Lebensfragen

Vom Hobby zur Berufung: Mein neuer Job im Pusteblumengarten

Als ich das erste Mal darüber nachdachte, einen Blog zu gründen, befand ich mich in der wohl schwersten Krise meines Lebens. Mein Jüngster war gerade ein halbes Jahr alt und zu seinem Bruder hatte ich immer noch keine gesunde Mutter-Kind-Bindung aufbauen können. Mein Wunschleben als Mutter hatte sich als mein persönlicher Albtraum entpuppt, schwere Monate einer postpartalen Depression gepaart mit der täglich einhergehenden Sehnsucht, die Familie, und somit mein gefühltes Gefängnis, zu verlassen.

Ich brauchte ein Ventil, um meinen Kummer von der Seele zu schaffen, um mich nicht innerlich von diesem Schmerz auffressen zu lassen. Gleichzeitig suchte ich nach einer sinnvollen Beschäftigung neben Windeln wechseln, Heulkrämpfe ertragen müssen und Baby bespaßen. Ich brauchte eine Aufgabe, der ich mich täglich für ein paar Minuten widmen konnte, um der Fremdbestimmtheit der Mutterrolle entgegenzuwirken. Und dann erinnerte ich mich daran, wie gerne ich früher schon meine Gefühle, niedergeschrieben in Briefen und Gedichten, in Textform zum Ausdruck gebracht hatte.

„Mein Blog wird wie ein Brief an eine Seelenverwandte“ dachte ich bei mir „und wenn ich nur eine Mutter erreiche, die dieselben Gefühle kennt wie ich, habe ich erreicht, was ich wollte“ und gründete kurzum die „Villa Schaukelpferd“ – ein Mama-Blog aus dem wahren Leben. Es war das Jahr 2013 und die Mama-Blogger-Szene war noch nicht so eine riesige Familie wie sie es heute ist. Vielleicht war das mein Glück, weil ich ziemlich schnell Mütter fand (bzw. sie mich), die sich in meine virtuelle Küche mit einem Schokokeks und einer Tasse Tee verkrümelten und meinen Anekdoten aus dem Mama-Alltag, gewürzt mit einer Prise Sarkasmus und Selbstironie lauschten. Ein paar alte Hasen von damals lesen sogar heute noch mit. Sicher liegt es an den Schokokeksen.

Selbst als ich schwerere Themen wie Erfahrungsberichte aus meiner Zeit mit Wochenbettdepression und den Wunsch nach (viel mehr) kinderfreien Stunden auf den Tisch brachte, erfuhr ich viel Zustimmung und Kopfnicken. Es war mein persönliches Glück und auch das Glück meines Blogs, dass ich in den ersten Jahren so gut wie keinen Gegenwind in Form von harscher Kritik bekam. Ich durfte in seichten Gewässern aufs offene Meer segeln und langsam lernen, wie ich mit einem größeren Sturm umzugehen hatte, ohne daran zugrunde zu gehen. Ansonsten gäbe es heute sicher auch keine Pusteblumen für Mama.

Als dann Begriffe wie Regretting Motherhood und Hochsensibilität, später noch Themen wie Innere-Kind-Arbeit und Entwicklungstrauma aufkamen, schloss sich für mich mein persönlicher Kreis und was ich zuvor nur vage gefühlt hatte, bekam Namen und Sinn.

Pusteblumengarten Community für freiheitsliebende Mütter

Ich bin gelernte Hotelfachfrau. Und obwohl ich unter den wahrscheinlich besten Bedingungen mit den herzlichsten Arbeitgebern meine Ausbildung machen durfte, wusste ich schon damals, dass es für mich noch eine sinnhaftere Aufgabe im Leben geben musste, etwas, das mich noch tiefer berühren würde, als der reine, herzliche Umgang mit Menschen, den ich so sehr schätzen gelernt hatte.

Und doch wusste ich lange Zeit nicht, was das sein sollte. Nun erledigte sich das Thema erstmal, nachdem ich sechs Jahre Elternzeit eingereicht hatte und mein Mann genug für uns beide verdiente. Ich hätte einfach weiterhin Hausfrau und Mutter bleiben können. Aber wahrscheinlich kannst du dir schon vorstellen, dass dies nicht meiner Sehnsucht und schon gar nicht dem Wohlfühlfaktor meiner Situation zuhause entsprach.

Und während die Jahre ins Land gingen und aus meinem anfänglichen Hobby namens Villa Schaukelpferd meine Pusteblumen für Mama, mein Kraftort und zugleich Anlaufstelle für hunderte Gleichgesinnte geworden war, kristallisierte sich leise und fast wie von selbst heraus, dass genau hier mein Herz seine Arbeit gefunden hatte, seinen Platz zum sinnhaften Wirken.

Im Frühjahr letzten Jahres sprach ich es dann vor meinem Mann und auch das erste Mal vor mir selbst laut aus: „Ich werde Pusteblumen für Mama“ ganz offiziell zu meiner Arbeit machen. Ich werde Menschen begleiten, die ihren Mama-Alltag als Gefängnis empfinden, die sich für ihre Gefühle schämen oder sogar keine Liebe für ihr Kind empfinden können.

Ich bin ein spiritueller Mensch. Ich glaube, dass alles seinen Sinn hat, auch, wenn wir ihn nicht immer sofort erkennen. Dass ich so einen schweren Start als Mutter hatte, dass ich mich intensiv mit schmerzhaften Gefühlen aus meiner Kindheit auseinandersetzen musste und auch, dass ich immer auf der Suche nach einer wirklich sinnhaften Beschäftigung in meinem Leben war, all das empfinde ich im Nachhinein als Geschenk.

Denn nun kann ich das machen, was mir über all die Jahre zu einer Herzensangelegenheit geworden ist: Andere Menschen ein Stück auf ihrem Weg begleiten, ihnen Trost spenden und aus eigener Erfahrung mitgeben, wie heilsam es in jeder Lebenslage ist, Gefühle zuzulassen, ihnen auf den Grund zu gehen, warum sie da sind und den Bedürfnissen dahinter nachzukommen.

Manchmal gibt das Leben sanft eine Richtung vor, ein anderes Mal wirst du deutlicher geschubst: Corona stellte in meinen Augen für meine geplante Selbstständigkeit erstmal ein Hindernis dar, denn ich wollte meine Arbeit vor allem im persönlichen Kontakt zu den Müttern verwirklichen, der mir nun auf unbestimmte Zeit verwehrt blieb.

Gleichzeitig wollte ich mich nicht von diesem Hindernis abhalten lassen, denn ich fühlte, dass die Zeit der Selbstverwirklichung nun gekommen war. Und so fand ich einen Weg aus dem scheinbaren Dilemma.

Pusteblumengarten Community für freiheitsliebende Mütter

Letzte Woche kam von der Stadt der Brief mit der Bestätigung, dass Pusteblumen für Mama offiziell als Gewerbe angemeldet ist. Es kann also losgehen. Und das tut es nun auch: Als Teil der Verwirklichung meines Traumes habe ich, ganz neu, den Pusteblumengarten ins Leben gerufen.

Mein Pusteblumengarten ist dein Rückzugsort vom stressigen Mama-Alltag und zugleich Begegnungsstätte zwischen Müttern, die auf der Suche nach der richtigen Balance zwischen „Mama-Sein“ und „Ich-Sein“ sind.

Der Pusteblumengarten ist eine Online-Community für Mütter, die überfordert von der Mutterrolle sind, die sich ihr Leben mit Kind viel unbeschwerter vorgestellt haben oder aber an ihren Gefühlen (auch sich selbst gegenüber) verzweifeln. Mütter, die ihre persönlichen Schritte der Weiterentwicklung auf dem Weg zu mehr Muttergefühl gehen.

Ich bin keine Therapeutin, keine Heilpraktikerin für Psychotherapie, keine studierte Psychologin. Ich bin nur eine Mutter, die bereits die gesamte Gefühlspalette ihren Kindern sowie ihrer Mutterrolle gegenüber durchlebt hat. Nicht wegen jahrelang studierter Bücher und Theorien, sondern aufgrund meiner eigenen durchlebten Erfahrungen bin ich von nun an in meiner Pusteblumengarten-Community für all die Mütter da, die sich in ihrer Mutterrolle eingeengt fühlen und denken, sie wären alleine mit ihren Gedanken und Gefühlen.

Du willst wissen, welche Vorteile dich als Mitglied des Pusteblumengartens erwarten? Klicke hier!

