Gesellschaft

Petition unterschreiben, trotz schlechter Erfahrung mit Hebamme?


Nach aktuellem Stand gibt es bald keine freiberuflichen Hebammen mehr. Politiker und Versicherungen treiben einen ganzen Berufsstand nicht nur an den Rand der Verzweiflung, sondern gar an den Rand seiner Existenz. Im Internet kann Jeder eine virtuelle Unterschrift abgeben, um ein Zeichen zu setzen und auf die Wichtigkeit des Hebammen-Berufs aufmerksam zu machen. Aber was ist, wenn man während und nach der Schwangerschaft keine fürsorgliche Hebamme zur Unterstützung hatte? Wenn man in der Geburtshelferin nicht viel mehr sehen konnte, als eine Frau, die ihren Job mehr als lästige Pflicht, denn erfüllte Leidenschaft betrachtet? Soll man in diesem Fall auch unterschreiben?

Meine Hebamme lernte ich in dem Geburtshaus kennen, in dem ich entbinden wollte. Eine rüstige Rentnerin, die mit ihrer Tochter, ebenfalls Hebamme, den Laden schmiss. Nachdem mein Mann und ich ein paar Tage zuvor einen Rundgang auf der Entbindungsstation des städtischen Krankenhauses mitgemacht hatten, war uns klar, dass wir nicht in einer klinischen Atmosphäre unser Baby zur Welt bringen wollten. Frau H. empfing uns routiniert, aber herzlich in ihren Räumlichkeiten und zeigte uns nach einer Tasse Kaffee das Geburtshaus. Bett, Badewanne, Gebärsessel. Alles war vorhanden. Nebenan befanden sich die Räume, in denen Geburtsvorbereitungskurse und die Rückbildungsgymnastik stattfanden. Es machte einen –zugegeben- etwas altbackenen, aber liebevoll eingerichteten Eindruck. „Hier wird mit Herz und Leidenschaft gearbeitet“ war mein erster Gedanke und nach kurzer Überlegungszeit entschieden mein Mann und ich, dass die Geburt von Maxi dort stattfinden sollte. Inklusive Geburtsvorbereitungs- und Still-/Wickelkurs.

Für die Vorsorgeuntersuchungen ging ich erst einmal weiterhin zu meinem Gynäkologen. Ab und zu wollte mich die Hebamme sehen, war aber immer in Eile, weil ein anderer Patient, ein Hausbesuch oder der abendliche Hechelkurs anstand. Die Begegnungen mit Frau H. waren nett, aber doch etwas unpersönlich. Mehrmaliges Nachfragen, ob wir denn einen Jungen oder ein Mädchen bekommen, obwohl sie es bereits beim ersten Termin säuberlich in ihre Karteikarte eingetragen hatte, ließen mich aufhorchen, ob die Betreuung denn wirklich das Nonplusultra werden würde, aber ich sagte nichts. Auch nicht, als ich alle Informationen rund um Wehwehchen, Präparate die ich einnahm und Entbindungstermin bei jedem Termin erneut wiederholen musste, als hätte nicht sie, sondern ich die Kartei geführt. Fragen meinerseits bezüglich Ernährung, Ruhepausen und die letzten Tage vor der Geburt beantwortete sie mir kurz und knapp, so dass ich mir eher lästig vorkam und irgendwann lieber im Internet recherchierte, wenn ich etwas zu meinem Kugelbauch und dem Wesen darin wissen wollte.

Und dann kam der errechnete Geburtstermin. Und Maxi, pünktlich wie seine Eltern, wollte auch keinen Tag zu spät kommen. Morgens spürte ich die ersten Wehen, am frühen Nachmittag rief ich meinen Mann von der Arbeit nach Hause und dann ging’s ab durch den Berufsverkehr zum Geburtshaus. Frau H. half mir unter den Wehen, so gut sie konnte und rief mir in den jeweiligen Phasen das Passende zu: Pressen, Weiter, Ja gut so! Um kurz vor 18h erblickte unser Maxi das Licht der Welt, die beiden Hebammen und seine Eltern. Ich lag auf dem Bett, blutverschmiert und freute mich im Geiste, dass ich die ganze Sauerei nicht aus meinen eigenen Laken waschen werden müsste. Und, dass keine Nachbarn nach dem Gekreische gratulierend und anerkennend an die Wände klopfen würden. Nein, eine Hausgeburt käme für mich definitiv nicht in Frage! So lagen wir als kleine Familie noch erschöpft zwei Stunden im Geburtshaus, um uns danach auf den Nachhauseweg zu machen.

Die nächsten zwei Wochen kam Frau H. auch pflichtbewusst zu uns nach Hause, um nach dem Rechten zu schauen. Dabei blieb sie maximal zehn Minuten, zog sich ihre Jacke im Gehen an und aus, fragte kurz nach den Befindlichkeiten und ob wir Fragen hätten. Wenn du meinen Bericht über Stillprobleme gelesen hast, weißt du, dass ich mit Frau H.’s Betreuung in dieser Richtung nicht zufrieden war. Auch andere Probleme, wie meine steigende Wochenbettdepression, nahm sie nicht ernst, sondern redete sie weg. „Das wird schon wieder“ war ihre einzige Antwort, ohne sich mal wenigstens fünf Minuten mit mir darüber unterhalten zu haben. Hauptsache, ich unterzeichnete pflichtgemäß ihre Unterlagen für die Krankenkasse, die belegten, dass sie täglich zur Nachsorge kam.

