Im Dialog

In Neuseeland als Christkind den Müll trennen

Der „Liebster Award“ hat mal wieder zugeschlagen. Ich glaube es ist inzwischen das 6. Mal, dass ich diese Auszeichnung entgegennehmen darf. Deshalb freute ich mich riesig, als mich Anni von „Einer schreit immer“ dafür nominierte. Da es nicht explizit Fragen zum Beantworten gab (als Zwillingsmutter hat man nu auch genug um die Ohren) und ich mir auch nicht selbst die erforderlichen 11 Fragen stellen wollte (meine Selbstverliebtheit lebe ich an anderer Stelle aus), kam ich kurzerhand auf die Idee, mich umzuhören, ob nicht wer anders Lust hätte, sich die ein oder andere Frage auszudenken, auf die ich mich dann stürzen könnte. Et voilà: Tatsächlich gibt es Menschen, die für so einen Quatsch Zeit haben, ohne etwas dafür zurück zu bekommen.

Die ersten drei Fragen stammen von Mama Eva. Vielen Dank noch mal für deine Mithilfe!

Wenn du wählen könntest – wo möchtest du gern leben?

Da wo ich wohne, ist es schon sehr schön. Ländlich genug, um nicht im Großstadtmief leben zu müssen, aber noch so städtisch gelegen, dass es (zumindest Einwohnerzahlenmäßig) nicht mehr Schafe als Menschen gibt. In meinem jugendlichen Leichtsinn wollte ich mal nach Neuseeland auswandern. Ich kaufte mir Bildbände vom Outback sowie die gesamte Harry Potter-Serie auf Englisch, um mich sprachlich schon mal fit zu machen und auf der Insel nicht mit meinem dürftigen Schulenglisch herumhampeln zu müssen (wobei ich mich jetzt im Nachhinein frage, ob mich Zaubersprüche und Geschichten aus Hogwarts ernsthaft weitergebracht hätten).

Nunja, nachdem ich dann mit meinem Mann zusammenkam, hinterfragte ich recht schnell das Thema Auswandern, denn er bestand nicht unbedingt auf eine Zweitkarriere als Schafezüchter. Den letzten Rest gaben mir etliche Folgen „Goodbye Deutschland“, wo naive enthusiastische Deutsche ohne Sprach- und Kulturkenntnisse ins Land ihrer Träume auswandern, nur um ebenso schnell auf den Boden der Tatsachen zu knallen. Ich bin froh, dass ich meine eigene Sprache ganz gut beherrsche. Aber wenn ich schon an meiner deutschen Steuererklärung verzweifle, will ich mich erst recht nicht mit Behördenkram und abstrusen Gesetzen vom anderen Ende der Welt auseinandersetzen müssen.

Was wäre dein Traumberuf, sofern du ihn nicht schon hast?

Ich arbeite ja dran. Auch, wenn momentan leider viel zu oft die Zeit zum Lernen fehlt, möchte ich in naher Zukunft staatlich anerkannte Heilpraktikerin sein. Ansonsten wäre ich wohl Walforscherin an den Küsten Neuseelands geworden. Oder Pferdeflüsterin in Montana.

Hättest du etwas Entscheidendes im Leben gern anders gemacht?

Da ich der festen Überzeugung bin, dass alles im Leben seinen Sinn hat, grüble ich gar nicht so sehr über vermeintlich verpasste Chancen und andere Katastrophen nach. Klar, nach der Geburt von Maxi wäre wahrscheinlich „Hätte ich lieber verhütet“ eine verständliche Antwort gewesen. Aber selbst in meinen dunkelsten Stunden hielt ich immer an dem Glauben fest, dass alles schon seine Richtigkeit haben wird. Dass das Leben uns soviel Schicksalsschläge mitgibt, wie es uns zutraut, dass wir damit umgehen können. Nur muss Jeder selbst lernen, daraus (s)einen Sinn zu finden.

Das wollte meine Freundin Katja gerne von mir wissen:

Was an deinem Körper magst du am Meisten und was am Wenigsten?

Es gab Zeiten, da mochte ich Vieles nicht an mir. Meine Ohren. Mein Bauch. Meine Brüste. Irgendwas hat Frau ja immer zu meckern. Aber irgendwann kam bei mir mal der Wendepunkt, mich mehr auf das zu konzentrieren, was mir gut an mir gefällt (meine Hände, meine Augen, meine Nase, meine Beine, meine Haare, …). Gähnst du schon? Klingt ein Zuviel des Sich-selber-Mögens nicht fast schon eingebildet? Sicherlich ein schmaler Grat in unserer westlichen Gesellschaft. Ich mag mich jedenfalls nun so wie ich bin. Schönheitsoperationen kommen für mich eh nicht infrage. Und ob mich andere Ohren oder mehr Busen glücklicher machen würden, wage ich eh zu bezweifeln. Zumindest wäre ich mit Korrekturen jeglicher Art nicht mehr ich selbst. Und das wäre doch wohl der größte Verlust von Allem.

