Kinderkram

Jetzt ist aber Kirmes! Juhu! Ach nee, doch nicht.

Villa Schaukelpferd-Klassiker


Unsere Nachbarstadt steht derzeit Kopf. Man kann dies sogar wörtlich nehmen, sitzt man gerade angeschnallt in einer Gondel dieses Fahrgeschäftes, bei dem einen beim Zugucken schon schlecht wird. Kurzum: Es ist Kirmes und alle rennen hin. Wenn die Tage wieder kürzer werden, der Herbst kurz vor der Tür steht, finden sie sich alle ein: Schausteller, Popcorn-Verkäufer, Wahrsagerinnen und Losbudenbesitzer. Fünf Tage Spektakel mit Bratwurst, Zuckerwatte, Kettenkarussell und Autoscooter. Und meine Söhne und ich mittendrin.

Jetzt ist aber Kirmes! Juhu! Ach nee, doch nicht.
Man will den Kleinen schließlich was gönnen. Und sich selbst nebenbei natürlich auch. Mal wieder gemütlich über den Stadtplatz schlendern, dabei den unwiderstehlich süßlichen Geruch von gebrannten Mandeln in der Nase und laut tutende Karussell-Hupen, die die nächste Runde einläuten, im Ohr. Hier mal stehen bleiben und hochwertigen Schmuck aus Taiwan bewundern, dort mal pausieren und den mutigen Leuten in fünfzehn Meter Höhe zuwinken.

Jetzt ist aber Kirmes! Juhu! Ach nee, doch nicht.
Ein fester Ruck an meinem rechten Arm zieht mich nach vorne und bringt mich gleichzeitig in die Realität zurück. „Mama, wann gehen wir endlich weiter?“ stöhnt Maxi, sichtlich genervt, weil ich mir eine Verschnaufpause gönne. Die Hälfte der Kirmes haben wir bereits im Laufschritt hinter uns gebracht, während die Menschenmassen um uns herum wie in Zeitlupe vorbeizuschlendern scheinen.

„Können wir da bitte drauf, Mama? Ich will in den Bus!“ Mein dreijähriger Mini löst sich augenblicklich von meiner Hand und steuert zielsicher auf das Fahrgeschäft zu. Fahrkarten kaufen, Kinder in das gewünschte Auto bugsieren und los geht die Fahrt. Lautes Tuten, das den Fahrtbeginn ankündigt und die Muttis zu ihren Handykameras greifen lässt. Ab jetzt beobachten alle nur noch durch ihre Smartphones das Geschehen. Und ich kann förmlich das Aufatmen der anderen Mütter hören, ist ihnen schließlich eine kurze Pause gegönnt, in der der Nachwuchs zufriedengestellt ist und seine Fahrt als Feuerwehrmann, Polizist oder Busfahrer genießt.

Jetzt ist aber Kirmes! Juhu! Ach nee, doch nicht.
Ja. Kurz ist sie, die Fahrt. Zweieinhalb Minuten und vier zurückgelassene Euro später drängen mich meine Söhne auch schon weiter. „Wo gehen wir jetzt hin?“ „Mama, nicht stehen bleiben, hier ist es mir zu laut!“ Dabei bleibe ich gar nicht stehen, vielleicht habe ich gerade nur wehmütig dem nostalgischen Karussell mit der schönen Musik hinterher geschaut, bei dem die Pferde sich mit der Stange rhythmisch von oben nach unten bewegen, und das schon in meiner Kindheit immer genau an diesem Platz stand.

„Mamaaaa! Da will ich jetzt drauf!“ „Ich auch!“ Fünf Euro und drei Runden fröhliches Aus-dem-Auto-zu-Mama-Winken später heißt es Tränen trocknen: Einer meiner beiden Feuerwehrmänner wäre so gerne noch weitergefahren.

Jetzt ist aber Kirmes! Juhu! Ach nee, doch nicht.
Und schon schieben wir uns weiter. Zwischen Luftballons und Pommesbuden vorbei zur größten Attraktion: Dem Riesenrad. Darauf hatten Maxi und ich uns schon seit Wochen gefreut. Letztes Jahr noch zu zweit in der Gondel über der Stadt geschwebt, wollte Mini heute nun auch mit. Bis er davor stand und kapierte, worauf er sich da eingelassen hatte. Nun verließ ihn der Mut. Und Maxi heulte vor Enttäuschung. Beinahe hätte ich mit eingestimmt. Aber es war nichts zu machen. Mini wollte das große Ding partout nicht betreten und ich ihn nicht überreden (geschweige denn alleine unten warten lassen). Also joggten wir im Endspurt weiter zum Ausgang. Von da noch mal zum Parkplatz. Nicht ohne lautstarken Protest seitens beider Kinder, der lange Weg zurück wäre absolut unzumutbar, die Beine täten ohnehin schon weh und langweilig wäre das Ganze obendrein auch noch.

Jetzt ist aber Kirmes! Juhu! Ach nee, doch nicht.
Im Auto war dann alles wieder gut. Mini und Maxi konnten sich nur noch an die schönen (also insgesamt fünfeinhalb Minuten) erinnern und Mama hatte endlich Zeit zum Durchatmen.

Morgen werden wir noch einmal auf die Kirmes gehen. Inklusive Papa. Dann können er und Mini meine Tasche halten, während Maxi und ich den beiden aus gefühlten hundert Metern vom Riesenrad aus zuwinken. Dort oben ist es auch gar nicht laut. Und rennen muss Mama da auch nicht. Ach, wie schön ist doch die Kirmes!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Eure Meinungen auf Twitter zu diesem Beitrag: