verhältnis von Begrenzung und Freiheit? Gruppenzugehörigkeit und Individualität?

Als Kindergartenkind und auch später in der Grundschule war ich sozial sehr eingebunden und hatte eine Vielzahl an Freunden. Später verlor sich das ein wenig, in der neunten Klasse wurde ich sogar eine Zeitlang von meinen Mitschülerinnen gemobbt. Ich denke, ich war von Natur aus schon immer eher Einzelgänger denn Teamplayer, Gruppenarbeit mag ich selbst heute noch nicht; ganz nach dem Motto „Viele Köche verderben den Brei“.

6. Wie empfindest Du das Verhältnis heute?

Ich bin auch jetzt mit über Dreißig kein Mensch, der unzählige Kontakte in seinem Adressbuch aufweisen kann, sondern wähle und pflege meine wenigen Freundschaften ganz bewusst. Qualität statt Quantität.

7. Gibt es Vorbilder oder Ideale in Deinem Leben? Wenn ja, welche?

Ich bin nicht mit klassischen Vorbildern groß geworden, habe auch Niemanden im Bekanntenkreis, bei dem ich sagen würde: Der verhält sich nach meinem Ideal. Ich mag Charaktere, die auch im tiefsten Chaos eine innere Ruhe ausstrahlen oder bei kleineren oder größeren Katastrophen nicht in Panik geraten. Menschen, die ehrlich ihre Meinung sagen, auch wenn es unbequem ist und auf der anderen Seite auch mal schweigen und zuhören können.

8. Wie möchtest Du überhaupt nicht sein? Benenne dafür drei Adjektive.

Bewertend. Ungeduldig. Festgefahren in alten Denkmustern.
Sagen wir mal so, ich übe täglich daran.

Werte und Normen aus der Kindheit und welche ich gerne weitergeben möchte
9. Welches ist eins der wichtigsten Erlebnisse (gute und schlechte) aus Deiner Kindheit?

Das wichtigste gute Erlebnis: Der Moment, in dem mein Opa mich das erste Mal auf seiner alten Geige spielen ließ. Der Beginn einer tiefen Liebe zwischen mir und dem Instrument.
Das wichtigste schlechte Erlebnis: Sicherlich die Scheidung meiner Eltern. Das hat mir jahrelang zu schaffen gemacht. Dennoch denke ich heute, dass ich womöglich nicht Diejenige wäre, die ich jetzt bin, wenn mein Leben anders verlaufen wäre. Und das fände ich wirklich sehr schade.

10. Was war in Deinem bisherigen Leben die größte Herausforderung? Was konntest Du daraus lernen?

Ganz klar, das Muttersein ist und bleibt für mich die größte Herausforderung und ich lerne jeden Tag neu dazu. Dass mein Leben nun so fremdbestimmt ist. Dass die falsche T-Shirt-Farbe eine Katastrophe sein kann. Dass sich Prioritäten im Leben plötzlich verschieben (Familie ist wichtig, Flecken auf der neuen Bluse eher weniger).

11. Wie möchtest Du von Deinen Kindern in Erinnerung behalten werden?

Als eine liebevolle Mutter, die stets konsequent war und ihre Kinder immer ernst nahm.

Vielen Dank noch einmal, liebe Jasmin, für die intensiven Momente, die du mir mit deinen persönlichen Fragen beschert hast!

Ein Gedanke zu „Werte und Normen aus der Kindheit und welche ich gerne weitergeben möchte“

  1. Wurzeln und Flügel sagt:

    Liebe Christine,

    ich freue mich, dass Du es gewagt hast, diese sehr speziellen Fragen zu beantworten und an meinem „Liebster Award“ teilzunehmen. Und ich freue mich noch viel mehr, dass ich dazu beitragen durfte, dass Du Dich besser kennenlernen konntest!

    Herzliche Grüße,
    Jasmin

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