Im Dialog

„Ich nehme mir jeden Abend Zeit zum Danken.“ Ein tiefsinniger Liebster-Award

Um eines mal direkt klarzustellen: Ich kann mit Kettenbriefen genauso viel anfangen wie mit Backen oder Nähen: Nämlich gar nichts. Kettenbriefe, WhatsApp-Spiele, Blog-Stöckchen und mit was die Menschheit nicht noch alles derzeit so um sich wirft, sind wirklich nichts für mich, außer die reinste Zeitverschwendung. Ich habe eine Freundin, bei der nicht ein Tag vergeht, an dem sie mir nicht mindestens einen von diesem „Schicke diese Nachricht an mindestens elf weitere Personen oder du wirst die nächsten sieben Jahre Pech haben“-WhatsApp-Quatsch sendet. Wie gesagt, sie ist meine Freundin aus dem realen Leben. Nur deswegen kann ich ihr diese Liebesbekundungen gerade so verzeihen (und die Nachrichten gekonnt ignorieren). Und jetzt erhielt ich für meinen Mama-Blog bei Twitter eine Liebster-Award-Nominierung und mein erster Impuls war: „JUHU!“ Äh. Moment mal. Wie kommt das jetzt?

Wenn du meinen Blog schon länger verfolgst und fleißig mitgerechnet hast (okay, ich musste selbst nachzählen), wirst du wissen, dass es jetzt inzwischen meine zwölfte Nominierung dieser Art ist. Und warum juble ich jetzt bei Blog-Spielchen, noch dazu von fremden Personen aus dem anonymen Internet, die mir nicht mal eine jahrelange Pechsträhne versprechen, wenn ich ihre elf Fragen nicht beantworte?

Die Sache ist klar: Weil es eben kein reiner Kettenbrief ist, der weitergereicht wird, sondern die Idee dahinter steckt, die Person hinter dem jeweiligen Blog näher kennen zu lernen. Die liebe Mo vom Mama-Blog 2kindchaos hat mir elf wahnsinnig tiefgründige und persönliche Fragen gestellt (weshalb der Beitrag auch so lange auf sich warten ließ) und ich beantworte sie ihr aus zwei Gründen sehr, sehr gerne:

1. Ich mag tiefgründige Fragen
2. Ich mag Mo und verfolge sie schon lange bei Twitter :)

Und jetzt geht es auch schon los. Und ja nicht wegklicken, bevor du nicht alles durchgelesen hast, sonst erwartet dich die nächsten sieben Jahre lang Pech (auf den Tag genau)."Ich nehme mir jeden Abend Zeit zum Danken." Ein tiefsinniger Liebster-Award

1. Was macht Dich zum Menschen?

Dass ich mir gute Vorsätze mache und gnadenlos daran scheitere. Dass ich lache, weine, in die Luft springe und dann wieder am Boden liege – manchmal alles hintereinander und anschließend wieder von vorne. Die Liebe meines Mannes und meiner Familie. Die pure Lust, am Leben zu sein. Im Ernst, ich bin gerne Mensch!

2. Wenn Du träumen könntest: Wie sieht Dein Leben in 10 Jahren aus?

Ich lebe mit meiner Familie ganz nah am Meer, blogge über hochsensible Mütter und den alltäglichen Eiertanz mit Teenagern und sammle den Rest des Tages Muscheln.

3. Wofür bist Du dankbar?

Wenn wir gefragt werden, wofür wir dankbar sind, denken wir zuerst an die schönen Dinge im Leben. Kinder, Ehe, Job, vielleicht Gesundheit, eben alles, was gut läuft. Echter Frieden kann aber nur in uns entstehen, wenn wir lernen, auch für dunkle Stunden, negative Gefühle oder traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit Dankbarkeit zu entwickeln. Ohne sie stünde ich nicht da, wo ich heute stehe. Ich bin dankbar, dass ich gelernt habe, zu verzeihen. Fremden Menschen, nahe stehenden Familienangehörigen und auch mir selbst. Denn nur, indem ich allen beteiligten Menschen, mir inklusive, verzeihe, kann ich auch für die scheinbar negativen Bereiche meines Lebens Dankbarkeit empfinden.

