Lebensfragen

Alles nur eine Phase?

Villa Schaukelpferd-Klassiker

Wenn man mir vor 2 Jahren gesagt hätte, wie mein Leben heute, mit zwei quirligen Jungs an meiner Seite aussieht, ich weiß nicht, ob ich gelacht oder geheult hätte. Ehrlich gesagt kann Niemand einer kinderlosen Frau ernsthaft vermitteln, was das Wort „Mutter-Sein“ wirklich bedeutet. Was es in Einem verändert. Und vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht gäbe es sonst ein paar Kinder weniger auf der Welt. Meine vielleicht eingeschlossen.

Versteh mich nicht falsch, ich liebe meine Kinder und ich bin froh, dass es sie gibt. Aber es gibt Momente, da möchte man gerne mal die „Stopp“-Taste drücken.

Wenn die Jungs im Auto rumkreischen und man nicht flüchten kann. Der Große knatschig ist vor Fieber und Keiner ihn trösten darf. Wenn Beide in einem Alter sind, wo sie das Wörtchen „Gleich, Moment noch“ nicht verstehen. Wenn die Neugeborenen nachts stündlich aufwachen vor Hunger und man selbst nur noch die Decke über den Kopf ziehen und weiterschlafen möchte. „Versuch dir zu sagen, dass Alles nur eine Phase ist, die wieder vorübergeht“ sagt mir meine Mutter dann. Guten Morgen Phase, bist du auch schon wieder da? In solchen Momenten fällt es mir schwer, mir zu sagen, dass Alles nur eine Phase ist, die irgendwann auch wieder schwindet. Weil es die Situation jetzt nicht besser macht. Weil die Phase bei mir Dauergast zu sein scheint, die es sich hier gemütlich gemacht hat und nicht daran denkt, so schnell wieder das Feld zu räumen. Die noch andere Phasen als Bekannte hat, die gerne auf meiner Couch herumlümmeln. Irgendeine Phase ist jedenfalls immer anwesend.

Als Kinderloser kennt man solche Phasen natürlich nicht. Beneidenswert. Aber eben auch nicht immer. Schließlich waren es Mini und Maxi, die mich auf meinen eigenen Weg brachten. Die mir (wenn auch unbeabsichtigt) jeden Tag mit ihren „Phasen“ meine Grenzen aufzeigen, mich herausfordern, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Probleme, Schwächen und Eigenarten, die man an sich nicht gerne sieht, kann man als Kinderloser gerne auch mal ein Stück weit verdrängen oder zumindest verbannen, wenn sie Einem nicht in den Kram passen. Nicht so als Elternteil. „Wenn man Kinder bekommt, rückt die eigene Herkunftsfamilie wieder stark in den Vordergrund.“ Diesen Satz hat mir vor ein paar Jahren Jemand gesagt und er kommt mir seit der ersten Geburt immer mal wieder ins Gedächtnis.

Natürlich: Rückt man ja in der Familie bildlich betrachtet wieder stärker zusammen. Man steht plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit mit seinen Kindern, ob man das nun will oder nicht. Ich wollte eher weniger, weil ich nicht der Typ Mensch „Rampenlicht“ bin. Aber gerade diese Krise, die es für mich war (und manchmal auch noch ist, die Aufmerksamkeit wird ja nicht einfach weniger), zwang mich dazu, mich mit mir und meinen Bedürfnissen, Ängsten und Sorgen auseinander zu setzen. Ja wer bin ich denn eigentlich? Welchen Standpunkt möchte ich vertreten und –am Allerwichtigsten- wie möchte ich vor meinen Kindern dastehen? Was ihnen vorleben? So hart das auch manchmal scheint, es versetzt Einen ins Hier und Jetzt und bringt Einen ganz nah zu sich selbst. Kinder als Hilfsmittel zur Selbsterkenntnis. Nicht nur Phasenweise. Garantiert!

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