Lebensfragen

Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschieben

„Was ist eine Tragödie? Richtig: Ein Drama, in dem der Held der Geschichte zum Scheitern verurteilt ist, egal, für welchen Weg er sich entscheidet.“ Es war unser Deutschlehrer, der uns in der achten Klasse Sophokles‘ „Antigone“ näherbringen wollte. Ich gebe zu, so richtig Feuer und Flamme waren wir damals nicht, was altgriechische Literatur anging, nicht mal den Namen der Protagonistin konnte auch nur einer von uns richtig aussprechen („An-ti-gone heißt es, Kinder! Nicht Antigoooone!“), geschweige denn den Inhalt verstehen. Heute kann ich es mehr, als mir lieb ist. Denn mein Leben fühlt sich derzeit selbst wie eine Tragödie an. Antigone im 21. Jahrhundert.

Der Regen prasselt unablässig ans Wohnzimmerfenster. Letzte Nacht hatte es fortwährend gestürmt. Es scheint mir ein passendes Sinnbild meiner Situation zu sein. Während ich in meinem Lesesessel sitze und diese Zeilen in mein Notebook tippe, spielt der Mann oben im Kinderzimmer mit unserem Vierjährigen. Unser Großer ist bereits im Kindergarten. Mini geht erst später; nach unserem Umzug bekamen wir in seiner KiTa nur noch einen Nachmittagsplatz.

Eigentlich hatte ich gedacht, mit diesem Modell der Kinderbetreuung zurecht zu kommen. Vormittags den Kleinen zuhause, nachmittags seinen Bruder. Dazwischen zwei Stunden zum Durchatmen nur für mich. Es schien eine ideale Konstellation zu sein. Nicht zuletzt deshalb, weil ich meinem Jüngsten so gerne die Zeit mit Mama vormittags ermöglichen wollte, nachdem ich seinen Bruder erst kürzlich sieben Monate eigens, fernab des Kindergartens, betreut hatte.

Es brach mir das Genick.

Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschiebenSo depressiv, streitsüchtig und völlig am Ende meiner Kräfte wie in den letzten Wochen hatte ich mich schon lange nicht mehr erlebt. Die Lust am Muttersein war gänzlich verschwunden, stattdessen ein ewiges Aushalten und den-Tag-überstehen. Ich hatte es satt, permanenter Fixpunkt in der Familie zu sein. Mama hier, Mama da, überall war meine Aufmerksamkeit gefragt, die mir keinen Raum mehr für mich selbst gab.

Es bedarf einer Entscheidung. So konnte es nicht weitergehen.

Ich traute mich kaum, tief in mein Herz zu schauen und nach meinen wahren Wünschen zu fragen. Die Antwort kannte ich längst. Sie bedeutete Erleichterung und Schmerz zugleich.

Und dennoch war der Schritt unumgänglich: Eine Vormittagsbetreuung für Mini musste her. Mehr Freiheit, mehr kinderfreie Zeit für mich. Mehr Luft, mehr durchatmen. Weniger Mama, mehr Ich. Da war sie wieder: Antigone.

Antigone hatte ihrer Zeit zugunsten der Götter ihrem Bruder im Alleingang eine würdevolle Beerdigung zukommen lassen, sich aber somit gegen einen Teil ihrer Familie gestellt, denn ihr Onkel, der König, hatte angeordnet, die Gebeine den Tieren zum Fraß vorzuwerfen. Daraufhin erfolgte ein Streit, ob der Wille der Götter oder die Pflichten gegenüber des Königs das Maß aller Dinge sind und Antigone wurde verhaftet. Am Ende nahm sie sich selbst das Leben.

Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschiebenDie Kerze flackert leicht, sie gibt dem Raum eine heimelige Atmosphäre. Der Regen draußen hat ein wenig nachgelassen, über die Kopfhörer dringt sanft Samantha James‘ Stimme zu mir. „I know I’ll find a way“ singt sie. Ich weiß, ich werde einen Weg finden.

So dramatisch wie es bei Antigone damals endete, wird es hier nicht zugehen. Und trotzdem fühlt sich meine Entscheidung, die Kinder den Großteil des Tages, und, die Mehrheit der Tage in der Woche, fremdbetreuen zu lassen, wie Scheitern an.