P.S: Natürlich bin ich auch noch weiterhin auf meinem Blog für dich da!

2 Gedanken zu „Vom Hobby zur Berufung: Mein neuer Job im Pusteblumengarten“

  1. Birgit sagt:

    Hallo Christine,

    die letzte Woche hatte ich wieder die Kinder und es war mal wieder eine Woche so la la. Es gab Zeiten, da hätte ich die kleinen „Kotzbrocken“ am liebsten sofort für immer zu ihrem Vater geschickt oder zur Adoption freigegeben. Sie haben mich stellenweise so genervt, dass es unerträglich wurde. Jetzt dieses ständige Eingesperrtsein ohne Freunde sehen zu dürfen, verschärft die Situation zusätzlich. Wenn die Schulen nicht bald komplett öffnen, weiss ich nicht ob es bald Tote in den Familien gibt…
    Meine Kinder gehören zu der Sorte, die sich nicht vernünftig selbst beschäftigen können ausser mit Medien (TV, WII, Hörspiel, Computer, Tablet). Ausserdem sieht „Spielen miteinander“ so bei ihnen aus: ständiges Schreien, Kämpfen, sich Verhauen, mit Gegenständen hauen, wer ist der Bessere / Stärkere? wobei der Grosse z.T. rücksichtslos dem Kleinen ggü. ist, obwohl er ob seines Alters (11) ein anderes Verhalten an den Tag legen sollte. Ich war als Kind ganz ganz anders. Habe tagelang in meiner Phantasiewelt gelebt, viel allein gespielt, sehr empathisch, rücksichtsvoll etc. Meine Kinder sind mir so fremd und ich kann diese Kämpfe nicht mehr aushalten. Ich sitze nur noch die Zeit ab, bis ich endlich ihren Umzugswagen von hinten sehen darf…….:-( Es sind noch sooo viele Jahre mit Ihnen und ich fühle mich wieder wie im MAMA GEFÄNGNIS. Wann darf ich endlich wieder frei sein?? Der Kleine hat mir dann zum Abschied noch gesagt: Gottseidank gehen wir jetzt wieder zum Papa, denn bei Dir ist es schrecklich! (Und ich dachte: ja dann bleib doch beim Papa für immer….). Es sind ja nur noch 10 Jahre….. :-(
    Ich kann es, ehrlich gesagt, nicht glauben, dass aus diesen XXX mal erwachsene Menschen werden…..

    1. Christine sagt:

      Liebe Birgit,

      ich weiß genau was du meinst: Die permanente Aufopferung, die so selbstverständlich hingenommen wird ohne Danke, ohne Kompromisse (obwohl wir alle genauso waren und erst die Art von Dankbarkeit spüren konnten, nachdem wir selbst Mutter geworden sind – es fühlt sich trotzdem beschissen an!). Das Gefühl, die eigenen Kinder wären einem so fremd kenne ich auch, wobei ich glaube, dass sich das Fremdsein an sich nicht unangenehm anfühlt, weil man ja auch eine gewisse Neugierde dem Unbekannten gegenüber empfinden kann. Aber da, wo wir das Fremde ablehnen, liegt immer auch eine (alte) Angst von uns selbst versteckt. Ich weiß, dass mir mein Ältester oft fremd (im Negativen) ist, wenn er so laut und temperamentvoll ist: Alles Eigenschaften, die ich früher selbst nicht ausleben durfte.

      Und ja, Kinder sind leider oft verdammt ehrlich und sprechen direkt aus was sie fühlen und wahrnehmen. Ich finde es auch super, wenn meinen Söhnen bei der Frage, was Jeder am besten kann, „Schimpfen“ bei Mama wie aus der Pistole herausgeschossen kommt. Die Wahrheit tut in dem Moment weh und fühlt sich ungerecht an, weil wir alles dafür tun, den Kindern -trotz unserer Situation- eine schöne Kindheit zu schenken, und sie das aber in dem Moment nicht sehen bzw. ausdrücken können. Ich denke es ist immer ein unterdrückter Hilferuf, der Wunsch der Kinder, dass sie es gerne anders hätten. Deine Söhne lieben dich genauso wie ihren Vater, wünschen sich aber mit der Aussage sicherlich nur weniger Stress bei dir zuhause.

      Ich bin mir sicher, ihr erlebt auch wieder andere Zeiten! Kopf hoch!

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