Lebensfragen

Eine ziemlich unperfekte Mutter


Ein harmloses Telefongespräch vor ein paar Tagen lässt mich nicht mehr los. Ich telefonierte mit einer (kinderlosen) Freundin und irgendwann warf sie ein, dass ich mich ja inzwischen zu einer perfekten Mutti entwickelte. Sie meinte das gar nicht sarkastisch, sondern leider bitterernst.

Von Außen mache es den Eindruck, ich würde Kinder, Haushalt und Hobbies so gut unter einen Hut kriegen, dass man glatt neidisch werden könne. Wie du weißt, schreibe ich immer ziemlich ehrlich und direkt in meinem Mama Blog und so soll es auch diesmal sein. Denn ich möchte gerne den Eindruck einer perfekten Mutter gleich wieder dort hinbringen, wo er hingehört: Nämlich raus aus der Realität und rein ins Reich der Fantasie. Wenn meine gute Bekannte schon annimmt, bei mir zuhause wäre der Ort, an dem sich täglich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, das Honigkuchenpferd „Friede-Freude“-Eierkuchen backt und dazwischen eine immer gut gelaunte Fee (nämlich ich) hin und herschwebt, um mit Buddhas Ruhe und einer Engelsgeduld Alles und Jeden zu organisieren, dann könntest du als Leserin ja auf die Idee kommen, so ginge es bei uns Zuhause tatsächlich zu.

Um dem entgegenzuwirken, werde ich dir heute das Gegenteil berichten. Passend zu diesem Thema möchte ich dir kurz von einem Artikel erzählen, den ich kürzlich in der aktuellen „flow“ gelesen habe. Er heißt „Kannst du mir helfen?“ und es ging darum, dass man nicht immer stark sein müsse, sondern eigene Schwächen akzeptieren, und Andere auch mal um Hilfe bitten sollte. Und zwar in dem Bewusstsein, dass diese Einstellung und der dazugehörige Mut uns stärker denn je machen würde.

Selten hat mich ein Artikel wie dieser so angerührt, vielleicht auch deshalb, weil mein Mann und ich zur gleichen Zeit viel darüber nachgedacht haben, ob wir eine Tagesmutter engagieren oder nicht. Für mich war es keine leichte Entscheidung, schließlich habe ich sehr lange (quasi die letzten zwei Jahre) damit gehadert. Da Mini und Maxi Wunschkinder waren und ich mit Freuden Elternzeit beantragte, war mir immer klar gewesen, dass mich die Mutterrolle voll ausfüllen würde. Viele Sehnsüchte zurück zu meinem kinderlosen Dasein und zahlreiche neidische Blicke rüber zum Arbeitsplatz meines Mannes später, kam schleichend der Punkt und die Gewissheit, dass ich mir eben mehr von meinem Leben wünsche, als zwei kichernde, streitende und meistens anstrengende Kleinkinder um mich herum zu haben. Deswegen werde ich jetzt eine Tagesmutter bitten, mir für ein paar Stunden in der Woche Kind und Stress abzunehmen, damit ich einfach auch mal wieder Frau sein kann in der Zeit.

Auch in meinem Alltag geht es keinesfalls immer so humorvoll zu, wie du in meinem Mama Blog lesen kannst. Sicher, es ist beim Schreiben mit einem gewissen Abstand leichter, die Dinge mit einer Prise Sarkasmus und Humor zu schildern, aber in der Situation selbst werde ich auch schon mal laut und ungerecht. Auch, wenn es mir selbst nachher leid tut. An Tipps, wie „Atmen und bis 10 zählen, wenn man kurz vorm Platzen ist“, erinnere ich mich meistens erst später, nachdem ich schon bei „3“ einen kleinen Wutausbruch bekommen habe. Manchmal sind meine Nerven so überstrapaziert, dass mir schon die Tränen kommen, wenn mir nur der eingewickelte Biomüll auseinanderfällt.