"Ich nehme mir jeden Abend Zeit zum Danken." Ein tiefsinniger Liebster-AwardEs geht nicht darum, schlimme Erfahrungen schön zu reden, sondern einer höheren Macht (für mich ist das Gott) zuzugestehen, dass man darauf vertraut, im Leben aus einem höheren Sinn und in besten Absichten, in bedingungsloser Liebe, geführt zu werden. Auch, wenn wir den Sinn (und manchmal auch die Liebe dahinter) aus unserer Sicht nicht immer sofort erkennen können.

Echte Vergebung bringt uns unsere eigene innere Freiheit zurück. Und ist Freiheit nicht das höchste Gut unseres Daseins?

Ich bin dankbar für die Blumen im Garten, für den Film, der heute Abend im Fernsehen läuft und für den Mann auf dem Sofa, mit dem ich nicht nur den Fernsehabend, sondern auch mein Leben teilen darf. Ich bin dankbar, Mutter von zwei liebenswerten Jungen sein zu dürfen und genauso dankbar, die unguten Gefühle des Mutterseins aussprechen und auf meinem Blog mit anderen hochsensiblen Müttern teilen zu können.

Ich versuche, mir jeden Abend Zeit zum Danken zu nehmen. Wofür bin ich heute dankbar? Dass ich beim Kinderarzt nur zehn Minuten warten musste? Für das schöne Telefonat mit meiner Schwester? Dass meine Mutter spontan die Kinder für zwei Stündchen genommen hat? Je mehr ich danke, desto glücklicher bin ich. Und umso freier.

4. Wobei steht die Zeit für Dich still?

Grundsätzlich bei allem, wo ich mit vollem Herzen dabei bin. Lesen, Dekorieren, Bloggen. Und dennoch gucke ich selbst dann immer mal wieder auf die Uhr. So richtig abschalten und die Zeit vergessen kann ich glaube ich nur am Meer. Die nackten Füße im Sand, den Blick aufs Wasser gerichtet….hier muss man mich schon wegtragen, wenn man etwas anderes mit mir machen will."Ich nehme mir jeden Abend Zeit zum Danken." Ein tiefsinniger Liebster-Award

5. Was tut Dir gut?

Mir tat und tut es immer schon gut, Zeit mit mir alleine zu verbringen. Seit ich Kinder habe, spüre ich das wesentlich deutlicher als vorher, aber nun ist die Umsetzung viel schwieriger. Stille tut mir gut, schöne Musik, leckeres Essen von glücklichen Tieren, Meditation, liebe Menschen um mich herum (wenn ich gerade nicht alleine sein will).

Aber genauso erfüllt es mich, Anderen etwas Gutes zu tun. Zuhören, älteren Menschen die Tür aufhalten oder im Café anonym für einen Unbekannten den Kaffee zu bezahlen. All das sind Glücksmomente, die auch mir gut tun.

6. Worauf freust Du Dich im Frühling?

Seitdem ich gelernt habe, mich dem natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten hinzugeben und ihre Botschaft zu verinnerlichen (Wachsen und „Aufblühen“ im Frühling, das Leben genießen im Sommer, zur Ruhe kommen im Herbst und die stillen Stunden genießen im Winter) mag ich jede von ihnen gleich gern. Ich glaube, Körper und Seele brauchen gleichermaßen diesen Kreislauf, weil das Leben eben Bewegung und nie Stillstand ist.

"Ich nehme mir jeden Abend Zeit zum Danken." Ein tiefsinniger Liebster-AwardDennoch freue ich mich jetzt nach den langen, dunklen Monaten sehr auf den Frühling! Farbe an den Bäumen, Vogelgezwitscher im Garten, die typische „Frühlingsluft“, aber vor allem Rausgehen, Rausgehen, Rausgehen! Ich kann es kaum erwarten, wieder länger als dreißig Minuten und ohne Regen- oder Winterjacke mit den Kindern im Wald oder auf dem Spielplatz zu verbringen.

7. Was wäre der ideale Job für Dich? („Job“ umfasst dabei alles: von Nichtstun in der Hängematte über Ehrenämter, Familienzeit und Nebenjob bis hin zu US-Präsidentin.)

Nichtstun in der Hängematte klingt verlockend, wäre aber selbst mir glaube ich auf Dauer zu langweilig. Mein idealer Job müsste sehr „sinn-voll“ sein, aber nicht überfordernd. Bloggen zum Beispiel erlebe ich als sehr Sinnerfüllend, aber es wäre für mich nie eine Option, das beruflich auszuüben. Dem Druck, ständig perfekte Texte abliefern zu müssen, die die Leserschaft inspiriert, wäre ich garantiert nicht gewachsen und darunter litten dann auch die Beiträge.

