Lebensfragen

Tischmanieren bei Kindern – Geht das überhaupt?

Heute brauche ich mal deinen Rat. Es geht um ein Thema, das mich mindestens drei Mal am Tag beschäftigt: Die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kindern. Wie du mich vielleicht bisher schon kennen gelernt hast, bzw. spätestens jetzt der Überschrift des Mama Blog Beitrags entnehmen kannst, ist es mir wichtig, meinen Söhnen Regeln im Alltag aufzustellen.

Da ich in einer Generation aufgewachsen bin, in der antiautoritäre Erziehung ein erstrebenswerter Zustand war, gehöre ich wahrscheinlich mehr oder weniger zwangsweise heute der Elternfraktion an, die ihrem Nachwuchs besonders viel Struktur, Maßnahmen und Richtlinien vorsetzen. So eben auch bei Tisch. Mir ist es wichtig, dass Mini und Maxi sich an gewisse Tischsitten halten und sie früh verinnerlichen, damit ich ihnen nicht erst in der Pubertät erklären muss, dass es vielleicht besser wäre, nicht mit dem Hähnchenschenkel nach Onkel Gerd zu zielen. Tischmanieren von Anfang an quasi. Aber ist das überhaupt möglich?

Im Moment zweifle ich stark daran. Meine beiden Jungs sind jetzt Zwei und Drei. Mit den Fingern essen dürfen sie nicht, es sei denn es gibt Pommes oder Pizza. Ich verbiete ihnen, am Tisch herumzuhampeln, laut zu schmatzen oder Faxen zu machen und möchte, dass sie erst sprechen, wenn der Mund leer ist. Zugegeben, ein gutes Vorbild bin ich bezüglich des letzten Punktes nicht. Da es in meinen Augen bei den Geschwistern ständig etwas zu korrigieren gibt, komme ich selbst kaum mit Herunterschlucken hinterher. Zu lange würde es dauern, bis ich mein Anliegen noch zeitnah vortragen könnte.

„ÄhrschMunlöhrmachn!“ kriegen die Kinder also zu hören. Glaubwürdiger geht’s ja wohl nicht. Maxi lernt gerade, sein Brot selbst zu schmieren. Sobald er jedoch tiefe Krater in die Margarine bohrt oder zehnmal mehr Frischkäse auf Messers Schneide landet als nötig, steigt schon mein Blutdruck. Von meinem Sinn für Ästhetik ganz zu schweigen. Der kann bei mir dann schon gar nicht mehr hinsehen, während Mini neben mir unaufhörlich mit seinen Füßen auf dem Fußbrett des Kinderstuhls hin- und herrutscht und sein Brot mit den Fingern in Stücke reißt, anstatt seine Zähne zum Abbeißen zu benutzen.

Ist das nur eine Frage der Geduld, die ich aufbringen muss, bis die Jungs meinen zigfach wiederholten Regeln Folge leisten oder habe ich einfach entschieden zu hohe Ansprüche an meine Söhne? Gehört es vielleicht zur motorischen Entwicklung eines Kindes, beim Essen viel rumzappeln zu müssen (weil die Nahrung dann besser in den Magen flutscht und verdaut wird)? Muss ich mich damit abfinden, dass Zwei- und Dreijährige altersbedingt noch nicht in der Lage sind, eine komplexe Handlung wie Mundleeren vorm Reden durchzuführen?

Unsere Mahlzeiten sind inzwischen nur noch selten das, was sie einmal sein sollten: Ein Ort der Begegnung, ein freudiges Beisammensein und vor allem ein Genuss der Köstlichkeiten, die auf dem Tisch stehen. Was muss ich also tun, um dort wieder hin zu kommen und den Kindern den Spaß am Essen am Ende nicht noch zu versauen? Und die vielleicht wichtigste Frage von allen: Wie lerne ich Gelassenheit bei Tisch? Kannst du Nutellaverschmierte Gesichter, Leberwurst an der Tischkante und Honig in den Haaren problemlos ertragen? Bitte verrate mir deine Tricks, Erkenntnisse und besten Scheuermittel zum Tischabwischen Erfahrungen mit Kleinkindern beim Essen. Danach werde ich entscheiden, ob es sinnvoll ist, so weiterzumachen wie bisher oder ob ich nicht mal meine eigenen Ansprüche herunterschrauben sollte. Vielleicht dürfen dann auch wieder Hähnchenschenkel fliegen.