Damals hatte ich die Elternzeit eingereicht, um viel Zeit mit Mini und Maxi verbringen zu können, und um die Zwei nach meinen Wertvorstellungen großzuziehen. Ich wollte mit ihnen spielen, für sie da sein und ihnen das Gefühl geben, dass sie das Wichtigste in meinem Leben sind. Damals wusste ich noch nicht, dass ich an der gemeinsamen Zeit mit ihnen kaputtgehen würde. Dass mein hochsensibler Kern mit permanenter, kindlicher Forderung nach Aufmerksamkeit überfordert ist und mir das Wichtigste in meinem Leben meine eigene Freiheit und Selbstbestimmung ist.

Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschiebenKann man seinen Kindern eine liebende Mutter sein, wenn die eigene Freiheit einen größeren Stellenwert einnimmt, als die Zeit mit dem Nachwuchs? Kann man seinen Kindern eine liebende Mutter sein, wenn die Hauptzeit der Betreuung Jemand anderes übernimmt?

Natürlich, für andere Mütter ist zumindest letzteres, mitunter seit die Kinder noch jünger waren, (traurige) Realität. Alleinerziehende Mütter, die auf Kindergarten oder Tagesmütter angewiesen sind, weil ihr Fulltimejob gerade mal die Familie ernährt. Oder Mamas, die, genau wie ihre Männer, an fünf Tagen die Woche gerne arbeiten möchten.

Wenn ich an diese Mütter denke, komme ich im Leben nicht auf die Idee, dass deren Kinder sich vernachlässigt oder gar abgeschoben fühlen würden. Bei meinen Kindern denke ich es.

Weil ich nicht gezwungen bin, einen Job anzunehmen. Weil die Firma meines Mannes genug Geld für uns alle abwirft. Und genau da setzt mein schlechtes Gewissen an: Ich gebe freiwillig meine Kinder ab, obwohl ich es nicht müsste. Kein Job zwingt mich dazu, ich habe keine verständliche Ausrede, wenn mein Mini am Kindergartentürchen weinend vor mir steht und darum bittet, noch vor Kindergartenbeginn wieder mit mir nach Hause gehen zu dürfen. Er könne doch einfach neben mir spielen, bittet er mich. „Mama braucht jetzt mal Zeit für sich“ sage ich dann und wünschte, ich könnte sagen, dass der blöde Job wartet oder der strenge Arbeitgeber schuld sei.

So aber kommt es mir vor, als ob ich meinem Sohn vermitteln würde, dass er mir lästig zuhause sei.

Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschieben

Antigone. Soll ich dem Willen der Götter (dem Göttlichen in mir, meiner Seele) nachgehen oder die Pflichten des irdischen Lebens (die Eigenbetreuung meiner Kinder) in den Fokus stellen? Nach fünf Jahren Muttersein wird es mal wieder Zeit, die Prioritäten anders zu setzen. Ab Montag wird Mini zusätzlich von einer Tagesmutter betreut.

Dass ich viel Zeit für mich brauche, wusste ich bereits sehr schnell nach der Geburt. Allerdings hoffte ich lange, viel zu lange, dass mir zwei Stündchen am Mittag und in den Abendstunden genügen würden. Ich maß zu sehr mit anderen Müttern, die Kraft aus der Zeit mit ihren Kindern ziehen.

Mir einzugestehen, dass ich mehr Pausen von Mini und Maxi benötige, als ich es mir wünsche, ist ein schmerzvoller Prozess. Ich wollte gerade in ihren jungen Jahren viel Zeit mit den Beiden verbringen, ihnen eine stabile Bindung zu ihrer Mutter bieten. Stattdessen bin ich ständig genervt und viel zu selten ein ausgeglichenes Gegenüber. Dass Wunsch und Wirklichkeit dermaßen auseinanderdriften, ist für mich auch nach fünf Jahren noch nicht einfach zu verstehen.

Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschiebenIch weiß, wie wichtig es ist, mir selbst keine Vorwürfe zu machen. Für mein hochsensibles Wesen kann ich genauso wenig wie für mein stilles, ruhebedürftiges Temperament. Es wird wohl ein langer Prozess werden, dies zu akzeptieren, ohne mir permanent ein schlechtes Gewissen zu machen.

