Lebensfragen

Erzieherinnen duzen? Wie nah darf die Eltern-/Erzieher-Beziehung sein?

Villa Schaukelpferd-Klassiker


„Das ist aber schön, dass Sie beide gemeinsam die Zeit für dieses Gespräch finden konnten. Setzen Sie sich doch!“ Frau Kindergartenleitung rückte meinem Mann und mir mit ihrem warmherzigen Lächeln die Stühle zurecht, bevor sie dann selbst auf einem Platz nahm. Es war Mittwochmittag und wir fanden uns für ein Elterngespräch im Büro der Kindergarteneinrichtung ein, in die seit Februar letzten Jahres unser vierjähriger Maxi geht. Aber bevor es zum eigentlichen Thema ging, überfiel uns Frau Kindergartenleitung erst einmal mit etwas ganz anderem: „Darf ich Ihnen das „Du“ anbieten?“

Ich spreche bewusst von einem kleinen „Überfall“, denn damit hatte ich weiß Gott nicht gerechnet. Eineinhalb Jahre waren seit dem ersten Kindergartentag nun vergangen und bisher hatten wir uns gegenseitig wie selbstverständlich gesiezt. Nicht nur Frau Kindergartenleitung, sondern auch alle anderen Erzieherinnen und ich sprachen uns seit dem ersten Tag mit unseren Nachnamen an. Ich erinnere mich sogar noch an den ersten Eingewöhnungstag, als Frau Kindergartenleitung und Maxis Bezugserzieherin mir explizit erklärten, dass die Kinder, im Gegensatz zu den Eltern, jede Mitarbeiterin mit Vornamen und „Du“ ansprechen dürften.

Auf der einen Seite freute ich mich an diesem Mittwoch über den Vertrauensbeweis uns gegenüber. „Ich finde das „Sie“ so unpersönlich. Außerdem fühle ich mich dann immer so alt!“ lachte uns Frau Kindergartenleitung entgegen. „Also, ich sage jetzt einfach mal: Ich bin die Maria!“ Und Händeschüttelnd hörte ich mich „Christine“ antworten. So richtig wohl war mir bei der Sache noch nicht. Vielleicht lag es allein schon an der Tatsache, dass wir hier zu einem Elterngespräch geladen waren, weil Maxis Verhalten Anlass für eine Unterredung gab. Ich rechnete also nicht nur mit dem Schlimmsten („Ihr Sohn ärgert ständig die anderen Kinder.“), sondern war mir nun auch bewusst, dass eine erforderliche Distanz ohne das herkömmliche „Sie“ nicht mehr gegeben war. Für mich klingt es nämlich ein wenig anders, wenn es heißt „Dein Sohn ärgert ständig die anderen Kinder“. Anklagender. Persönlicher.

Erzieherinnen duzen? Wie nah darf die Eltern-/Erzieher-Beziehung sein?
Richtig wohl war mir also nicht dabei. Und nachdem Maria schon zum zweiten Mal „Wie ist das denn bei euch zuhause?“ fragte, dachte ich kurz darüber nach, noch einmal zurück zu rudern. Aber dann verlief das Gespräch durchaus harmloser, als zuvor gedacht. Maxi ärgert nicht ständig die Kinder, im Gegenteil, er spielt eher alleine in einer ruhigen Ecke, und auch sonst gab der Rest des Dialogs keinen Grund zum Aufregen. Also verabschiedeten mein Mann und ich uns nach fünfundvierzig Minuten von Maria (und nicht von Frau Kindergartenleitung) mit zwei herzlichen Händedrucken und insgesamt drei erleichterten Gesichtern.

Und dennoch ging mir das Ganze am darauf folgenden Wochenende immer wieder mal durch den Kopf. Nein, so wirklich hatte ich kein Problem mit dem neuen „Du“-Status bei Maria. So richtig wohl fühlte ich mich damit aber auch nicht. Natürlich kann es durchaus Vorteile mit sich bringen, wenn die Beziehung zwischen Eltern und Erzieherinnnen persönlich und nicht distanziert ist. Mir ist das sogar lieber! Aber ich finde, das passiert nicht zwangsläufig durch Duzen. Im Gegenteil. Mir persönlich wird es sicher auch in Zukunft schwerer fallen, ein „Christine, kannst du vielleicht noch einen zweiten Salat für das Sommerfest mitbringen?“ abzulehnen, als ein „Christine, könnten Sie vielleicht noch einen zweiten Salat machen?“ Ein Du klingt schnell verbindlicher. Freundschaftlicher. „Kannst du nicht mal eben?“ Zumindest für hochsensible Mütter wie mich, die eh schon viel zu viel ungefiltert an sich heranlassen und schwer „Nein“ sagen können.