6 Gedanken zu „Tischmanieren bei Kindern – Geht das überhaupt?“

  1. Marianne sagt:

    Hallo Christine,

    das Thema finde ich grad sehr interessant!
    Bei uns (mein Sohn ist jetzt 1 1/2) versuche ich auch immer locker zu bleiben und nicht ständig die Nerven zu verlieren, wenn es nicht so läuft wie ich das gerne hätte. Er schmiert sich gerne Butter etc. in die Haare und muss dann schonmal den ganzen Tag ranzig riechend herum laufen, bis am Abend gebadet wird. Er verschmiert grundsätzlich sein Essen auf dem Tisch (ich nenn es einfach mal Kreativität) und spuckt auch oft sein durchgekautes Essen wieder aus, wenn es nicht schmeckt. Mäkelig ist er auch noch sehr.
    Ab und zu darf er einen Löffel oder Gabel benutzen, zum Üben. Aber wenn ich konsequent darauf bestehen würde, würde das Essen nie in seinem Magen ankommen, da er viel damit spielt. Er darf also noch mit den Fingern essen. So langsam müsste aber Besteck ran, auch wenn es mir davor graut.

    Grundsätzlich gibt es bei uns folgende Regeln:
    1. Wir warten bis alle am Tisch sitzen und bis gebetet wurde.
    2. Er bekommt nicht den vollen Teller vorgesetzt, da das bei ihm überall landet, nur nicht im Mund und er zu viel auf einmal in sich hinein stopft. Das wird aber nach und nach besser.
    3. Essen wird nicht absichtlich runtergeworfen. Wenn mal was auf dem Boden landet, weil er durch fehlende Koordination mit dem Arm über den Tisch wischt, sehe ich drüber weg. Aber mit einem Grinsen auf den Lippen, die volle Hand über dem Boden haltend, ist nicht okay. Was also nicht mehr gegessen wird, bleibt liegen.
    4. Bevor es neues Essen gibt, wird aufgegessen. Tja, das ist noch in Arbeit bei uns. Die Brotrinde (auch beim Brötchen) bleibt so gut wie immer liegen. Da beiß ich mir noch die Zähne aus.

    Rumhampeln oder mit vollem Mund reden, ist hier nicht so das Thema, wird aber auch nicht an die große Glocke gehängt. Vorbild sein und nachahmen ist wohl M.n.n. die bessere Alternative.
    Arbeitserleichternd liegt bei uns auf unserem Naturholztisch eine durchsichtige Wachstischdecke, sehr zu empfehlen. Und ich nehme immer die großen Ärmellätzchen, die ich dann zwischen Hochstuhlbügel und Tisch einklemme, damit das Essen erst dort landet. Ich hab auch immer ein Zewa zur Stelle, wenn mir das Geschmiere zu viel wird.

    Soviel zu mir (sorry, das war viel). Eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass du dich vll auf wenige und einfache Regeln beschränken sollst. Sorge doch erst einmal dafür, dass nicht rumgehampelt wird. Sobald das läuft, kümmerst du dich um die nächste Regel. Schritt für Schritt kannst du das erweitern und du hast weniger Stress. Und ich habe die Erfahrung gemacht, je lauter ich werde, desto weniger hört mein Sohn auf mich. Ich muss mich da wirklich zur Ruhe zwingen und ganz klar sagen, was ich von ihm will. Da gibt es keine Diskussion. Er versteht wirklich schon alles.
    Ich würde den Fokus auf den Großen legen, und eine Regeln fest legen, die beide betrifft.

    Und Kinder müssen soooo viel auf einmal lernen, da hilft manchmal nur beide Augen zu drücken und gelassen bleiben. Irgendwann macht es Klick.
    Bleib dran!!!