Ich werde mich sicherlich noch einige Zeit unwohl und herzlos mit meiner Entscheidung fühlen, auch wenn ich weiß, dass es momentan die beste Entscheidung für alle ist. Für mich, weil ich mehr Raum und Zeit zum Relaxen habe um damit in der wenigen Zeit, die mir anschließend mit den Kindern bleibt, hoffentlich eine entspanntere Mutter zu sein, die nicht bei jeder Kleinigkeit ausflippt, weil ihre Nerven zu dünn sind. Nicht zuletzt freut sich auch mein Mann darüber, mit gutem Gewissen zur Arbeit fahren zu können und sich nicht wie heute, schon wieder frei nehmen muss, weil seine Frau dringend eine Pause benötigt und ohne seine Hilfe zuhause der Notstand ausbräche.

Ich fühle mich in der Verantwortung, auf meine Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Und ich hoffe sehr, dass ich in naher oder ferner Zukunft einmal sagen kann, dass es die richtige Entscheidung war. Sofern man in einer Tragödie überhaupt von einer richtigen Entscheidung sprechen kann.

18 Gedanken zu „Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschieben“

  1. Ilka sagt:

    Liebe Christine, ich lese schon länger Deinen Blogg und würde mich so gerne mit Dir austauschen. Mir geht es nämlich genauso. Ich habe zwei Kinder. Mein Großer ist Deinem unheimlich ähnlich. Ich stecke momentan genauso in einem Gefühlschaos wie Du. Dein aktueller Bericht trifft zu 100% meine eigene Situation. Mein Großer will nicht in den Kindergarten und ich würde so gerne sagen, dass er hier bei mir und seiner 9 Monate alten Schwester bleiben darf. Mir ist das aber einfach zu viel, schon die Nachmittage mit beiden Kids bringen mich an den Rand…! Für die Kleine hätte ich ab Oktober für 2 halbe Tage eine Tagesmutter, die zu uns nach Hause kommt. So sehr ich mir den Freiraum wünsche, plagt mich das schlechte Gewissen, mir das zugestehen zu dürfen. Du siehst es geht anderen genauso. Auch ich habe gedacht, dass ich das Leben mit Kindern leichter und unbeschwerter anfühlen würde. Ich fühle mit Dir. Herzliche Grüße und viel Kraft und vor allem kein schlechtes Gewissen

    1. Christine sagt:

      Liebe Ilka,

      vielen Dank für deine mitfühlenden Worte! Ich wünsche uns beiden, dass wir das schlechte Gewissen schnell ad acta legen können, wenn wir erst einmal erfahren, wie gut es uns, aber auch der ganzen Familie, mit der Entscheidung geht.

      Und was spricht dagegen, dass wir uns weiter austauschen? :) Wenn du magst, freue ich mich auf deine Mail ♡

      mail@pusteblumen-fuer-mama.de

    2. Janina sagt:

      Liebe Christine,
      ich lese deinen Blog in unregelmäßigen Abständen, aber immer dann, wenn meine Welt mal wieder auf Turbo gestellt wurde und ich einfach nicht mehr hinterher komme. Dein Beitrag hat mich zunächst beschämt, nicht weil ich dich verurteile, sondern weil ich mir eingestanden habe, dass es mir ganz genauso geht und ich es mir immer selbst vorwerfe.
      Ich arbeite zwar von zu Hause und auch nur wenige Stunden, dennoch gehen meine Kinder täglich 6 Stunden in die Kita. Und das schlimmste daran ist, dass ich ab etwa 13 Uhr ständig auf die Uhr gucke, hin und hergerissen zwischen dem schlechten Gewissen, weil meine Kinder fremdbetreut sind und ich auf der Couch gerade eine Pause mache und dem Gefühl, dass es NUR NOCH 2 Stunden sind, bis ich meine Kinder abholen MUSS.
      Die zweite Hälfte deines Beitrags hat mir dann die Tränen in die Augen getrieben, während meine beiden Jungs gerade lauthals schreiend durch die Wohnung rennen, die derzeit aus einem Karton-Jungle besteht (Umzug nächste Woche). Ich fühle mich, als hättest du meinen Kopf angezapft und meine innersten Gefühle herausgekratzt. Schmerzlich, definitiv, aber auch irgendwie beruhigend. Und so geht es mir mit den meisten deiner Beiträge. Ich lese jetzt noch ein paar andere, die sicherlich nicht weniger an meinem Nervenkostüm kratzen werden. ;)
      Alles Liebe,
      Janina
      Ich danke dir für diese Zeilen und deine ehrlichen Worte.

