Gesellschaft

Wenn der Spielplatz zum Konfliktplatz wird

Villa Schaukelpferd-Klassiker

Eines vorweg: Ich gehe gerne mit meinen Kindern auf den Spielplatz. Rutschen, Schaukeln und im Sandkasten nach Kippen Zutaten für den selbstgebackenen Sandkuchen graben, finden meine Kinder so schön und spannend, dass ich ihnen gerne die Freude mache, den Ort der Begierde aufzusuchen. Ich verlasse einen Spielplatz aber auch genauso gerne wieder. Nämlich dann, wenn andere Mütter mit ihrem Nachwuchs dazukommen. Das klingt sowohl kinder- als auch elternfeindlich, aber eigentlich habe ich einfach nur keine Lust auf Konflikte.

„Woher hast du den Zwieback? Ich will auch so einen!“ Der kleine Junge bekam selbst über die Entfernung von einem halben Kilometer Sand zwischen seinen und Minis Füßen Adleraugen und war schneller bei meinem Zweijährigen, als der wiederum Zeit hatte, sich das krümelige Gebäck in den Mund zu stecken. Ein Blick zu mir und schon klebte das fremde Kind an meinen Fersen, während seine Augen den Inhalt meiner Tupperdose checkten.

Wenn der Spielplatz zum Konfliktplatz wirdOrtswechsel.
„Mama, darf ich mit der Harke spielen?“ Der kleine Sandkasten auf dem Bauernhof beinhaltete neben einer Babyrutsche aus Plastik auch mehrere Sandspielzeuge und einen kleinen Jungen mit Schnuller im Mund, der emsig mit einer Schippe die braunen Körner in einen Eimer schaufelte. Etwa dreißig Spielzeuge neben ihm blieben unangetastet und sich selbst überlassen. Auf Maxis Bitte hin blickte ich fragend zur Bank gegenüber, auf der die Oma des kleinen Jungen saß und das Geschehen akribisch beobachtete. Ob Maxi sich mal die Harke leihen dürfte?

„Also uns gehören der gelbe Eimer, die zwei Förmchen da drüben, die grüne Schaufel hier vorne, das Sieb, auf dem gerade eine Ameise läuft, das Quietsche-Entchen neben der Rutsche, das Auto da neben dem pinken Eimer und die Schaufel, die Theo in der Hand hält“, schoss es aus ihr heraus in einem Tonfall, der keine Diskussionen zuließ. „Und das Förmchen hier!“ platzte Theo unmittelbar zwischen Zähnen und Nuckel hervor. Das war mal eine Ansage! Hoffentlich hatte Maxi sich jetzt alles behalten; mir für meinen Fall stand nur der Mund offen.

Wenn der Spielplatz zum Konfliktplatz wirdNoch ein Ortswechsel.
„Ich will auch auf den blauen Trecker!“ Der kleine Junge lag schon von weitem lautstark heulend seiner Mutter im Ohr. Natürlich ging es um das Spielgerät, auf dem meine beiden Jungs gerade friedlich saßen. Neben besagtem blauen Trecker standen noch einer in Rot und ein Gefährt in Grün. Beide unbesetzt. „Ooooch, hier sind doch noch zwei andere Trecker, Schatz! Schau mal, nimm doch den Grünen hier, der ist doch schön!“

„Nein! Ich. will. jetzt. auf. den. Blauen! Hallo, ich will da jetzt auch drauf! Ich will hier draaaaahauuuuf! Jetzt sofort!!“ Er rüttelte vom Boden aus an den Pedalen und piekste Maxi leicht mit einem Stock in den Rücken. Unnötig zu erwähnen, dass sich die Mutter des Jungen lieber in wichtige Gespräche mit ihrer Freundin flüchtete, statt sich um ihre Nervensäge ihren Sohn zu scheren, wie er anderen Kindern (und zunehmend mir!) auf die Nerven ging.

