Kinderkram

Das Schönste an dem Alter? Leben im Hier und Jetzt

Villa Schaukelpferd-Klassiker


„Mama, warte mal, ich will mit dir an den Blättern riechen!“ Maxi und ich waren gerade auf dem Weg zur örtlichen Kirmes unterwegs, als mein Vierjähriger abrupt neben der unscheinbaren Hecke stehen blieb. „Schau mal, die riechen so gut!“ bekam ich von einem Meter weiter unten erklärt und schon sah ich auch mich meine Nase zwischen die kleinen Äste stecken. Wollten wir uns nicht beeilen, um zum Jahrmarkt zu kommen? Mit all den blinkenden Fahrgeschäften, Luftballons und Zuckerwatteständen? Sollten wir nicht lieber einen Schritt schneller gehen, als ausgerechnet hier auf dem langweiligen Gehweg anzuhalten?

Für meinen Sohn war die Antwort längst klar. Und ich sollte einmal mehr lernen, mich in Achtsamkeit zu üben; eigentlich genau das, was ich täglich in meinen stillen Meditationssitzungen zuhause auf dem Sofa versuchte. Und da kam Maxi daher und machte mir einfach vor, was es heißt, das Leben im Hier und Jetzt zu genießen. Nicht morgen, nicht in einer Stunde, nicht in fünf Minuten. Genau jetzt.

Vor einiger Zeit gab es mal im Fernsehen den Werbespot eines bekannten Schokoladenei-Herstellers. In dem Video wurde ein Kind mit Nichts als einem bunt-klappernden Schoko-Ei gelassen, mit dem Versprechen, dass es nach fünf Minuten noch ein Zweites erhalten würde, sofern es bis zur Wiederkehr der erwachsenen Person dieses eine Ei nicht öffnen würde. In dem Werbefilm hatte es kein Kind ausgehalten zu warten. Zu neugierig waren sie, zu spannend das hübsch verpackte Ei.

Das Schönste an dem Alter? Leben im Hier und Jetzt
Was sagt uns das? Kinder können nichts abwarten. Kinder können zeitliche Abstände noch nicht gut messen. Kinder nehmen lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Es gibt Zeiten, da nervt mich so was tierisch. Auch ich bin eine Mutter, die immer mal wieder verzweifelte Sätze aus sich herausrufen hört wie „Könnt ihr denn nicht mal fünf Minuten warten?!“ Und dennoch, unter dem Gesichtspunkt des „Im Hier und Jetzt“-Lebens finde ich das Verhalten von Kindern nicht nur gar nicht so schlimm, sondern geradezu bewundernswert.

Kinder können noch das, was wir Erwachsene längst verlernt haben und uns mühsam wieder erarbeiten müssen: Sie können den Moment genießen, voll im Augenblick aufgehen und nicht an Morgen, geschweige denn an die nächsten zehn Minuten denken. Wo wir Probleme ohne Ende wälzen, weil in zwei Wochen ein wichtiges Gespräch mit dem Chef ansteht, bis zum Urlaub noch tausend Dinge erledigt werden müssen oder uns noch das gestrige Telefonat mit der Freundin im Kopf rumspukt, konzentriert sich unser Nachwuchs selbstvergessen auf die Schnecke, die gerade vor seinen Füßen herkriecht.

Das Schönste an dem Alter? Leben im Hier und Jetzt
Ich bin mir sicher, dass wir von unseren Kindern in der Hinsicht wirklich noch etwas lernen können. Den nächsten Cappuccino in der Kaffeepause ganz bewusst genießen. Dem Vogelgesang im Garten mal fünf Minuten aufmerksam lauschen. Der Mohnblume am Wegesrand ein Lächeln schenken. Ich wünsche Mini und Maxi, dass sie dieses schöne Geschenk der Achtsamkeit auf ganz natürlichem Weg bis ins Erwachsenenalter mitnehmen können. Und dass wir es schaffen, mal wieder einen Gedankenstopp einzulegen und die Welt um uns herum für einen Augenblick mit allem wahrzunehmen, wie sie ist. Genau jetzt.

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