Lebensfragen

Warum Eltern die Sprache ihrer Kinder verstehen

Kennst du „Stille Post“? Ein Kinderspiel, bei dem eine Gruppe von Mitspielern reihum flüsternd einen Satz an den Nachbarn weitergibt und beim letzten Mann garantiert nicht der Satz ankommt, den der Erste sich ausgedacht hatte. Wenn du gut im Wörter-Raten bist, solltest du die Tage mal bei uns vorbeischauen.

Maxi ist nämlich gerade in dem Alter, wo er alle Dinge beim Namen nennen muss. Alles, was neu aufgeschnappt wird, wird auch wiedergegeben. In seiner Sprache eben. Für Außenstehende nicht immer leicht. Ein Phänomen, das garantiert Jeder kennt. Ein Kind brabbelt unverständliche Laute vor sich hin, Keiner kann auch nur die Spur eines Sinnes darin entdecken, aber die Eltern wissen gleich, was Sache ist. Nicht nur, dass sie es verstehen, sie wiederholen auch gesagte Wörter (quasi als Übersetzung, wer auf Untertitel angewiesen wäre) in perfekter Landessprache und ernten damit (wenn auch oft nur stillen) Applaus.

Ich gebe dir gerne ein paar Beispiele von Maxi’s Wortschatz, die du mir entziffern darfst:
1) Teese 2) Bimchen 3) Nanje (Die Auflösung erfolgt später.)

Glaub mir, ich habe früher nie verstanden, wie Mütter mit dem Genuschel ihrer Kleinkinder etwas anfangen können. Irgendwie klingt doch Vieles sehr ähnlich oder könnte alles Mögliche heißen. Heute bin ich natürlich schlauer. Mütter und Väter können deswegen alles sofort zuordnen, weil sie von Allen am Häufigsten dabei sind, wenn es gesagt wird. Und weil es permanent wiederholt wird. Gestern beim Abendessen habe ich gefühlte 72x „Woas“ (für „Wurst“) aus Maxi’s Mund gehört. In allen Varianten. Mit leerem Mund, mit vollem Mund, mit Finger auf die Wurst gezeigt oder beim Leberwurstbrot-Stapeln. Da kann man irgendwann nicht mehr anders, als richtig interpretieren.

Vor allem, wenn besagtes Wort seinen nächsten Einsatz im Supermarkt an der Wursttheke erhält. Die Schwierigkeit besteht mit der Zeit nur darin, wieder umzuswitchen, wenn du dich auf höherem Niveau, sprich, mit Gleichaltrigen unterhältst. So manche Tagesthemensprecher haben mich am Ende des Tages schon müde gestimmt, wenn auf hochdeutsch artikuliert wurde. So viel Grammatik bin ich derzeit einfach nicht mehr gewohnt.
Wenn du jetzt noch über Maxi’s Wörter grübelst, will ich dich nicht länger auf die Folter spannen: Teese bedeutet „Käse“, Bimchen steht für „Blümchen“ und Nanje ist die Kastanie. Eigentlich doch ganz einfach oder?

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