Den Rest der Zeit füllte sie mit Lästereien über die anderen Mütter, die sie gerade betreute. Auch nach Mini’s Geburt fühlte ich mich ziemlich alleingelassen. Die unschöne Bemerkung „Ja das ist doch klar, dass Ihr Mini jetzt einen hässlichen Bauchnabel bekommen wird, wenn Sie die Klemme hier nicht senkrecht in die Windel stecken!“ hätte sie sich wirklich klemmen schenken können, denn sie hatte uns vorher zu keinem Zeitpunkt erklärt, dass es wichtig ist, die Klammer senkrecht zu positionieren. Manchmal warteten wir bis zum Abend auf ihren Besuch, konnten keinen Spaziergang machen, jeden Moment hätte Frau H. ja auf der Matte stehen können. Manchmal rief sie an und sagte, dass es jetzt schon so spät sei, ob wir das nicht am Telefon klären könnten, dann müsste sie nicht noch extra vorbeikommen. Der Gipfel war aber nach Mini’s Geburt für mich erreicht, als sie uns dazu anstiften wollte, der Krankenkasse Leistungen unterzujubeln, die von ihr gar nicht erbracht wurden, nur damit sie noch mehr Geld einheimsen konnte. Versicherungsbetrug eben.

Du merkst es schon, Hebammenbetreuung habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Und jetzt soll ich so eine Petition unterschreiben, bei der es darum geht, dass Hebammen ihren Beruf weiter ausüben dürfen? Nach den schlechten Erfahrungen, die ich gemacht habe? Ich sag dir was: Ich habe bereits unterschrieben. Weil ich nämlich zig Lobeshymnen von Müttern an ihre Hebammen kenne. Hebammen, die ihre Patientinnen bereits während der Schwangerschaft rührend betreuen, sich bei Fragen rund um Stillen, Baden, Wickeln Zeit nehmen und den Mamas in aller Ruhe und notfalls auch zum 20. Mal erklären, wie man das Stillkissen benutzt.

Nur weil ich einen Griff ins Klo in Sachen Nachbetreuung gemacht hatte, ist das noch lange kein Grund, jetzt eine Wut auf alle Hebammen dieser Welt zu entwickeln. Ich hoffe sehr, dass die Regierung ihre Meinung zur Haftpflichtversicherung für Hebammen noch einmal ändert. Dass du das Glück hast oder hattest, in deiner Hebamme mehr eine Freundin, denn eine Geburtshelferin sehen zu können. Und ich hoffe, dass auch Frau H. ihre Arbeitsweise noch einmal überdenkt. Dass sie sieht, dass es nicht nur wichtig ist, ein Kind gesund zur Welt zu bringen, sondern dass man als Hebamme dazu beitragen kann, mit einer einfühlsamen Art und Weise den Grundstein für eine gute Mutter-Kind-Beziehung zu legen.

Und wie ist das mit dir? Was hast du für schöne oder weniger gute Erfahrungen mit deiner Hebamme gemacht? Würdest du in jedem Fall unterschreiben oder was bewegt dich dazu, es nicht zu tun? Wenn du den Hebammen eine Stimme geben und unterschreiben möchtest, findest du hier die Petition von Bianca Kasting und ihre Ziele. Mit meinem Beitrag nehme ich ebenso an der großen Blogparade von der Grummelmama teil.

2 Gedanken zu „Petition unterschreiben, trotz schlechter Erfahrung mit Hebamme?“

  1. Eva sagt:

    Oh nein, warum hast du die Hebamme denn nicht gewechselt? OK, beim ersten Kind hattest du die die PPD, da hattest du sicherlich etwas anderes im Kopf, aber warum beim 2. Kind dieselbe hebamme??? es gibt so tolle Hebammen, und es geht ja bei den Petitionen um ALLE Hebammen.
    Liebe Grüße!
    Eva

    1. Christine sagt:

      Hallo Eva,

      willkommen auf meinem Mama Blog!
      Tja, gute Frage…Unter der Geburt war mir die Hebamme wirklich eine gute Hilfe. Und sie war Leiterin des einzigen Geburtshauses hier in der Nähe, und ich wollte unbedingt in einem Geburtshaus entbinden. Der absolute Tiefpunkt war für mich sowieso die Abrechnung für Leistungen, die sie nicht erbracht hatte und der kam ja erst nach der zweiten Geburt. Da wir nicht im Guten auseinander gegangen sind, würde ich ein drittes Mal nicht bei ihr entbinden, aber ich gehe mal davon aus, dass das sowieso nicht vorkommen wird…
      Lieben Dank für deine Gedanken!
      Christine

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