    LG Marianne

    1. Christine sagt:

      Liebe Marianne,

      wow, danke für deinen langen und ausführlichen Kommentar und die vielen Eindrücke von deinem Esstisch! Du hast Recht, manchmal hilft es tatsächlich, manche Dinge nicht so an die große Glocke zu hängen oder zu kommentieren. Manches unerwünschte Verhalten verschwindet dann ganz automatisch. Merke ich zumindest in anderen Bereichen, also könnte ich es ja auch mal bei den Mahlzeiten probieren. Deine Idee, Regeln Schritt für Schritt einzuführen, klingt logisch. Jetzt habe ich auf jeden Fall schon mal viele Tipps zum Nachdenken- und möglicherweise Nachahmen.
      Vielen Dank und sei lieb gegrüßt!
      Christine

  2. Manuela sagt:

    Achja das Essenthema….:-) ich musste schon wieder schmunzeln, weil es auch eins der Themen ist das mich auf die Palme bringt. Ich glaube wir beide sind echt sehr ähnlich gestrickt. Meine Tochter ist jetzt fast 20 Monate und auch beim Essen fast immer außer Rand und Band. Ich finde es schwierig schon jetzt bestimmte Regeln einzuführen. Ich sage schon was, wenn sie was absichtlich rubter wirft oder einfach aufstehen will im Hochstuhl, aber ich denke das ganze Geschmiere und Geschmatter ist der mangelnden Feinmotorik geschuldet und muss ertragen werden. Mir geht es aber auch so wie dir, dass sich mir schon die Nackenhaare aufstellen, wenn sich mit Marmladenhänden durchs Haar gewischt wird oder der Löffel Joghurt auf der Hose landet statt im Mund oder die Tasse wieder zu ungestühm hochgenommen wurde und die Hälfte des Inhalts sonstwo landet. Ich denke dann gleich….schön….wieder umziehen….wieder waschen….Gesicht un Haare waschen….Boden wischen….usw. Ich bin aber dabei mir das abzugewöhnen und mich nicht die ganze Zeit auf das Kind zu konzentrieren und zu warten was nun schon wieder passiert. Ich lass sie meistens machen, sie will eh nicht, dass man ihr hilft und spielt dann verrückt. Dann mach ich halt alles weg, hab aber wenigstens beim Essen Ruhe. Aber wie gesagt, alles was gar nicht geht wie mit Essen werfen oder so würde ich auch unterbinden.
    Ich wünsch dir Gelassenheit (und mir auch)
    Liebe Grüße
    Ela

    1. Christine sagt:

      Liebe Ela,

      warum wundert mich das nicht, dass es dir auch in diesem Punkt ähnlich ergeht wie mir? ;-)
      Ich glaube der Ansatz ist gut, sich nicht zu sehr auf das Kind zu konzentrieren. Ich merke auch, dass Mini und Maxi viel weniger Blödsinn beim Essen machen, wenn mein Mann und ich uns angeregt unterhalten, anstatt die ganze Zeit zu gucken, was die Kinder machen.
      Danke für deinen Wunsch an mich zu mehr Gelassenheit, vielleicht hilft das ja auch ein bisschen :)
      Lieben Gruß

  3. Rosalie sagt:

    Ich finde das immer super erstaunlich: In der Kita und im Kiga sitzen die Kinder alle ganz ruhig auf den Stühlen. Kein Gehampele, kein Krakeelen und die Sauerei hält sich in Grenzen. Man erklärte mir mehrfach, dass das wohl mit der Gruppendynamik zu tun habe. Im Kiga sind selbst 20 Kinder am Tisch so still, dass man sich flüsternd unterhalten kann. Irre. ‚Flüsterkönig‘ heißt das.
    Ich kann auch gut verstehen, warum das dort so laufen muss, denn sonst fliegen nicht nur die Nudeln, sondern auch die Fetzen…

    Zu Hause allerdings achte ich gar nicht so wirklich auf Tischsitten. Denn eigentlich erachte ich Essen als etwas höchst Individuelles. Es kommt vor allem darauf an, dass jeder isst, bis er satt ist, möglichst was ihm schmeckt und halbwegs gesund ist und vor allem sollte am Tisch viel Freude beim Essen herrschen. Und für ein Kind im Trotzalter haben Regeln manchmal nicht viel mit Freude zu tun. Die Kinder sollen sich doch bewusst ernähren…

    Bei uns kann es also gut sein, dass jeder zu unterschiedlichen Zeiten isst und wenn einer grad spielt, dann kann das Essen auch mal warten. Ich jedoch sitze immer mit jedem Kind am Tisch. So kann man auch mal Zeit mit nur einem Kind verbringen und sich ganz miteinander beschäftigen. Meine Regeln sind eher krude: Gegessen wird sitzend am Tisch. Mit Essen wirft man nicht (nicht gut für die Wände) und Süßigkeiten gibt’s erst nach dem Essen. Der Rest ist mir eigentlich bei kleinen Kindern egal.

