Lebensfragen

Das Kind braucht einen Namen

Villa Schaukelpferd-Klassiker

Als ich gerade ein paar Wochen mit Maxi schwanger war und mein Mann mich vorsichtig fragte, ob ich denn schon eine Idee für einen Namen hätte, fiel er sichtlich hinten über, als ich ihm mit den Worten „Moment, ich hole mal die Liste“ antwortete. Wenn du jetzt Schnappatmung bekommst, bist du mit Sicherheit ein männlicher Mitleser. Alle Frauen werden mir jetzt ihrerseits die bereits vergilbte Liste unter die Nase halten.

Wir Mädels erstellen doch schon während unserer eigenen Grundschulzeit Listen mit potentiellen Namen für unsere Kinder, die erst 20 Jahre später entstehen werden. Genauso, wie wir unseren Hochzeitstag schon planen, Jahre bevor überhaupt ein zukünftiger Verlobter auf der Bildfläche erscheint. Männer machen so etwas nicht. Die überlegen nicht monatelang, ob Paul, Tim oder Leonhard besser zu ihrem Nachnamen passt. Frauen schon.

Aber wie geht man jetzt vor, wenn es ernst wird, bei der Suche nach dem perfekten Vornamen für das Baby, das da tatsächlich im eigenen Bauch wächst? Die notierten Namen waren nämlich plötzlich alle nicht mehr gut genug für das reale Kind unter meinem Herzen. Ich habe mich zuerst durchs Internet gewühlt. Es gibt tausende Seiten mit Vornamen, bei denen du zusätzlich die Bedeutung des Namens, prominente Namensvetter und den zugehörigen Namenstag inklusive geboten bekommst. Bei einigen Namen stand zum Glück auch dabei, ob es ein Mädchen- oder Jungenname war, weil das Geschlecht für mich nicht offensichtlich schien. Diese Namen fielen natürlich sofort weg. Kein Mensch möchte später am Telefon gefragt werden, ob er ein Mann oder eine Frau ist, nur weil auf der Visitenkarte kein eindeutiger Zusatz vermerkt war.

Doppelnamen schieden auch aus. Klaus-Dieter und Heinz-Herbert erinnern eher an Loriot-Figuren, denn an würdige Nachfahren meines Stammes. Und mit einer Katharina-Frederike machst du dir und den Kindergärtnerinnen nur das Leben schwer, wenn deine Tochter zum 12. Mal hintereinander auf dem Spielplatz ermahnt werden muss, dem Bernd keins mit der Schaufel überzubraten. Aber ich brauchte ja eh keinen Mädchennamen.

Obwohl ich es schon als Kind immer leichter fand, Mädchennamen zu sammeln. Leider konnte ich auch beim zweiten Kind Keinen davon gebrauchen, denn eine Tochter wurde mir bekanntermaßen verwehrt. Stattdessen fiel es mir gerade bei Mini sehr schwer, überhaupt noch einen einigermaßen vernünftigen Namen zu finden, immerhin konnten wir uns mit Mühe und Not bei Maxi auf einen einigen. Jetzt wirst du vielleicht sagen: Wieso denn? Es gibt doch so viele schöne Jungsnamen! Da hast du natürlich Recht! Nur leider sind die in unserer Großfamilie schon alle vergeben. Oder der Name ist derzeit so angesagt, dass es später mindestens fünf Lukas, Emils und Alexander in der Klasse geben wird. Namen von Ex-Freunden sind natürlich auch tabu. Außerdem muss man beim zweiten Kind darauf achten, dass der Name auch zu dem des Geschwisterkindes passt. Martin und Martina oder Hanna und Hanno klingen eher nach einem Zeichentrickfilm, denn nach wohl überlegten Namensforschungen seitens der Eltern.

In jedem Fall war meinem Mann und mir wichtig, dass die Namen keine Modenamen waren. Brooklyn, Shooter-Manhattan (ja, es gibt tatsächlich ein Kind auf dieser Welt, das so heißt!) und Justin fielen ebenso durch unser Raster wie Adalbert, Chlodwig oder Theodor. Es sollte ein klassischer Name sein, ohne altbacken zu wirken und trotzdem modern sein, ohne dass Andere hinter vorgehaltener Hand kicherten. Und wir wollten beiden Jungs noch einen Zweitnamen gegeben. Der ohne Bindestrich, du weißt schon, der nur im Pass steht oder zur Hochzeit schriftlich verlangt wird. Wir fanden die Idee schön, unseren Kindern zusätzlich zum Rufnamen noch den einer ihrer Vorfahren mitzugeben. Ein Gedenken an unsere lieben Großväter. Vielleicht gefällt Mini und Maxi die Tradition ja auch irgendwann, wenn sie noch eine Geschichte hinter ihrem Namen wissen.

Es macht die ganze Sache übrigens auch einfacher, den Namen bis zur Geburt geheim zu halten. Sonst werden dir deine Favoritennamen ganz madig gemacht, wenn die Mutter entsetzt aufschreit: „Was, ihr wollt die Süße Laura nennen? So hieß meine niggelige Mitschülerin!“ Oder wenn die Freundin gelangweilt anmerkt, dass sie schon soundsoviele Babies kennt, die Noah heißen. Glaub mir, nach der Geburt wirst du solche Sätze nicht mehr hören, da traut sich Keiner mehr, neugierige Banknachbarinnen zu erwähnen. Da ist dein Kind plötzlich einzigartig unter all seinen Namensvettern, und der Name ist ihm –selbstredend- wie auf den Leib geschrieben!

Ich glaube, im Endeffekt ist es uns ganz gut gelungen, zwei schöne Namen zu finden. Zumindest haben Mini und Maxi jeden einen, von dem immerhin ihre Eltern schwer begeistert sind. Und das ist ja auch die Hauptsache! Schließlich kannst du dein Kind nicht nach der Geburt fragen, ob es mit dem ausgesuchten Namen einverstanden ist. Und es wird auch immer Bekannte, Verwandte oder sonst wen geben, denen der Name deines Kindes zu langweilig, zu kurz, zu lang oder zu irgendwas ist. Aber wer weiß, in 100 Jahren werden wir bestimmt auch wieder über die Namen lachen, die Heute ganz oben in den Top 10 der beliebtesten Vornamen stehen. So wie unsere Mütter und Großmütter Namen wie „Emma“ und „Paul“ für ihre Enkelkinder ganz furchtbar finden, wo unsere Generation freudestrahlend in die Hände klatscht.

Und wie hast du die Namenssuche bei deinen Kindern empfunden? Würdest du ihnen heute andere Vornamen geben? Und welchen Vornamen würdest du niemals vergeben? Wie gefällt dir dein eigener Name? Ich freue mich über deinen Kommentar!

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