Okay, ich habe es verstanden. Jede Mutter, jeder Vater, jede Oma, jeder Opa, jeder Hinzundkunz hat verschiedene Ansichten von Erziehung. Der Eine mag teilen, der Andere nicht. Die einen Kinder bekommen immer alles was sie wollen, die anderen nicht. Den einen Eltern ist es egal, was um sie herum passiert, die anderen wachen mit Adleraugen über ihren Schützlingen. Das ist völlig in Ordnung. Solange ich mich damit nicht ständig auseinandersetzen muss. Ich bin schon froh, dass ich halbwegs mit meinen eigenen Regeln klar komme, jetzt werde ich andauernd mit konträren Verhaltensweisen und Erziehungsstilen konfrontiert. Ein Zustand, den ich, neben dem ganzen Stress zuhause, nur ungern auch am Ort der (vermeintlichen) Erholung ertrage.

Wenn der Spielplatz zum Konfliktplatz wirdAlso meide ich von Haus aus schon Spielplätze an sonnigen Nachmittagen und kindergartenfreien Feiertagen und gehe stattdessen mit den Kindern lieber tief in den Wald, auf der Suche nach spannenden Stöcken und Baumstämmen zum Herumkraxeln. Schont Nerven und Tupperdosen vor fremden Übergriffen. Natürlich gibt es auch schöne Momente mit anderen Eltern auf dem Spielplatz. Aber leider trifft man Gleichgesinnte nicht sehr oft. Wahrscheinlich sind die auch immer im Wald unterwegs.

„Oh, Theo, es fängt an zu regnen. Komm schnell mit, wir stellen uns da in der Scheune unter! Oma packt nur schnell noch unser Spielzeug ein.“ Der kleine Regenschauer, der Theos Oma mit einem Satz von der Bank aufspringen ließ, zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht. Nicht nur, dass ich mit einem Schlag sämtliche Über-Omas und Unter-Mütter los war, endlich wusste Maxi auch, mit welcher herrenlosen Harke er nun spielen durfte.

(Mit meinem Beitrag nehme ich an der Blogparade von Lara’s Blog „Dreamingtoday“ teil.)

10 Gedanken zu „Wenn der Spielplatz zum Konfliktplatz wird“

  1. Marianne sagt:

    Hallo Christine,

    du zauberst mir auch gerade ein Lächeln auf das Gesicht! ;)
    Uiuiuiui……..
    Thema Essen von anderen: Da bin ich knallhart. :) Wenn mein Sohn was von einem anderen Kind will, dann frage ich die Mutter, sofern ich sie kenne. Wenn es Fremde sind, bekommt er nur das, was ich dabei habe oder gar nix. Wenn ein fremdes Kind was will, muss der wohl oder übel ein Nein akzeptieren, ich verweise dann auf dessen Mutter. Im schlimmsten Fall wird ignoriert.
    Thema Spielzeug von anderen: Auf den Spielplätzen, wo ich bin, liegt meist soooo viel Spielzeug rum. Das kann man meist nicht zuordnen und ich hab da auch keine Lust bei allen Mütterm nachzufragen. Wenn jemand sein Spielzeug wieder haben will, holt er es zurück und ich geb es anstandslos, gerne auch mit Entschuldigung, wieder ab. Genauso ist es mit dem eigenen Spielzeug, solange ich noch weiß, wo es sich befindet. Fragen und Bitte sagen gehört natürlich bei größeren Kindern zum guten Benehmen dazu, aber das geht nur, wenn man den Überblick behält.
    (Letztens sah ich eine junge Mutter, die für das Spielzeug ihres Sohnes wohl einen Laster angemietet hat. Der kleine Junge spielte nur mit dem Ball, der Rest wirkte etwas verloren und wurde mit Adleraugen bewacht.)
    Wenn ein Kind meinen Sohn ärgert und die Mutter dazu nichts sagt, sage ich aber sehr wohl etwas. Ich weiß wohl, dass Kinder manchmal ihre Konflikte selbst lösen müssen, aber Situationen, z.B. mit einem Stock ärgern, gehören definitiv nicht dazu.

