Lebensfragen

Beste Feindinnen?


Ich schreibe heute über ein Thema, mit dem ich mich –Gott sei Dank- noch nicht auseinander setzen musste, das mich aber über kurz oder lang sicher heimsuchen wird, spätestens wenn Sohnemann Nr. 1 den Kindergarten betritt. So sehr meine Vorfreude wächst, dass meine Jungs bald in ein Alter kommen, in dem sie „richtige“ Freundschaften zu anderen Winzlingen aufbauen, so sehr fürchte ich diesen Moment auch.

Schließlich bin nicht ich diejenige, die zukünftige Spielkameraden für das Nachmittagsprogramm auswählt. Mir geht es in meinem heutigen Mama Blog Beitrag um (m)eine gefürchtete Zielgruppe: Nämlich die anderen Kindergartenmütter. So wie man sich auch seine Schwiegereltern nicht oder nur sehr begrenzt aussuchen kann, so läuft es auch mit den anderen Mamis, auf die man so trifft. Was also, wenn ich die Mutter des Freundes von meinem Kind nicht mag?

Meine eigene Mutter gestand mir vor ein paar Jahren, dass sie Jasmin, die Mutter meiner besten Kindergartenfreundin Stefanie, nie leiden konnte. Stefanie war meine absolute Busenfreundin (nur ohne den Busen, jedenfalls hatte sie damals noch keinen Vorzeigbaren). Ohne sie lief nichts. Fast jeden Nachmittag besuchte ich sie in ihrer Wohnung, selbstverständlich in Begleitung meiner Mutter. Während die erwachsenen Frauen in der Küche gemütlich einen Tee nach dem Anderen tranken, spielten wir Mädels im Kinderzimmer mit den supertollen Barbies (die ich nie haben durfte) und den Baby-Born-Puppen, deren Geschlecht sich erst nach einer Runde Puppen-Baden offenbarte. Als Kind denkt man ja nicht über die Zweckgemeinschaft nach, die die Mamas der Freunde führen. Irgendwie ist es einem als Mädchen klar, dass auch diese Frauen beste Freundinnen sein müssen, genauso wie man auch Jahre später noch davon ausgeht, dass die Sänger einer gecasteten Boyband alle ganz Dicke miteinander sind und elf Fußballer derselben Mannschaft schon als Jungs auf dem Bolzplatz zusammen gekickt haben.

Jasmin war ein eher oberflächlicher Typ Frau mit Dauerwelle, künstlichen Fingernägeln und dem Hang zu Klatschblättern. Meine Mutter mochte es eher tiefsinnig, hatte sich weder die Haare noch die Fingernägel je gefärbt und hörte lieber Reinhard Mey statt Nena. Ohne eine Lebensweise für die bessere oder schlechtere zu halten, will ich damit nur sagen, dass Stefanies Mutter und meine eigene in etwa so viel gemeinsam hatten wie der Papst und ein Antichrist. Eine ziemlich schräge Vorstellung also, dass diese völlig unterschiedlichen Frauen ihren Kindern zuliebe jeden Nachmittag zusammen am Küchentisch verbrachten und nach einer gemeinsamen Gesprächsbasis suchten, mit der sich Beide arrangieren konnten.Beste Feindinnen?

Jetzt, wo ich mehr oder weniger Erwachsen bin und eigene Kinder habe, komme ich langsam nicht mehr um den „Was wäre wenn“- Gedanken herum. Was wäre, wenn Donald Duck der neue Buddy von Maxi wird, seine Mutter Dortel (ja so heißt die Ente wirklich, ich habe extra gegooglet) aber ein Grund ist, einen großen Bogen um sie herum zu schlagen? Bin ich dann auch so kulant wie meine eigene Mutter und treffe mich mit einer Frau, die ich nicht leiden kann, nur um meinem Sohn nicht das Gefühl zu geben, ich würde ihm die Freundschaft zu Donald Duck nicht gönnen? Oder bringe ich Maxi nur bis zur Haustür, verschwinde hastig wieder im Auto und hole ihn erst abends wieder bei seinem Freund ab? Das ginge zumindest in dem Fall, wo Dortel mich ebenso wenig leiden würde. Weitaus schlimmer wäre es, wenn Donalds grässliche Mutter eine Freundschaft zu mir durchaus erstrebenswert fände und ich nun doppelt in der Zwickmühle säße.