Auch ich denke manchmal unfair, wenn Mini und Maxi sich minutenlang um denselben Bauklotz streiten. „Kinder, werdet erstmal größer, dann lernt ihr wirkliche Probleme kennen.“ möchte ich ihnen manchmal sagen, auch wenn mein Verstand weiß, dass mir diese Haltung auch nichts bringt. Ich bin überhaupt nicht „amused“ darüber, wenn ich zwei Stunden für die Hühnersuppe in der Küche gestanden habe, nur um dann mit ansehen zu müssen, wie Maxi nach dem dritten Löffel vor Ekel das Gesicht verzieht und lieber Nudeln mit Tomatensauce essen würde. Und doch war ich selbst als Kind sicher nicht anders.

Es nervt mich tierisch, dass mein Mann und ich nicht mal eben spontan abends einen kleinen Spaziergang an der Frühlingsluft machen können, weil die Kinder schon im Bett liegen, oder nicht ins Kino gehen können, ohne vorher einen Babysitter organisiert zu haben. Dann fühle ich mich so fremdbestimmt, dass ich –gelinde gesagt- kotzen könnte. Solche Freiheiten, die ich früher hatte, beneide ich an unseren kinderlosen Freunden und Verwandten, die uns wiederum vielleicht für unser Familienleben zu Viert beneiden.

Bin ich damit die perfekte Mutter, die ich anfangs träumte zu werden? Nein. Und diese Wahrheit zu erkennen, tut erstmal weh. Aber wenn man sich erst einmal damit abgefunden hat, ist es auch irgendwie leichter. Der Ballast, immer 100%ig funktionieren zu müssen, fällt ab. Macht uns lockerer. Und damit auch nicht so verkrampft im Umgang mit Anderen, und –noch viel wichtiger- mit uns selbst.

Also liebe Freundin, wenn du diese Worte jetzt liest, siehst du, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Lehne dich entspannt zurück, genieße heute den freien Abend mit deinem Mann und macht euch ein paar perfekte Stunden zu Zweit – ab morgen solltest du es mir dann wieder gleichtun und versuchen, dein Leben entspannter mit einer Prise Unvollkommenheit anzugehen.

2 Gedanken zu „Eine ziemlich unperfekte Mutter“

  1. Rosalie sagt:

    Das klingt doch aber kein bisschen unperfekt. Niemand verlangt ernsthaft von einem Elternteil, dass er oder sie in jeder Sekunde immer nur freundlich und begeistert ist von seinen Kindern. Und von dem neuen Leben. Das gilt im Übrigen für Mutter und Vater.

    Das Leben geht aber tatsächlich etwas leichter von der Hand, wenn man seinen Perfektionismus gegen eine ordentliche Portion pragmatische Lebensbewältigungsstrategie eintauschen kann. Jedenfalls ging es mir so.

    Wenn ich z.B. müde bin, dann mag ich echt nicht kochen und dann doch alles alleine aufessen zu müssen. In dem Fall bekommt Baby ein Gläschen und die Große ihre Lieblingssuppe und fertig. Das geht schnell, alle sind satt (was den Stresslevel enorm senkt) und ich steck die verbleibende Energie lieber in ausgefallene Duplo-Turm-Konstruktionen. Mit denen kann die große spielen und die Kleine kann sie kaputt machen und wir haben einen schönen Abend.

    Zudem muss ich sagen, echte Wunder wirkt folgendes: Kinder in die Betreuung, Mama Heim und direkt ins Bett, nach 4 Stunden aufstehen, in Ruhe einen Kaffee trinken, Kinder abholen. Echt jetzt. Kann ich nur empfehlen! Wahlweise das Ganze mit einer in Ruhe genossenen heißen Dusche und hinterher ausgiebigem Eincremen, erweitern. Kostet wenig und macht total glücklich!

    1. Christine sagt:

      Liebe Rosalie,
      klingt toll, wie du mit deiner Energie und aufkeimendem Stress haushaltest. Gewusst wie! Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die für Erholung sorgen. Und nur, weil man dann mal zur Gläschenkost greift oder den Babysitter ruft, ist man schließlich keine schlechte(re) Mutter.
      Danke für deinen Kommentar!

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