    Hach… Menschen gibt’s…
    Ich meide übrigens manchmal Spielplätze, weil ich dann am Abend INMER eine Hand voll Sand in der Windel finde…. ;(
    LG Marianne

    1. Christine sagt:

      Liebe Marianne,

      schön, dass bei euren Spielpätzen anscheinend eine stumme Übereinkunft darüber herrscht, was das herumliegende Spielzug betrifft. Dass Mütter ihr Spielzeug mit Adleraugen bewachen, kann ich in sofern nachvollziehen, als dass meine Schwiegermutter auch schon des Öfteren ihre eigenen Förmchen bei fremden Müttern zurück“erbetteln“ musste, weil diese das Spielzeug einfach eingesteckt hatten. Das muss dann ja wirklich nicht sein.
      Das mit dem Sand in den Windeln kenne ich auch noch gut. Inzwischen haben die feinporigen Körner ihren Lieblingsplatz in den Turnschuhen der Kinder gefunden :)
      Lieben Gruß
      Christine

  2. Rosalie sagt:

    Komisch ist ja schon, dass man auf Spielplätzen kaum Eltern trifft, mit denen man kann. Geht mir jedenfalls so, obwohl ich so eine gute Freundin kennen gelernt hab. Die hat auch das Vermögen aufm Spielplatz ganz schnell Kontakte zu knüpfen. Ich kann sowas ja nicht.
    Wir gehen auch eher auf Plätze, wo sich schon richtig Große rumtreiben. Das interessiert meine Damen zum einen mehr und zum Anderen kann man den Großen auch besser deutliche Ansagen machen. Die verstehen sie schon. Generell bin ich aber auch jemand, der andere Kindern auf den Spielplätzen anschnauzt, wenn was wirklich nicht geht. Meist lass ich aber die Kids das selber regeln, denn die Große haut gerne und die Kleine beisst, wenn man ihnen was wegnimmt.Und beide schupsen auch unbeirrt zurück, wenn sie irgendwo verdrängt werden. Wer sich in Gefahr begibt…

    1. Christine sagt:

      Ich bin ehrlich gesagt nicht der Typ Mutter, der andere Kinder gerne maßregelt, obwohl ich auch gestern erst wieder für meine Jungs einstehen musste. Aber ich kann mir Schöneres vorstellen…
      Super, dass deine Kinder sich auch trauen, sich zu wehren. Dazu sind meine vielleicht noch zu klein oder zu unerfahren, was das Spielen und Streiten mit anderen Mädchen und Jungs angeht.
      Liebe Grüße

  3. Anna sagt:

    Oh, der Artikel kommt gerade zur rechten Zeit. Ich hatte erst vorletzte Woche ein Erlebnis auf dem Spielplatz, über das ich mich geärgert habe.

    Neben der Kita meiner Tochter ist ein Spielplatz, den wir ab und zu besuchen, nachdem ich sie abgeholt habe. Dort gibt es eine Seilbahn, die immer gut besucht ist. Es ist Usus, dass die Kinder die dort anstehen sich immer abwehcseln. Da meine Tochter ja erst 3 ist und es noch nicht ganz allein auf die Seilbahn schafft, stehen wir Eltern bei den kleineren Kindern mit an.

    Ich und die Mama der Kindergartenfreundin von meiner Tochter standen dort also mit unseren Mäusen an. Hinter uns drei größere Mädchen, deren Mutter ein Stück entfernt auf einer Bank saß. Nachdem unsere Kinder dran waren, haben sie brav die Seilbahn an die größeren Mädchen übergeben und sich wieder hinten angestellt.

    Nun meinte eines dieser Mädchen, sie müsste nicht abwechseln, nachdem sie dran war. Immer und immer wieder ist sie mit der Seilbahn zurückgekommen und kurz bevor es wieder ganz zum Anfang geht, hat sie sich wieder drauf gesetzt und ist noch einmal gefahren. Und zwar mit voller Absicht – obwohl sie gesehen hat, dass unsere Kinder wieder anstehen. ich habe dann zwei – drei Mal demonstrativ zu ihrer Mutter hingeschaut, die aber nicht reagierte. Also bin ich kurzerhand dem großen Mädchen hinterher und habe ihr deutlich gesagt, dass noch andere Kinder anstehen und hier abgewechselt wird und ihr die Seilbahn aus der Hand genommen.