      1. Christine sagt:

        Liebe Janina,

        es freut mich irgendwie zu lesen, dass du dich immer wieder in meinen Texten wiederfindest und dann denken ich sofort: „Oh Gott die Arme!“ :-D
        Ich hoffe, dein Umzug ist so stressfrei wie möglich über die Bühne gegangen und ihr könnt euch schnell einleben (und die Kartons schleunigst entsorgen).

        Alles Liebe dir weiterhin und danke auch dir für eine ehrlichen Worte ♡
        Christine

  2. Frühlingskindermama sagt:

    Liebe Christine,

    ich möchte Dir immer wieder auf’s Neue danken für Sätze wie: „Kann man seinen Kindern eine liebende Mutter sein, wenn die eigene Freiheit einen größeren Stellenwert einnimmt, als die Zeit mit dem Nachwuchs?“
    Ich kenne keinen anderen Blog, der das so deutlich und schonungslos ausspricht wie Du. Und da es mir auch so geht wie Dir, ich die gleichen Gedanken und Gefühle habe wie Du, tut es immer wieder gut, sowas schwarz auf weiß zu lesen. Danke!
    (P. S. Ich glaube, Deine Entscheidung ist nicht nur richtig, sondern notwendig.)
    Liebe Grüße!

    1. Christine sagt:

      Liebe Frühlingskindermama,

      auch ich möchte dir für deine ehrlichen Worte danken! Es ist schön, immer und immer wieder zu erleben, dass mein Blog zu einer „Plattform der ehrlichen Worte“ wird und sich so viele Leserinnen (so auch du) trauen, hier öffentlich über ihre Gedanken und Gefühle zu sprechen.

      Liebe Grüße zurück :)

  3. Marion sagt:

    Ich sehe es nicht als Scheitern, denn du „scheiterst“ höchstens an einem Überideal, an einer Gesellschaftslüge, die Müttern heutzutage eingeredet wird. Nämlich, dass die Kinder über allem stehen sollen und Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse egoistisch sind.
    Ich sehe es eher so, dass etwas sehr Heiles und Gesundes in dir selbst, einfach deine Selbstliebe, sich wieder ihren berechtigten Platz zu erkämpfen versucht.
    Und auch wenn du die Zeit gerade „nur“ nutzt, um dich auszuruhen, so findet sicher dabei auch eine innere Entwicklung statt. Wenn die schlimmste Erschöpfung allmählich gewichen ist, dann wirst du neue Wünsche und Ziele für dich selbst spüren, egal ob beruflich oder privat. Aber damit das wieder an die Oberfläche kommen kann, braucht es Zeit und Erholung.
    Vielleicht hilft es dir, wenn du es aus dem Blickwinkel betrachtest, dass du damit für deine Kinder ein Vorbild bist, seine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und für sie einzustehen.
    Ich wünsche dir von Herzen, dass du die Zeit für dich genießen kannst!

    1. Christine sagt:

      Liebe Marion,

      das hast du sehr schön gesagt, ich danke dir von Herzen dafür ♡

  4. Carina sagt:

    Hallo Christine,

    ich lese nun schon länger deinen Blog und es tut mir sooo gut! Ich finde mich in so vielem wieder. Es ist toll, wie ehrlich du all das aussprechen bzw. schreiben kannst, was dich bewegt, belastet, deine Gefühle. Gerade als hochsensible Mama fühlt man sich im Alltag oft so allein. Mir geht es oft so, dass ich mich so anders fühle, irgendwie falsch, weil ich so ganz anders bin als die anderen Mütter, so viel Ruhe und Pausen brauche und mich am besten alleine erhole.
    Ich kann sehr gut verstehen was du in diesem Beitrag geschrieben hast, einerseits die Erleichterung aber andererseits auch das schlechte Gewissen. Und diese Diskrepanz zwischen dem was man sich wünscht und dem was man aber braucht.
    Mir ging das jetzt in unserem Urlaub so. Ich hätte viel mehr Zeit für mich alleine gebraucht, habe sie mir aber nicht genommen. Für meinen Mann wäre das überhaupt kein Problem gewesen, er kann gut damit umgehen und er weiß oft besser als ich was ich brauche. Aber ich habe mir die Zeit nicht zugestanden, schließlich ist es ja ein Familienurlaub, da will ich Dinge zusammen mit meinem Mann und Sohn unternehmen. Folge ist nun, ich habe mich nicht erholt, und habe zudem noch das Gefühl, dass ich gescheitert bin, weil ich es nicht geschafft habe für mich selbst gut zu sorgen.
    Auf jeden Fall ein ganz großes Danke für deinen Blog und deine offenen, ehrlichen Worte!

