Lebensfragen

Sich zu seinen Schwächen bekennen? Unbedingt!

Ein ganzes Regal voller kitschiger Groschenromane, Wildlederhüte in grellen Farben oder der Nilpferd-Sammeltick, der uns von der Fußmatte bis zur Kaffeetasse alles sammeln lässt, was das schwergewichtige Säugetier ziert: Jeder hat wohl kleine Spleens und Schwächen, für die man sich insgeheim vielleicht schämt oder die man dem neuen Partner nicht als Erstes unter die Nase reiben würde, aus Angst, ja was eigentlich?

Wovor fürchtet man sich? Aus der Norm zu fallen? Für verrückt erklärt zu werden, weil man sich für Sachen interessiert, die bei den Meisten nur Kopfschütteln oder Kichern hinter vorgehaltener Hand auslösen? Auch ich habe in meinen letzten 29 Lebensjahren lang mehr oder weniger erfolgreich versucht, diese kleinen Spleens klein zu halten, zu verstecken oder vor Freunden zu leugnen. Jetzt bin ich 30 und finde, dass langsam mal Schluss sein muss mit dem Versteckspiel.

Schließlich sind es doch gerade diese kleinen Schwächen und Eigenarten, die einen Menschen erst einzigartig, sympathisch, greifbar und liebenswert machen. Ich zum Beispiel liebe meinen Mann nicht weniger, nur weil er eine Vorliebe für Lufthansa-Dokumentationen auf N24 hat oder erst nach dem 3. Kaffee mittags morgens langsam in Schwung kommt. Im Gegenteil, das macht ihn aus, das sind Dinge, die für ihn stehen, ihm Wiedererkennungswert in der Masse geben und mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Deswegen habe ich jetzt beschlossen, mich zu meinen Schwächen zu bekennen und sie nicht länger als etwas zu betrachten, für das man sich schämen muss. Auch, wenn nicht Jeder meine Begeisterung teilt oder du möglicherweise kichernd und kopfschüttelnd meinen Blog verlassen wirst. Aber vielleicht hast du ja sogar Lust, mitzumachen und mir von deinen persönlichen Eigenarten zu erzählen. Ich freue mich über jeden noch so kitschigen, absurden und außergewöhnlichen Spleen von dir! Also mache ich mal den Anfang:

Ich bin bekennender „Sturm der Liebe“-Fan.

Ich brauche täglich meine Portion der kitschig-romantischen Telenovela, in der die Protagonisten am Hotel Fürstenhof nach einem ewig langen Irrweg, gefüllt mit Lügen und absurden Intrigen, am Ende zueinander finden und im Glück schwelgen können. Seit wir Kinder haben, guckt sogar mein Mann regelmäßig mit. Anscheinend haben wir die Flucht in die Heiti-Teiti-alles-wird-gut-Welt neben unserem anstrengenden Alltag dringender nötig als anfangs noch gedacht.

Ich liebe den Geruch frischer Buchseiten.

Wenn in der Schule früher neue Bücher verteilt wurden, musste ich zuerst zwischen den frisch gedruckten Seiten schnuppern. Der Geruch von frischem Papier und gedruckter Tinte ist einer meiner Lieblingsdüfte und bis heute entscheidet vor allem meine Nase darüber, ob mir ein Buch gefällt oder nicht.

Ich nasche lieber Champignons aus der Dose als Süßigkeiten.

Egal, ob es Hühnerfrikassee oder selbstgemachte Pizza gibt: Sobald die Dosenpilze einmal geöffnet und mit Wasser abgespült wurden, landet mindestens die Hälfte davon sofort in meinem Bauch. Genauso wie ich Spargel aus dem Glas schon als Kind einfach so gegessen habe. Ich weiß nicht warum, aber ich würde Beides jederzeit einer Tafel Schokolade vorziehen (und für Zwiebelmettbrötchen sogar Chips links liegen lassen).

Alte Kirchengebäude ziehen mich magisch an.