    Wie man sich bei Tisch benimmt mache ich ihnen vor und wenn sie alt genug sind, werde ich ihnen auch erläutern, wieso man in Gegenwart anderer auch Rücksicht auf diese nehmen muss. Und wenn sie noch älter sind erkläre ich ihnen die Relevanz von Tischsitten im gesellschaftlichen Kontext. Bis dahin verbinden sie Essen (vor allem das gesunde Essen bei Mama) hoffentlich so tief mit Freude und Appetit, dass ich mich für den Rest meines Lebens nicht mehr darum sorgen muss, ob und was sie essen. Das Wie entscheiden sie sowieso selbst, da sie ja auch mit den Konsequenzen leben. Nur können sie als Kleinkinder noch nicht darüber reflektieren, welche Konsequenzen das sind (in deinem Fall öfter mal eine genervte Mutter).

    Dennoch nerve ich mich manchmal genauso über die Sauerei, die sie veranstalten. Aber das ist eben mein Problem, nicht ihres. Meine Kleinen können sich einfach noch nicht wirklich so streng selbst regulieren, wie ich das gern hätte um weniger Arbeit oder meine Ruhe zu haben.

    Versteh das jetzt bitte nicht falsch. Ich will gar nicht sagen, dass ich einen besseren Ansatz habe, als andere. Es ist bei mir eben nur so ein Gedanke: Beim Essen geht es um das Stillen eines Grundbedürfnisses. Es geht um Geschmack, Wohlbefinden, Befriedigung und Ernährung, am besten zusammen mit Gleichgesinnten. Essen ist ja nicht rein Nahrungsaufnahme um das Verhungern zu verhindern. Warum also nicht den Kindern und sich selbst den Spaß gönnen?
    Und zu versauten Kleidern und Kindern hinterher: Das ist nun wirklich ein elterliches Problem. Kein Kind stört sich an einem fleckigen Pulli. Warum auch? An einem durchnässten Pulli vielleicht. Maximal.
    Und die verschmierten Kinder: Nun, ein Waschlappen tut’s bis abends und nach dem Abendessen werden bei uns alle beide Damen in die Wanne gesetzt. Da geht der Spaß dann gleich weiter…

    Was ich eigentlich darstellen wollte: Versuch mal deine Söhne zu fragen, wie ihnen das Essen Spaß machen würde? Was wünschen sie sich denn. Und dann probier das mal aus. Zu Mittag vielleicht. Und zu Abend darfst du sagen, was du dir wünscht und ihr probiert genau das mal aus. Als Spiel quasi. So bekommst du Einblick in die Köpfe deiner Kinder und was sie unter ‚Gemeinsam Essen‘ verstehen. Überlass ihnen mal die Führung, lass sie dann aber mithelfen, beim hinterher putzen. Einfach, damit sich alle bewusst werden können, was das Gegenüber wirklich meint und will und was passiert, wenn man’s übertreibt mit rumsauen.

    Und was super gut hilft: Schmiert sich dein Jüngster das Gesicht mit Frischkäse voll, tu es ihm gleich! Sieht ja keiner außer deiner Familie eben. Und genau das ist der Punkt: Familie bedeutet Freiheit, nicht Reglementierung. In der ‚Kernfamilie‘ darf jeder immer genau so sein wie er will und muss sich nicht ständig anpassen, weil andere das von ihm verlangen. Dazu gehört aber auch, dass man sich selbst die Freiheit nimmt so zu sein, wie man wirklich ist und das Recht jedem anderen auch zugesteht. Das ist zugegeben gar nicht so einfach, weil wir Erwachsenen auf Effizienz und Einhaltung der Regeln trainiert sind. Aber diese Freiheit so geliebt zu werden, wie man nunmal ist, ist doch ein verlockendes Ziel, oder?
    Also beschmiert euch mit Frischkäse oder Tomatensauce und steigt dann zu dritt in die Wanne und setzt das Bad unter Wasser und lacht, bis ihr Bauchweh habt! Dagegen hilft dann ein Kakao. Probier’s einfach mal, vielleicht hilft’s ja… Lachen ist so viel besser als Ärger.

  4. Stefanie sagt:

    Liebe Rosalie,

    dein letzter Absatz ist einfach köstlich und beim Lesen wurde mir richtig warm ums Herz – morgen muss ich das mit dem Frischkäse mal ausprobieren:-)…

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