    Liebe Grüße Carina

    1. Christine sagt:

      Liebe Carina,

      auch, wenn du schon länger Leserin meines Mama-Blogs für hochsensible Mütter bist, heiße ich dich dennoch heute ganz herzlich willkommen! Es freut mich, dass du dich hier so gut aufgehoben und in vielem verstanden fühlst!
      Auch deine Gefühlslage im Urlaub kann ich absolut nachvollziehen – mir ergeht es meistens sonntags so, wenn der Mann frei hat und hier zuhause ist. Eigentlich habe ich dann den Freifahrtsschein, den Tag alleine für mich etwas zu machen, weil er dann die Kinderbetreuung (gerne!) übernimmt. Und trotzdem denke ich oft „Es ist der einzige Tag in der Woche, an dem wir alle was zusammen machen könnten, wie schön wäre doch jetzt ein Ausflug“ und dann nach dem Ausflug denke ich „Wäre ich doch bloß nicht mitgegangen, sondern hätte mich zuhause erholt“ weil es so anstrengend war…

      Ich hoffe, du findest dennoch viel Zeit zwischendurch zum Erholen, auch nach eurem Urlaub noch!

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Christine

  5. Angelika sagt:

    Ich kann so sehr mit dir mitfühlen. Seit nun2 Wochen habe ich alle drei Kinder am vormittag betreut. Aber die Betreuung endet bereits um 12 Uhr. Als der jüngste Sproß noch zu Hause war, müssten seine beiden Schwestern bis 14.30Uhr im Kindergarten bleiben, weil ich den ganzen Nachmittag mit drei Kindern nicht geschafft hab. Zu Beginn fühlte ich mich dabei auch schlecht, aber ich wusste, dass es nötig ist für mich und meine Psyche.
    Heute sind wie gesagt alle drei Kinder am Vormittag betreut, aber der Nachmittag beginnt schon um 12 Uhr und um 15 Uhr frage ich mich bereits, wann denn endlich alle im Bett sind… Hier arbeite ich im Moment noch an einer Lösung für mich.
    Ich wünsche Dir viel Kraft und den Mut, neue Betreuungsvarianten auszuprobieren. Es lohnt sich, für dich und für deine Familie!

    1. Christine sagt:

      Liebe Angelika,

      vielen Dank für deine mutmachenden Worte! Dass du bereits um 15h an deinen Feierabend denkst, kann ich absolut nachvollziehen, obwohl ich unter der Woche ja immer „nur“ ein Kind habe. Respekt, dass du das mit 3en packst!

      Ich wünsche auch dir, dass du für die Nachmittage noch eine gute Lösung für dich und die Kinder findest.
      Alles Liebe, hier kommt eine Portion Sternenstaub zum Drunterstellen und Energie tanken ;-)

      Christine

  6. Sabrina sagt:

    Liebe Christine,
    gerade ist die Kleine im Bett und selten hat es mit so gut getan deine Worte zu lesen wie heute! Langsam bekomme ich wieder Luft und die Anspannung fällt zumindest ein wenig von mir ab.
    Ich zähle fast schon die Tage bis meine Tochter in die Krippe kommt und ich wieder arbeiten kann. Bei uns wäre das finanziell auch nicht zwingend notwendig, aber ich brauche meinen Job um mich gebraucht zu fühlen. Ich weiß, das klingt paradox, zumal ich auch noch selbst Erzieherin bin. Wie kann ich mich darauf freuen fremde Kinder zu betreuen und mein eigenes abzugeben? Aber ich brauche den räumlichen Abstand und habe das Bedürfnis, meine professionelle Rolle einzunehmen die ich, wie ich immer wieder feststelle, irgendwie besser erfüllen kann als meine Mutterrolle, die mir so oft fremd ist. Hausfrau und (nur) Mutter sein – das kann ich irgendwie nicht gut. Trotz oder gerade deshalb, weil ich mich eigentlich gut auskenne mit Kindern. Auf der Arbeit konnte mich nichts so schnell aus der Ruhe bringen, ich könnte eigentlich immer eine Gewisse Distanz zu den täglichen Anforderungen wahren.
    Jetzt komme ich nahezu ständig an meine Grenzen. Wenn die Kleine zum hundertsten Mal die Schubladen ausräumt, die ich gerade wieder eingeräumt hatte. Oder wenn sie sich wieder auszieht, nachdem ich 10 Minuten geraucht habe sie unter lautstarkem Protest anzuziehen. Dieses Tendenz von Kindern Chaos und Unordnung zu schaffen ist ein Phänomen, dass ich rational natürlich verstehen kann, weil entwicklungsbedingt. Aber mein hochsensibles Wesen wehrt sich dagegen.
    Ich könnte noch ewig weiter jammern. Aber es bringt ja nichts. Für mich bleibt die Hoffnung, dass ich mich irgendwann besser in meinem Alltag mit Kind zurecht finde.

    Dir möchte ich wieder von Herzen danken für deine ehrlichen Worte, deine treffenden Vergleiche und dafür, dass du mir und vielen anderen Lesern das Gefühl gibst, nicht allein zu sein unter all den Müttern, die so anders sind.

    Sabrina

    1. Christine sagt:

      Hallo liebe Sabrina,

      verzeih‘ bitte, dass ich erst jetzt die Zeit finde, dir zu antworten!
      Das Gefühl, woanders (also eben außer Haus, räumlich woanders) gebraucht zu werden, kann ich sehr gut nachvollziehen. Gerade heute Morgen erst war ich ehrenamtlich im Krankenhaus arbeiten (Patienten besuchen) und hatte danach das Gefühl, wirklich etwas sinnvolles gemacht zu haben. Ich brauche das genau wie du, in der beruflichen Rolle aufzugehen. Wie du schon sagst, agiert und reagiert man dann auf einer anderen, professionellen Ebene und das ist für mich ein wunderbarer Ausgleich.

      Hast du denn schon konkret einen Krippenplatz für deine Tochter? Kannst du also die Tage/Wochen zählen oder steht der Aufnahmetermin noch in den Sternen? Ich drücke dir jedenfalls ganz sehr die Daumen, dass du bald Entlastung erfährst und wieder „beruflich“ als Erzieherin durchstarten kannst, nicht nur „privat“ ;-)

      Danke für deine lieben Worte zu meinem Text!

      Alles Liebe
      Christine

  7. Astrid sagt:

    Liebe Christine,
    auch ich lese deinen Blog im regelmäßigen Abständen.. bin selber eine hochsensible, Alleinerziehende Mama….
    Auch ich bin gerade mit dem Thema „abschieben“ meines Kindes konfrontiert… und weiß gerade nicht mehr so richtig, was ist falsch und was ist richtig. Kurz:
    Ich habe neben meinem fulltime-Job, meinem süßen Sohn auch seit einiger Zeit einen Partner, der aber 30 Jahre älter ist als ich….
    Ich mache meinen Job nicht nur, weil ich muss, sondern auch weil ich dringend einen Ausgleich zur Kindererziehung brauche… ich drehe sonst durch… mit der Arbeit fühle ich mich mehr als ich..
    Da mein Partner selber bereits drei erwachsene Kinder hat und wir beide unser Leben haben, ist für uns unsere konstellation, dass wir uns alle 14 Tage für ein Wochenende sehen, perfekt…
    Tatsache ist, dass ich meine kleine Welt mit meinem Partner, alle 2 Wochen für ein paar Tage nur ich, eine sinnliche und freie Frau sein zu können, brauche…. es sind zwei verschiedene Welten, die ich momentan nicht zusammenbringen möchte..

    Nun ist meine Familie der Meinung mir sagen zu müssen, dass sie mein Verhalten nicht in Ordnung finden… es sei ein egoistisches und verantwortungsloses Verhalten, meinen Sohn alle zwei Wochen für Max. 36 Stunden und dann auch manchmal noch nachmittags unter der Woche einfach „abzuschieben“… er sei wohl sehr traurig, wenn ich nicht bei ihm wäre…(davon merke ich aber nichts)…

    Ist das tatsächlich so? Bin ich verantwortungslos? Bin ich eine rabenmutter, weil ich die Möglichkeit genieße auch mein Frau sein Leben zu können?
    Habe ich, nur weil ich ein Kind habe, nicht mehr das Recht auf mein eigenes Leben?