Der ideale Job hat für mich etwas mit Menschen zu tun und damit, sie auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Lange Zeit dachte ich, Heilpraktikerin wäre der perfekte Beruf für mich, aber erst im zweiten Ausbildungs-Anlauf nach der Geburt meines ersten Sohnes, wurde ich mir der Verantwortung bewusst, die ein Arzt oder Heilpraktiker trägt. Eine Verantwortung, die im Zweifelsfall Leben retten muss und mir damit zu hoch ist. Ich habe aber bereits neue Perspektiven für mich gesichtet, über die zu sprechen es aber heute definitiv noch zu früh wäre. Derzeit stehen erst einmal meine Kinder im Vordergrund, womit wir direkt zur nächsten Frage überleiten können.

8. Wenn Du frei wählen könntest, finanziell unabhängig: Bei welchem Modell hättest Du ein gutes Beruf-Familie-Balance-Gefühl? (Kann natürlich auch Fulltimejob oder Vollzeit-Mama bedeuten!)

Wie gesagt, steht das Mamasein gerade bei mir im Fokus. Mein Ältester besucht seit Anfang des Jahres den Kindergarten nicht mehr und ich betreue ihn zuhause. Ich wachse sehr an meiner Aufgabe (noch vor wenigen Monaten wäre diese Situation undenkbar gewesen!), aber ich bleibe nach wie vor dabei, dass sie nie mein erstrebtes Modell wäre, das mich zutiefst erfüllt.

"Ich nehme mir jeden Abend Zeit zum Danken." Ein tiefsinniger Liebster-AwardIch brauche nach wie vor viel Zeit für mich und den Austausch mit anderen Erwachsenen, um den Kindern eine (noch) entspannte(re) Mutter sein zu können. Zumindest in ihren jungen Lebensjahren bringen mich die ständige Einforderung nach Aufmerksamkeit und ihr „Kinderquatsch“ sehr an meine Grenzen.

9. Deine beste Mama-Version unterhält sich mit Deiner fiesesten Mama-Version. Was sagen sie?

Beste Mama-Version: „Sieh nur, was es bedeutet, Mutter zu sein!“ Fieseste Mama-Version: „Sieh nur, was es bedeutet, Mutter zu sein!“
Sie sagen beide dasselbe. Die eine himmelhoch jauchzend, die andere zu Tode betrübt.

10. Dein Leben als Film. Wie heißt er, und wo läuft er?

Die Monster AG – (Über-)Leben in den eigenen Vier Wänden

11. Wofür brennst Du?

Für mein Leben und die Verwirklichung meiner Träume. Diesen Ratschlag möchte ich auch gerne meinen Kindern mit auf den Weg geben.

2 Gedanken zu „„Ich nehme mir jeden Abend Zeit zum Danken.“ Ein tiefsinniger Liebster-Award“

  1. Mo Zart sagt:

    Danke, Du Liebe!
    Wie inspirierend. Im Kinder Schmerzzentrum damals haben wir auch so eine Art Reflexion über die guten Dinge des Tages gemacht. Wollten wir eigentlich beibehalten. Für die Herausforderungen dankbar zu sein: Wow. Großen Respekt!

    Welches Job-Modell (wie viel Job, wie viel Freizeit, vielleicht auch wie verteilt, Wer arbeitet wann usw.) wäre denn unabhängig von der inhaltlichen Tätigkeit gut für Dich?

    Tolle Idee mit dem Kaffee ❤

    Danke fürs Mitmachen!
    Liebe Grüße
    Mo

    1. Christine sagt:

      Liebe zarte Mo :)

      Ach so, hatte ich die Frage nicht komplett beantwortet? Also dann:
      Ich glaube tatsächlich, dass der Schwerpunkt auf Job/eigene Zeit für mich läge und eher ein kleinerer Teil des Tages auf der Kinderbetreuung. Allerdings ist das Stand von heute. Ich hoffe immer noch, dass sich das drehen wird, wenn die Kinder größer sind und ich mehr mit ihnen anfangen (im Sinne von sinnvollen Beschäftigungen nachgehen) kann.

      Die Idee mit dem Kaffee kann ich jedem nur empfehlen, mal selbst auszuprobieren :)

      Ja, mir hat es auch viel Spaß gemacht, danke für’s Nominieren und deine wunderschönen Fragen!
      Lieben Gruß
      Christine

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