Ich bin weiß Gott kein Kirchengänger. Auch, wenn ich an Gott glaube, heißt das noch lange nicht, dass ich sonntags zum Gottesdienst erscheine. Aber Kirchengebäude an sich üben eine wahnsinnige Faszination auf mich aus. Komme ich in einer fremden Stadt an einer Kirche vorbei, zieht es mich meistens sofort hinein. Für mich herrscht dort absoluter Frieden. Eine stille Atmosphäre, die fast etwas Magisches an sich hat. Für mich ein echter Ort zum Krafttanken.

Ich liebe (Klatsch-)Zeitschriften.

Was früher „Wendy“, „Bravo“ oder „Sugar“, sind heute „Donna“, „Happinez“ und „Flow“. Egal ob Promi-Klatsch beim Frisör, Deko- und Wohnzeitschriften zum Feierabend oder Reportagen für die Frau ab 40, obwohl ich noch zehn Jahre unter der Zeitschriftenzielgruppe liege. Ich blättere (und rieche, siehe Punkt 2) lieber in kurzweiligen Broschüren, als mich stundenlang an einen Roman zu klemmen, es sei denn, es ist die Highland-Saga mit Jamie und Claire Fraser von Diana Gabaldon *schmacht*.

Wenn Buckelwale singen, ist das für mich die schönste Musik.

Spätestens seit ich als Kind „Daffy und der Wal“ im Kino sah, bin ich bekennender Fan der großen Meeressäuger. Inzwischen haben sich einige CDs bei mir im Regal angesammelt, auf denen man Delfin, Buckelwal und Co. beim Singen, untermalt von Flöten- und klimpernden Harfentönen, lauschen kann.

Solange ich lebe, darf der Discman nicht aussterben.

Was für meine Mutter heute noch Kassetten, sind für mich CDs und der dazugehörige Discman. Weihnachten 1998 bekam ich meinen Ersten geschenkt, mit der Mahnung meiner Mutter, zu laute Kopfhörerlautstärke schade den Ohren. Was soll ich sagen, den Krach meiner Kinder halten meine Lauscher weniger aus, als Stöpsel im Ohr mit Metal-Musik. Auch, wenn mein Mann nur seinen Kopf schütteln kann über meine Liebe zu dem –im Vergleich zu Mp3-Playern – unhandlichen CD-Spieler, der keine 1000 Songs speichern und abspielen kann. Aber darum geht es mir gar nicht. Ich kaufe vehement noch heute CDs, damit ich „was in der Hand habe“. Und wenn ich neue Blogbeiträge schreibe oder in meinen Zeitschriften blättere, brauche ich den vollen Sound, den nur Kopfhörer bieten können. Vielleicht ändere ich irgendwann noch einmal meine Meinung, wenn keine CDs und Discmans mehr produziert werden. Vorher sicher nicht.

Heiratsanträge bringen mich zum Heulen.

Seit mein Mann vor über 3 Jahren vor mir auf die Knie ging, ist kein Heiratsantrag mehr vor meinen Gefühlsausbrüchen sicher. Egal, ob es übertrieben kitschige Szenen im Spielfilm oder ein unromantisches Gestammel des zukünftigen Bräutigams aus dem amerikanischen Real-Life-TV sind: Sobald es um die Frage aller Fragen geht, schießen mir vor Rührung schon die Tränen in die Augen. Selbst, wenn der Antrag einstudiert oder unglaubwürdig erscheint. So sentimental war ich früher definitiv nicht! Aber seitdem ich selbst weiß, wie die berühmten Worte „Willst du meine Frau werden?“ das Leben bereichern und verändern können, muss auch ich allein bei dem Gedanken an Hochzeiten, Liebeserklärungen und Liebesschwüren kräftig schlucken. Moment, ich komme gleich wieder, ich muss nur schnell mal ein Taschentuch…*schnief*Sich zu seinen Schwächen bekennen? Unbedingt!

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