    1. Christine sagt:

      Liebe Astrid,

      lieben Dank für den ehrlichen Einblick in dein Gefühls- und Familienleben!
      Leider sind es oft die engsten Vertrauten um uns herum, die den größten Einfluss auf unsere eigene Meinung und unsere Gefühlswelt haben. Ich möchte dich dennoch weiterhin dazu ermutigen, vor allem auf dich und deinen Sohn zu schauen und zu gucken, was euch beiden am Besten tut. Es erscheint mir beim Lesen deiner Geschichte wichtig, dass du viel Zeit für dich einräumst. Und da du sagst, dass dein Sohn auf dich keinen traurigen Eindruck macht, wenn er dich alle zwei Wochen für zwei Tage mal nicht sieht, finde ich es völlig in Ordnung, wenn ihr es weiterhin so handhabt. Sicherlich wird es ihm nicht immer gleich gut gehen mit deiner Abwesenheit, aber noch wichtiger ist es, dass er grundsätzlich das Gefühl bekommt, von dir geliebt zu sein und an den Tagen, wo du für ihn da bist, Sicherheit und Geborgenheit erfährt.

      Für Kinder ist es wichtig, dass sie von lieben Menschen umsorgt sind und das muss nicht rund um die Uhr die Mutter sein. Egoistisch finde ich dein Verhalten nicht, ich würde es selbstfürsorgend nennen. Denn du schreibst ja selbst, dass du viel Zeit für dich benötigst, um dich in deiner Ganzheit zu spüren.

      Vielleicht hilft ja nochmal ein klärendes Gespräch mit deiner Familie, in dem Jeder offen seine Wünsche, aber auch seine Ängste bzgl. dieses Themas auf den Tisch legen darf? Stecken womöglich noch andere Dinge dahinter, die bisher nicht offen kommuniziert wurden? Ist deine Familie möglicherweise auch überfordert mit der Betreuung? Gibt es eine Möglichkeit der Betreuung, die alle gleichermaßen entlastet und bereichert?

      Ich hoffe, ich konnte dir mit meinen Gedanken ein wenig weiterhelfen und wünsche dir viel Kraft sowie das Selbstbewusstsein, zu dir und deinen Grundbedürfnissen zu stehen!

      Herzlichst,
      Christine

  8. Astrid sagt:

    Liebe Christine,
    Ich danke dir sehr für deine umfangreiche Antwort!!

    Ich habe mich tatsächlich in den letzten Tagen noch einmal sehr intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und auch eingehend meine innere Einstellung überprüft. Denn richtig ist, dass ich es meinem Sohn nicht aufzwingen kann, alle zwei Wochen bei Oma oder Opa oder bei seinen Freunden zu übernachten.

    Es ist auch schwer diesbezüglich die richtigen Gesprächspartner zu finden. Leider ist ein ehrlicher Umgang mit dem Mutterdasein und den eigenen Bedürfnissen immer noch ein absolutes Tabuthema…

    Aber egal, wie ich es drehe und wende, kann und schaffe ich es auch nicht, meine neu gewonnene Selbstbestimmung aufzugeben. Und ich gebe dir recht, so lange es meinem Sohn dabei gut geht, sehe ich dazu auch keinen Anlass.
    Ich glaube auch, möglicherweise rede ich mir das jetzt auch schön, dass auch Anton davon langfristig davon profitieren könnte.
    Ich hoffe, dass er durch mich lernt, dass es wichtig ist, auf sich selbst und seine Bedürfnisse zu achten und dass es auch nicht schlimm ist, sich zurückzuziehen.

    Alles in allem bin ich dankbar, noch einmal meinem Umgang meiner hochsensibilität reflektiert zu haben. Und ich danke dir sehr für Deine Gedanken!!

    Auch ich wünsche dir Kraft und Mut dein inneres Gleichgewicht zu halten…
    Lg astrid

    1. Christine sagt:

      Ich finde, du bist auf einem richtigen Weg ♥

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