Erzieherinnen duzen? Wie nah darf die Eltern-/Erzieher-Beziehung sein?
Kurzerhand suchte ich beim Abholen meines Kindes am Montag noch einmal das Gespräch mit Maria. Bedankte mich für die schöne Zusammenkunft und ihre nette Geste, uns das „Du“ anzubieten, erklärte ihr dann aber, dass ich gerne wieder zum „Sie“ wechseln würde, weil so ein „Du“ für mich schnell etwas kumpelhaftes hat und ich persönlich in der Erzieher-/Elternrolle nichts kumpelhaftes erkennen kann. Leicht überrascht, aber dennoch freundlich und verständnisvoll akzeptierte sie meine Entscheidung, jedoch nicht, ohne mir zu versichern, dass ihr Angebot in keinster Weise mit mangelndem Respekt zu tun gehabt hätte. Das glaube ich ihr auch. Dennoch hielt ich an meiner Entscheidung fest. Meinen Kompromiss, dass wir uns trotz Siezen beim Vornamen nennen, nahm sie erfreut an.

Wie ist das denn bei dir in der KiTa? Duzen ErzieherInnen und Eltern sich gegenseitig oder sprecht ihr euch mit dem klassischen „Sie“ an? Nennen die Kinder ihre Kindergärtnerinnen beim Vornamen oder sagen sie „Du, Frau Meier“? Haben manche Eltern vielleicht eine Sonderstellung? Wie gefällt dir die Regelung in deiner Tageseinrichtung? Wünschst du dir ein persönlicheres „Du“ oder fehlt dir das distanziertere „Sie“? Erzähl mir davon, ich freue mich auf deinen Kommentar!

3 Gedanken zu „Erzieherinnen duzen? Wie nah darf die Eltern-/Erzieher-Beziehung sein?“

  1. wheelymum sagt:

    Wow, Respekt. Dieses Zurückrudern finde ich super.
    Ich war selsbt Erzieherin. In der ersten Einrichtug waren fast alle beim Du und die Kinder nannten alle Kinder beim Vornamen.
    In der nächsten Einrichtung sagten die Kinder zu den Erzieherinnen die Vornamen und du. Die meisten Erwachsenen nannten die Erzieher ebenfalls beim Vornamen, sprachen sie aber mit Sie an.
    Nach und nach entwickelten sich hier immer mehr Du-Beziehungen, die aber fast alle von den Eltern gewünscht waren. So gab es irgendwann einen Teambeschluss, dass auch die Kinder die Erzieher nur noch mit Nachnamen und Du ansprechen sollten. Als dies so umgesetzt wurde, gab es kein dutzen zwischen Eltern und Erziehern mehr.
    KLar, ein Du schafft Vertrauen und es macht heielig. Gleichzeitig ist aber der Schritt zum privaten und der herabgesetzten Hemmschwelle niedrig. Ich bin ganz deiner Meinung.

    1. Christine sagt:

      Liebe Wheelymum,

      wie schön, auch eine Meinung von einer Erzieherin zu hören, da du ja quasi auf der „anderen Seite“ stehst ;-)
      Interessant finde ich es, dass die Eltern ein „Du“ durchsetzen können. Kamen die dann auf euch zu und sagten: „Hey, können wir euch nicht der Einfachheit halber duzen?“ Ich würde niemals auf so eine Idee kommen, selbst, wenn es mir einfacher erscheinen würde, weil meine Kinder auch „Du“ sagen. Finde ich ja spannend, dass nach der Umstellung bei euch (mit „Du“ und Nachname ansprechen seitens der Kinder) auch die Eltern wieder zurückgerudert sind. Würdest du sagen, dass das für die Kinder ein Problem war, ihre Erzieherinnen plötzlich nicht mehr beim Vornamen zu nennen? Auf jeden Fall finde ich es gut, dass ihr das einheitlich im Team besprochen habt. Bei uns im Kindergarten ist das wild gemischt und nicht einheitlich, wer wen siezt und duzt. Stelle ich mir auch für das Team nicht optimal vor…

  2. Mel sagt:

    Ich bin auch Mama und Erzieherin. Die Erzieherinnen meines Sohnes waren vielleicht 3 Jahre jünger als ich, als ich ihnen das Du angeboten habe, welches sie gerne annahmen. In der Arbeit duzen sich die Mitarbeiter und auch die Kinder nennen uns beim Vornamen und sagen du. Die Eltern sagen sie und den Vornamen. Uns wurde von einigen Eltern das du angeboten und andere duzen einfach. Ich bin der Meinung diese Eltern sollten dann auch einfach das du anbieten… Solange sieze ich, auch wenn meine Kolleginnen immer etwas komisch schauen, wenn ich die Eltern sieze obwohl sie mich duzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Eure Meinungen auf Twitter zu diesem Beitrag: