Kinderkram

Das Schlimmste an dem Alter? Fehlendes Einfühlungsvermögen!

Villa Schaukelpferd-Klassiker


Es geschah heute Morgen auf unserem Parkplatz vor der Haustür. Mini öffnete zum Einsteigen die hintere Autotür, zog sie rückwärts stolpernd auf und trat infolgedessen unsanft, das ganze Gewicht dabei auf seine Füße zentriert, auf meinen Fußrücken. Der Schmerz, der mich durchfuhr war aber nichts zu meiner Wut, die unmittelbar darauf folgte. Am Liebsten hätte ich meinem Sohn aus purem Reflex im Gegenzug auch auf den Fuß getreten. Aber das wäre ja erstens total kindisch und zweitens nicht mal hilfreich gewesen. Zumindest nicht für meinen Dreijährigen. So bahnte sich meine Wut in lauten Flüchen, die der Nachbarschaft das Aufstehen erleichterten, ihren Weg nach Draußen.

Eines (von Vielem) habe ich im Laufe der Zeit mit zwei Kleinkindern gelernt: Auf dem Weg zu einer geduldigen Mutter musst du vor allem eins sein: Geduldig. Meine geblümte Vorstellung, Kinder würden sich schon von der Krabbeldecke aus bei ihren Mitmenschen für etwaige Kollateralschäden (angesabberte Gardinen, vollgekotzte Teppiche, zernagte Bücher) entschuldigen können, musste ich ganz schnell ad acta legen. Ein bisschen Geduld würde ich wohl noch aufbringen müssen.

Vier Jahre später sieht es aber in der Hinsicht leider immer noch nicht besser aus und meine Geduld wird im wahrsten Sinne des Wortes fortwährend auf eine Geduldsprobe gestellt. Die alleinige Tatsache, dass Mini mir auf den Fuß getreten hatte, war nicht der Grund meiner Explosion. Das kann jedem mal passieren. Ich war sauer, weil mein Sohn trotz meines jaulenden Aufschreis völlig unbeirrt ins Auto stieg und sich nicht die Bohne dafür interessierte, dass hinter ihm Jemand schmerzvoll auf der Stelle hüpfte und er für diesen Schmerz auch noch verantwortlich war. Ich bin wütend, dass einfach jedes Mal so weitergemacht wird, als wäre nichts gewesen.

Sein älterer Bruder Maxi steht ihm da übrigens in Nichts nach. Mit seinen viereinhalb Jahren fehlt es ihm immer noch genauso an Einfühlungsvermögen. Ein „Hee, das hat mir weh getan!“ wird schlimmstenfalls noch mit einem entnervten „Jahaaaaa!“ und Augenrollen des betreffenden Kindes kommentiert. Jegliche Versuche, Verständnis zu vermitteln („Wie fändest du das denn, wenn dir Jemand weh tut?“) führen zu Nix, wenn überhaupt zur Eskalation, weil kein Sohnemann Lust auf Diskussionen hat. Und. Das. Nervt. Mich!

Das Schlimmste an dem Alter? Fehlendes Einfühlungsvermögen!
Natürlich ist das wieder so ein Ding, über das ich mich überhaupt nicht aufregen bräuchte, kann ich doch in jeder Fachliteratur nachlesen, dass Kinder in dem Alter noch keine Empathie empfinden können, in ihnen also auch nicht das Bedürfnis aufsteigt, sich im Falle des Falles zu entschuldigen, weil sie sich entwicklungsbedingt gar nicht in ihr Gegenüber hineinversetzen können. Das geschieht durchaus erst ein paar Jahre später, bzw. bedarf einer langen Reifezeit. Aber diese pädagogischen Hinweise sind nur für den Rand meines Bewusstseins eine Hilfestellung.

Ich bin ganz ehrlich: Es fällt mir sehr schwer, fehlendes Mitgefühl, wenig Rücksichtsnahme und den noch vorherrschenden Mangel an Höflichkeit meiner Kinder auszuhalten. Schwerer noch, als Geschmatze beim Essen und ihre Unfähigkeit, mal zwei Minuten warten zu können. Wahrscheinlich ist auch das wieder ein weiterer Aspekt meiner Hochsensibilität. Als eine Frau, die selbst sehr viel Wert darauf legt, sich in andere Menschen einzufühlen, kleinste Gefühlsnuancen des Gegenübers erspürt und einzuordnen versucht, komme ich auch besser mit Menschen zurecht, die ähnlich empathisch reagieren und sich nicht wie die Axt im Walde benehmen. Und da habe ich große Mühe, jedes bollerige Verhalten meiner beiden Jungs einfach altersbedingt hinzunehmen und mit dem Verstand zu überlächeln.

Irgendwann…ja, irgendwann werde ich zurückblicken und darüber lachen können. Im besten Fall kann ich mich an solche Sachen dann gar nicht mehr erinnern, wie das bei so vielen anstrengenden Baby- und Kleinkindphasen im Nachhinein ist („Echt? Die ersten drei Monate mit unserem Sohn waren wirklich so kräftezehrend? Weiß ich schon gar nicht mehr…“). Von dem her besteht Hoffnung. Zumindest, bis mir der Nächste wieder auf den Fuß tritt und mich an die Realität erinnert.

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