Lebensfragen

Ich bin keine witzige Mama. Und warum das ernste Folgen haben kann.

„Tina ist immer so lustig, Mama!“ Mein Großer schmierte gerade sein Frühstücksbrot und bei der Erinnerung an seine Tante leuchteten seine Augen. Sein jüngerer Bruder stimmte kauend mit ein: „Ja, die macht immer so witzige Sachen! Wann können wir da mal wieder hin?“

Lustig, witzig, immer. Drei Wörter, die meine beiden Erstklässler schon öfter im Zusammenhang mit besonders engagierten Menschen um sie herum erwähnt haben – aber mit Sicherheit nicht, wenn es um ihre Mutter geht. Denn ich albere nicht mit meinen Jungs herum und kann auch nicht über ihre Witze lachen, geschweige denn selbst welche auf ihrem Niveau reißen.

Wenn ich eins der drei obengenannten Begriffe erfülle, dann das Wörtchen „immer“. Aber in einem anderen Zusammenhang. „Mama ist immer besonders gut im Schimpfen….und im Bügeln!“ brachte mein Maxi letztens stolz hervor, als wir in gemeinsamer Runde die Vorzüge aller Familienmitglieder aufzählten. Leider musste ich ein Veto einlegen – im Bügeln bin ich nämlich nicht so gut, wie mein Großer behauptet, es bleiben immer ein paar knitterige Stellen in den Shirts und Pullovern zurück.

Ich bin keine locker-lustige Mama. Ich bin die Mutter, die Kinderwitze schrecklich banal findet, die die Begeisterung über das „megaschwierige“ Super-Mario-Level nicht teilen kann und nur ein müdes Lächeln, das nicht bis zu den Augen reicht, hervorbringt, wenn sie einer tollen neuen Erfindung lauschen soll, die einer der Jungs in seiner Fantasiewelt ausgetüftelt hat.

Nein, Spaß macht es mir nicht, mich mit meinen Kindern zu unterhalten, zumal es sowieso weniger um eine ernsthafte Konversation geht und darum, was ich anschließend dazu sage, als vielmehr, dass ich ihnen einfach ein Ohr leihe.

Am liebsten wäre ich eine ganz andere Mutter. Eine, die singend und tanzend mit ihren Kindern durch die Wohnung springt, eine, die selbst leuchtende Augen bekommt, wenn sie die Fantasiegeschichten ihrer Söhne weiterspinnt und welche die beiden anschließend bei Super Mario anfeuert.

Aber es entspricht einfach nicht meinem Naturell. Ich bin eher ruhig, meine Kinder laut. Ich mag tiefsinnige Gespräche über die innere Gefühlswelt, meine Söhne dagegen….ich sag mal eher nicht.

Logisch, wirst du sagen: Es sind eben Kinder.

Und genau da liegen meine tiefsten Ängste. Angst ist übrigens derzeit das Monatsthema bei uns im Pusteblumengarten. Wir sprechen über all die Ängste, die wir freiheitsliebenden Mütter haben und wie wir lernen können, damit umzugehen.

Meine Angst ist, dass es zu spät für eine tiefe Beziehung zwischen mir und meinen Kindern ist, wenn sie endlich in ein Alter kommen, in dem ich mit ihnen stundenlang über ihren Liebeskummer sprechen könnte und darüber, wie sie die Welt sehen.

„Sorry Mama, du hast dich doch noch nie für meine Themen interessiert“ könnte dann kommen. Und es wäre nicht mal gelogen. Warum sollten sie sich in der Pubertät einer Mutter anvertrauen, die in ihrer Kindheit eher hinter vorgehaltener Hand gegähnt hat, wenn es um ihre Begeisterung ging?

Wie gerne würde ich rückblickend ihre Kindheit betrachten und stolz berichten, ein wichtiger Teil davon gewesen zu sein, was den spaßigen Umgang mit ihnen betrifft. Denn die schönen Momente der Kinder sollen mehr wiegen, als all die Regeln, die stressigen Konflikte um das Anziehen frischer Socken am Morgen und das genervte Augenrollen im alltäglichen Alltag.

So möchte ich doch nicht hauptsächlich in Erinnerung bleiben.

Sicherlich gibt es hier bei uns auch Momente, in denen wir Spaß zusammen haben. Auch, dass ich meine Kinder inzwischen viel besser trösten kann als früher, ist schon ein enormer Fortschritt meiner eigenen Entwicklung und zum Wohle der Mutter-Kind-Beziehung.

Aber es ist mir immer noch zu wenig. Das Engagement fehlt. Die echte Begeisterung. Es geht nicht darum, ständig Spaß mit den Kindern zu haben und lachend durch den Tag zu rennen:

Ich habe nie wirklich das Gefühl, richtig Teil von ihrem Leben zu sein, sie so gut zu kennen, wie ich gerne würde.

Weil ich ihren Kinderkram so langweilig finde und mir die Unterhaltungen mit ihnen wie verschwendete Lebenzeit vorkommt.

Dabei bemühe ich mich wirklich, meinen Söhnen immer wieder aufs Neue Begeisterung entgegenzubringen. Leider ebbt diese kontinuierlich ab im Laufe des Gesprächs. Wenn ich meinem Sohn eine Antwort auf seine Frage gebe und daraufhin ein abrupter Themenwechsel stattfindet, als hätte er gar nicht zugehört. In den Momenten würde ich gerne weniger gekränkt reagieren und keine Enttäuschung aufkommen lassen. Wie eine Mutter, die kleine Unachtsamkeiten ihrer Kinder nicht persönlich nimmt und gelassen reagiert. Locker.

Lockerheit: Auch so ein Merkmal von Spaß. Ich dagegen laufe meist ernst, angespannt und mit einem Stock im Hintern herum. Weil ich gelernt habe, dass es mir ein Gefühl von Sicherheit gibt, wenn ich so gut es geht die Kontrolle behalte.

Vielleicht habe ich zu hohe Ansprüche. Wer wie ich unter einem Entwicklungstrauma gelitten hat und heute noch durch diese Auswirkungen an seine Grenzen stößt, der kann nicht erwarten, dass sich sofort alles in Wohlgefallen auflöst. Aber Geduld gehörte auch noch nie zu meinen Stärken. Und noch etwas kommt obendrauf:

Begeisterung und der Wunsch, ein Teil von einer innigen Beziehung zu sein, ist auch immer gleichzusetzen mit Nähe. Und Nähe ist bei mir ebenfalls ein Defizit aus meiner Kindheit. Sich öffnen bedeutet Vertrauen schenken und dabei riskieren, verletzt zu werden. Ich wurde zu oft verletzt. Durch Nichtbeachtung, nicht gesehen werden, nicht ernst genommen werden.

Ich möchte meine Söhne beachten. Ich möchte sie sehen und ernst nehmen.

Meine Angst vor echter Nähe ist sicherlich mindestens genauso groß wie die Angst davor, dass es irgendwann zu spät für diese Nähe ist.

Ich werde das im Auge behalten, wenn meine Kinder mir das nächste Mal begeistert von irgendwas erzählen. Sicherlich werde ich keine zweite Tina, das möchte ich auch nicht. Aber vielleicht werde ich meinen Söhnen mit der Zeit ein bisschen mehr Mama, als ich sie damals hatte.

Und dann wünsche ich mir, dass ich rückblickend über meine heutigen Ängste herzhaft lachen kann.