    Ohhh, da stand die Mutter plötzlich von ihrer Bank auf und wollte wissen, warum ich ihrer Tochter einfach die Seilbahn aus der Hand reiße…nun hatte ich ja mit den anderen Müttern genug Unterstützung…aber ich war ehrlich gesagt entsetzt, wie gleichgültig da manche Mütter sind und kann darüber nur den Kopf schütteln…

    Das ist der Grund, warum ich Spielplätze auch nicht besonders mag…

    1. Christine sagt:

      Liebe Anna,

      früher dachte ich immer, der Spielplatz ist ein Ort, an dem Kinder sich austoben, Freundschaften schließen oder im Sandkasten friedlich Rosinenkuchen backen können. Inzwischen erkenne ich immer mehr, dass es ein Kampfplatz für die Mütter drumherum ist und das finde ich auch echt deprimierend.
      Ich drücke dir die Daumen, dass ihr beim nächsten Mal nicht so ein Dilemma an der Seilbahn vorfindet.
      Liebe Grüße

  4. Bärchenmama sagt:

    Hallo,
    meine Tochter ist nun 13 Monate alt und wir treiben uns auch öfter auf Spielplätzen rum. Am liebsten im Tierpark um die Ecke, wir haben eine Jahreskarte und die haben dort eine riesige Sandkiste auf dem Spielplatz, in der immer ganz viel Sandspielzeug liegt, welches dem Tierpark gehört. Die Lütte sitzt nun im Sand und buddelt fröhlich rum, da kommt ein Kind und nimmt ihr die Schaufel weg. Okay. Sie nimmt sich eine Harke. Zack, wieder weg. Ein Förmchen. Und wieder weg. Ich gucke das Kind an, sage ganz lieb, dass meine Tochter auch gerne mit etwas spielen möchte, es ist doch genug für alle da. Kind heult laut auf, rennt zur Mutter, böse Blicke von allen Seiten. Mutter guckt mich an und sagt sehr laut: „Nicht weinen Schatz, manche Leute haben kein Benehmen.“ Ich (ebenso laut): „Und manche Kinder keine Erziehung!“ Sie dampft beleidigt ab, eine Oma grinst mich an und nickt. Und meine Tochter spielt in alle Ruhe weiter. Und ja, ich war die einzige, die mitten im Sand hockte und mitspielte. Ich versteh manche Eltern einfach nicht, aber das muss ich auch nicht! :-)

    1. Christine sagt:

      Hey,
      du bist aber schlagfertig! ;-)
      Und ich finde es toll, dass der Tierpark das Spielzeug stellt. So muss man nicht noch den ganzen Kram mit in den Zoo schleppen. Meist ist fremdes Spielzeug ja sowieso viel spannender als das Eigene…
      Liebe Grüße

  5. Lara sagt:

    Dein Text passt sehr gut in meine Blogparade, ich habe ihn gleich aufgenommen in die Liste. :)

    Ich verstehe dich gut. Genau deine Beschreibungen sind DER störende Punkt an Spielplätzen. Ich habe das Gefühl man tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Fragt man nicht, ist das Kind sauer, dass seine Schaufel genommen wurde oder Mutter, Vater, Hund beschwert sich. Wenn niemand in der Nähe ist und kein Besitzer in Sicht, spielen wir einfach mit den Sachen. Trotzdem fühlt es sich dann manchmal an, als ob man etwas Verbotenes tut…

    Ich mag die Abwechslung, Spielplatz und Wald, es ist gut, dass es beides gibt. :)

    Liebe Grüße,
    Lara

    1. Christine sagt:

      Liebe Lara,

      freut mich, dass mein Beitrag deine Blogparade bereichern konnte! Mit den Jahren bin ich schon etwas ruhiger (oder sollte ich sagen: abgehärteter?) geworden, was meine Sicht auf Spielplätze betrifft; ich gehe inzwischen sogar gerne hin, auch auf Überfüllte ;-)
      Trotzdem freue ich mich immer, je weniger los ist – oder (an Feiertagen) gleich Wald. Daran hat sich nichts geändert.

      Deine Sammlung an Spielplatz-Beiträgen ist ja schon groß! Die werde ich heute Abend in aller Ruhe mal durchstöbern – allein auf der Couch, mit meiner eigenen Harke :)

      Liebe Grüße
      Christine

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