Wie machst du das denn bei deinem Kind? Bzw. bei deren Freunden? Bzw. bei deren Müttern? Du weißt schon. Machst du um unsympathische Eltern einen Riesenbogen? Redest du deinem Kind ins Gewissen, sich doch lieber mit Mickey Maus anzufreunden, weil du ihn und seine Eltern weitaus sympathischer findest? Oder reißt du dich deinem Kind zuliebe zusammen? Oder hast du das große Glück, nur mit außerordentlich kompatiblen Elternteilen konfrontiert zu werden? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen mit deiner ganz persönlichen „besten Feindin“.

3 Gedanken zu „Beste Feindinnen?“

  1. Kristina sagt:

    Und wenn du in der Mutter von Maxis neuem Freund deine neue beste Freundin findest? ;)
    Mach dir nicht zu viele Gedanken über Dinge die noch nicht passiert sind und die du nicht beeinflussen kannst.
    Jetzt wo ich so drüber nachdenke, glaube ich, konnte meine Mutter die Mutter meiner Kindergarten- und Grundschulfreundin auch nicht richtig leiden. Dafür waren sie viel zu verschieden. Sie haben auch nie etwas miteinander unternommen. Aufgepasst auf uns haben sie immer abwechselnd. Meine Freundin wohnte um die Ecke, also konnte ich irgendwann auch einfach alleine zu ihr oder eben andersrum.
    Wie die Mütter das alles arrangiert haben kann ich dir natürlich nicht genau sagen. Ich vermute mal sie haben das von vornherein gemerkt und dann hat sich das automatisch so entwickelt.
    Wenn das Gegenüber das aber anders sieht, kann es schon mal schwierig werden. Dann kann man wohl nur anbieten die Kinder mal zu nehmen, damit die andere sich einen schönen Tag machen kann. Oder zu fragen ob sie die Kinder nehmen kann, weil man noch so viel zu erledigen hat. Dann muss man zumindest nicht jeden Tag mit jemanden verbringen, den man nicht mag ;)
    Liebe Grüße

    1. Christine sagt:

      Liebe Kristina,
      vielen Dank für deine vielen positiven Gedankengänge. Lustig, dass es deiner Mutter damals ähnlich ging und schön, dass die beiden Frauen sich dann „unausgesprochen“ arrangiert haben!
      Liebe Grüße

  2. Rosalie sagt:

    Jaaaaa! Ich weiß ja sowas von gut, was du meinst!
    Ich bin ja auf Grund meiner Erfahrungen eher der Einstellung: Mit anderen Müttern kann man nicht befreundet sein, denn es gibt in Bezug auf die Kinder IMMER Differenzen. Jeder macht dies und jenes anders… Und ich hänge ja hier in HD schon ein Jahr lang rum, ohne jemanden kennen gelernt zu haben. Denn in Mutter-Kind-Beschäftigungstherapie-Kurse kann ich nicht gehen (probiert und schier verrückt geworden zwischen all den Supermamis) und auf dem Spielplatz haben die Mamis immer schon ihre eigene Peergroup dabei, so dass man kaum in Kontakt kommt. Also bleiben die Kitamütter. Nun bin ich kein Held in Smalltalk machen und so hielten sich die Gespräche auch eher im Rahmen.
    Und jetzt kommt’s: Hat mich doch auf dem Spielplatz eine Mutti angesprochen, weil unsere Kinder zufällig zusammen gespielt haben, wie meine Tochter denn hieße. Und die ist richtig nett und wir verstehen uns super! Wir treffen uns seither fast jeden Tag und passen von der Einstellung her echt gut zusammen. Und das beste: Zufällig kommt meine Große nächste Woche zu ihrem Sohn in die KiGa Gruppe. Echt jetzt, dass mir sowas passiert, macht mich wirklich fertig. Damit hab ich ja als letztes gerechnet. Mein Mann war auch ganz fassungslos, dass ich auf dem Spielplatz ne andere Mami als Freundin finde.

    Wenn also so ein Eremit wie ich das hinbekommt, dann kannst du das auch!
    Mach dir mal keine Sorgen.
    Ach und zu all den Müttern, die einem spontan gar nicht zusagen: Nett lächeln. Und an öffentlichen Platzen treffen, damit man nicht zu Hause in der Küche eingesperrt sitzen muss.

Was sagst du dazu? Schreibe einen Kommentar!

Dein Kommentar wurde nicht (oder nur unvollständig) freigeschaltet? Lies hier, warum!