4 Gedanken zu „Ich bin keine witzige Mama. Und warum das ernste Folgen haben kann.“

  1. Birgit sagt:

    Hallo Christine,

    ja ich kenne das auch gut. Wenn mich meine Kinder manchmal untentwegt volltexten mit für mich Belanglosem und ich habe meine Gedanken ganz woanders. Da fällt es mir unglaublich schwer, ihnen zuzuhören und ich fühle mich regelrecht gestört. Da antworte ich nur hhmm und hmmm und hmmm und sie hören bald mit dem Gespräch auf, weil sie merken, dass ich nicht interessiert bin. Wenn mich hingegen ein Thema, über das sie sprechen wollen interessiert, z.B. am Esstisch bei den Mahlzeiten, dann kann ich interessiert zuhören, lustig sein und Spässe machen. ABER: das Gespräch muss für mich zwingend interessant sein. Denn ich will auch AUTHENTISCH sein und meinen Kindern nicht Interesse heucheln, wo gar kein Interesse da ist. Das ist für mich unehrlich sein. Schuldgefühle mache ich mir deswegen überhaupt nicht und ich denke, dass wir, bis die Kinder ausziehen, noch genügend gemeinsame Gespräche haben werden. Ich habe auch nicht den Anspruch, der Supergesprächspartner meiner Kinder zu sein oder zu werden; da gibts noch viele viele andere Leute: Vater, Bruder, Kumpels, Lehrer, Verwandte etc.
    Und für meine Kinder bin ich auch die „strenge“ Mama, die immer schimpft und dies und das falsch macht…. Kinder sind halt undankbar. Und zur Zeit mit dem Lockdown etc. für Eltern ganz ganz schrecklich, weil sie permanent mit dem Nachwuchs zu Hause eingesperrt sind. Ich habe diese Woche das Glück, dass sie wieder beim Papa sind und ich mich in Ruhe um meine aufgestauten Dinge kümmern kann. Es ist unverantwortlich, dass die Kindergärten/Schulen überhaupt geschlossen haben. Dieses ganze Zählen von „Corona Toten“ (Fallschirmspringer hat Fallschirm vergessen: Corona Toter) ist totale Augenwischerei und Betrug. Vor allem, wenn man sich die Gesamttodeszahl im Vergleich zu den vorherigen Jahren ansieht, dann ist diese geringer als in den letzten Jahren. Da stimmt etwas eindeutig nicht. Für mich werden die meisten Todesfälle einfach mit Covid19 ettikettiert, obwohl das nicht die primäre Todesursache war. Wir werden hier verarscht bis zum Geht-nicht-Mehr. Aber das Ganze macht mich tierisch wütend, weil die Eltern und Kinder die Leidtragenden von dieser Theatershow sind….

    1. mARi sagt:

      Liebe Birgit,
      ich verstehe deine Wut – Familien trifft es gerade besonders hart. Wenn man Kinder zu betreuen hat und gleichzeitig arbeiten muss, bedeutet das letztlich, das Unmögliche möglich zu machen.
      Trotzdem finde ich es bedenklich, von „Verarsche“ zu reden. Natürlich sollte man sich die Zahlen anschauen und kritisch hinterfragen. Aber es hat sich ja nun bestätigt, dass Kinder das Virus genauso weitergeben, wie Erwachsene. Und gerade wir Eltern wissen doch, wie wenig Sinn es macht, Kinder zum Abstandhalten aufzufordern. Aus diesem Grund kann ich Kita- und Schulschließungen schon nachvollziehen. Die Wochen mit den strengen Abstandsregelungen und den Schließungen haben uns sehr gute Zahlen beschert und viele Wissenschaftler sagen, dass es uns langfristig viel mehr gebracht hätte, wenn wir noch länger durchgehalten hätten. Und es gibt auch viele Bürger, denen die Lockerungen jetzt viel zu schnell gehen, weil sie ein höheres Risiko haben, zu erkranken. Aber sie sind natürlich nicht so sichtbar, weil sie aus guten Gründen zu Hause bleiben. Bitte bedenke also, dass es auch andere Meinungen dazu gibt. Lass uns solidarisch bleiben!
      Liebe Grüße und alles Gute!

      1. Jules sagt:

        Hallo!
        Wo genau wurde denn bewiesen, dass Kinder das Virus genauso wie Erwachsene weitertragen? Der Blick in die skandinavischen Länder zeigt: die Hotspots sind nicht an Schulen und Kitas, die in manchen Ländern gar nicht zu gemacht haben. Auch dort trifft es, wie bei uns in erster Linie Altenheime, Krankenhäuser, Schlachthöfe etc. Es ist inzwischen schon salonfähig Kinder als Virenschleudern zu bezeichnen und ihnen die härtesten Beschränkungen aufzuerlegen. Die Eltern im Homeoffice gehen über ihre Grenzen und an die Langzeitfolgen und -schäden unserer Kinder denkt keiner. Ich bin einfach nur entsetzt, wie Familien alleine gelassen werden und was die Regierung und die Gesellschaft ihrer nächsten Generation an Ignoramz entgegenbringt.
        #kinderbrauchenkinder-petition

  2. Antonia sagt:

    Liebe Christine,

    kann ich gut verstehen, dass du dich nicht kaputt lachst über die Witze deiner Kinder…wahrscheinlich sind die gar nicht soo lustig, eher nur so für andere sieben-J ährige! Und ja, Erziehen nervt meistens, das finden ganzganz viele Menschen…nur der Mutter soll es gefallen irgendwie.

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