Was ist für dich typisch deutsch?

Lederhosen. Sauerkraut. Oktoberfest. Pünktlichkeit. Pingelige Bürokratie. Miesepetrigkeit. Latente Unlust am Arbeiten. 16 Bundesländer mit ebenso vielen Mülltrennungssystemen. Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.

In Neuseeland als Christkind den Müll trennenWorauf freust du dich jetzt schon, was du mit höherem Alter deiner Kinder tun kannst?

Am Wochenende ausschlafen, während die Kinder Brötchen holen. Dekorieren, ohne, dass man ständig Angst haben muss, dass die Deko heruntergerissen oder gegessen wird. Weihnachten Christkind spielen.

Was würdest du gerne gemeinsam mit deinen Kindern machen, wenn sie älter sind?

Plätzchen in der Weihnachtszeit backen. Brettspiel-Nachmittage veranstalten, während es draußen regnet. In den Zirkus gehen. Harry Potter vorlesen. Die Hobbies und Talente meiner Jungs entdecken.

Auch mein Mann hat sich ein paar Gedanken gemacht, wofür ich ihm (aufgrund seines aktuellen Zeitmangels) sehr dankbar bin! Folgende Fragen stammen von ihm:

Welches Gericht ist aktuell deine Leibspeise?

Aktuell müsste ich aus der Not heraus „Alles, was nichts mit Nudeln oder Möhrendurcheinander zu tun hat“ antworten, denn das kommt meinem Mann und mir schon zu den Ohren raus. Trotzdem liebe ich weiterhin Spaghetti Bolognese und alles was mit Garnelen, Fisch und Meeresfrüchten zu tun hat (Nein, Fischstäbchen gelten nicht!).

Was war dein schönster Moment mit deinen Kindern?

Schon mal vorweg: Die Geburt war es nicht! Ich glaube, es gab gar nicht den Moment. Sicherlich war es ein Riesenereignis für mich, als mein Ältester das erste Mal nach zweieinhalb Jahren nach „Mama“ gerufen hat (und es seitdem –juhu!- regelmäßig tut). Die schönsten Momente mit beiden Kindern sind aber definitiv die, wenn die Zwei beim Spazierengehen miteinander Händchen halten und ihren Spaß auf der Rückbank im Auto haben. Oder wenn Beide herzhaft lachen und sich ganz wohl fühlen in ihrer Haut. So wie letztens am Abendbrottisch, als wir alle nur noch gelacht haben und Keiner mehr wusste, warum überhaupt.

Welcher Film ist dein Lieblingskinofilm (gesehen im Kino) und warum?

Ich kann auf jeden Fall schon mal sagen, welche Filme ich nicht gut im Kino sehen kann: Horrorfilme. Laute Actionfilme. Filme, deren Handlung so komplex ist, dass ich ständig nachfragen muss, um weiter mitzukommen, da für mich im Kinosaal ja Niemand den Streifen anhält. Was die Bandbreite schon stark einschränkt. Jetzt muss ich auch noch mein Hirn ankurbeln und überlegen, in welchem Film ich so im Kino war. Das letzte Mal ist schon 9 Monate her (gut, dass ich es im Mama Blog notiert habe). Und der Film war schon richtig gut zu sehen. „The Wolf Of The Wall Street“. Als wir uns vor ein paar Wochen die DVD ausliehen, kam die Stimmung gar nicht mehr so rüber (könnte auch an unserem Fernseher liegen…). Vor allem nicht die Szene mit der Yacht im Sturm, über die ich mich im Kino gar nicht mehr eingekriegt hab vor Lachen. Hier zuhause war es gar nicht mehr so lustig.

Multitasking? Ja oder nein?

Scherzfrage, Herr Ehemann? Du weißt genauso gut wie ich eigentlich noch besser, dass ich nicht mehrere Dinge gleichzeitig erledigen kann. Autofahren und Reden zum Beispiel. Brote schmieren und zuhören. Denken und Handeln funktioniert bei mir in der Regel nur nacheinander. Aber was ich früher als Manko sah, bekommt für mich unter dem Decknamen „Achtsamkeit“ einen neuen, erstrebenswerten Zustand. Auch, wenn Multitasking im ersten Moment nach optimalem Zeitmanagement klingt, ist es doch eigentlich viel schöner, jeder Sache die 100%ige Aufmerksamkeit zu schenken. Und das kann man meiner Meinung nach eben nur nacheinander. Oder hast du während des Durchlesens dieses Artikels noch die Wäsche aufgehangen, TV geguckt und dem Postboten die Tür geöffnet?

Vielen Dank also noch einmal euch Dreien für eure liebevolle Unterstützung. Es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht, aus all den Fragen die 11 Interessantesten herauszusuchen und meinen Senf dazu zu geben.
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