Gesellschaft

„Komm mit, ich zeig dir einen richtigen Hasen!“

Wie du wahrscheinlich dem Titel dieses Mama Blog Beitrags schon entnommen hast, geht es mir heute um ein wichtiges Thema, auf das ich letztens eher zufällig gestoßen wurde. In meinem Beitrag „Für den Kleinen noch eine Scheibe Wurst?“ ging es mir in erster Linie darum, dass heutzutage meiner Meinung nach zu viele Kekse und Süßigkeiten in den Supermärkten an unsere Kinder verteilt werden. Ein Kommentar blieb mir daraufhin besonders im Gedächtnis, deswegen möchte ich ihn in Auszügen gerne hier zitieren:

„Was ich viel schwieriger finde: Wo mache ich die Grenze? Wie lernen Kinder, dass sie die Scheibe Wurst an der Theke nehmen dürfen, das Bonbon von dem fremden Mann auf dem Spielplatz aber nicht?! Die neue Verkäuferin ist uns auch “fremd”. Den Mann auf dem Spielplatz haben wir aber doch letzte Woche auch schon gesehen? Kleine Kinder (mein Jüngster ist noch nicht drei) können da doch noch gar keinen Unterschied machen. Klar, er ist auch nicht alleine einkaufen und auf dem Spielplatz, aber seit einer Spielplatz-Bonbon-Situation letztens beschäftigt mich das doch sehr. Liebe Grüße Melanie.“

Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Bisher sind meine Kinder noch nicht alleine auf dem Spielplatz gewesen, so dass ein Fremder mit missbräuchlichen Hintergedanken ihnen einen Lolli hätte zustecken oder den „echten Hasen“ zuhause hätte versprechen können. Natürlich, einen Zwei- und knapp Dreijährigen lasse ich auch noch nicht ohne Aufsicht alleine Draußen spielen. Aber irgendwann werden sie alt genug sein, um alleine oder mit Freunden in ihrem Alter auf dem Hinterhof zu spielen. Und bis dahin sind wir Eltern in der Pflicht, unsere Töchter und Söhne dahingehend zu sensibilisieren, dass man keine Geschenke von Fremden annimmt und erst recht nicht zu ihnen ins Auto steigt.

Aber in welchem Alter fängt das an? Ab wann versteht mein Kind den Unterschied zwischen dem Wurstverkäufer und dem freundlich lächelnden Mann, den es schon öfter auf dem Spielplatz gesehen hat? Wer zählt jetzt als Fremder, wem kann man vertrauen? Sage ich ab jetzt laut und deutlich „Nein“ zu jedem unbekannten Familienvater, der mit uns im Sandkasten sitzt und unseren Sprösslingen ebenfalls einen Zwieback anbietet, nachdem er seinen eigenen Kindern auch etwas zu knabbern gegeben hat? Oder verbiete ich meinem Kind zukünftig, nach der Scheibe Wurst im Supermarkt zu greifen, weil Herr Fleischverkäufer auch bei uns zuhause nicht ein- und ausgeht?„Komm mit, ich zeig dir einen richtigen Hasen!“

Wofür ich absolut kein Verständnis habe, ist, wenn ich höre, dass selbst manche Kindergärten ziemlich leichtfertig mit diesem heiklen Thema umgehen. In einer Einrichtung (deren Namen ich natürlich nicht nenne und nein, es ist nicht Maxis Kindergarten) wird es z.B. toleriert, dass ein älterer Herr aus der Nachbarschaft den Kindern regelmäßig Bonbons über den Zaun im Außengelände reicht. Nicht nur, dass sie es tolerieren, die Erzieherinnen entgegnen lediglich lapidar mit einem „Ach, das ist doch nur der nette Herr Maier und kein Kinderschänder“, sobald kritische Bemerkungen von Außen gemacht werden.

Mag sein, nicht immer muss gleich das Schlimmste hinter allem gesehen werden. Vielleicht ist Herr Maier wirklich nur ein einsamer, netter Opa, dem es viel Freude bereitet, den Kleinen etwas Schokolade zu schenken. Aber was wenn nicht? Und nachher heißt es wieder: „Wer hätte das gedacht? Der Mann hat immer so nett und harmlos gewirkt!“ Ich finde es ziemlich verstörend, wenn nicht mal im Kindergarten die Erzieher die Kinder sensibilisieren. Oder traut sich Niemand, älteren, zerbrechlich wirkenden Personen beizubringen, dass ihr Verhalten aus den und den Gründen nicht erwünscht ist? Kinderliebe Menschen müssten das doch wohl verstehen!

Apropos Kindergarten. Auch ich als Mutter wurde vor der Eingewöhnung darauf hingewiesen, auf jedes Kleidungsstück Maxis Vor- und Zunamen zu schreiben, damit ausgezogene Klamotten und Wechselwäsche wieder dem richtigen Kind zugeordnet werden können. Ich habe dafür Verständnis; nicht zuletzt deswegen, weil auch ich mich in Zukunft nicht mit anderen Eltern um die schöne namenlose Winterjacke streiten will, die angeblich nur dem eigenen Kind gehört. Und dennoch sehe ich auch eine Gefahr in den beschrifteten Kleidungsstücken.

Schulranzen mit gut sichtbaren Namensschildern (womöglich noch mit Adresszusatz und Facebook-Account) sowie Namensaufkleber auf der Heckscheibe der Familienkutsche à la „Kevin-Luca fährt mit“ gehören für mich in eine ähnliche Kategorie. Wie schnell kann Jemand mit bösen Absichten heute den Namen des bevorzugten Kindes herausfinden und auf der Straße abfangen. „Hey, Jonas, ich bin ein Freund deiner Eltern. Deine Mutter hat mich gerade angerufen und wollte, dass ich dich heute abhole.“ Welches Kind in dem Alter denkt dann noch, dass das ein Fremder ist? Immerhin kennt er ja seinen Namen!

Das Thema Internet will ich nur in Ansätzen erwähnen, sonst würde das den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Ich finde, bis zu einem gewissen Alter hat das Kind im World Wide Web noch nichts zu suchen. Und danach eine Zeitlang nur unter Aufsicht von Mama oder Papa. Unzählige Werbespots und Kinderschutzorganisationen weisen immer wieder auf die Gefahren beim Chatten hin und auch ich finde, dass wir Eltern in der Pflicht sind, hinzusehen. Und vor allem nicht wegzusehen, wenn wir schon ein ungutes Gefühl haben.

Aber was machen wir nun mit unseren Dreijährigen auf dem Spielplatz und an der Wursttheke? Ehrlich gesagt habe ich kein Patentrezept auf Lager, auch, wenn ich es dir hier gerne präsentieren würde. Was sagen deine Erfahrungen denn zu diesem Thema? Wie bringst du deinem Kind den Unterschied bei, das Bonbon vom Kassierer bedenkenlos annehmen zu dürfen, den netten Herrn auf dem Spielplatz aber als fremd zu betrachten? Hast du Fremde auch schon mal in so einer Situation darauf angesprochen? Trifft so was auf Verständnis?

Bis bei mir eine Erleuchtung geschieht, werde ich erstmal abwarten und Tee trinken. Wurstscheiben annehmen lassen und geschenkte Bonbons auf dem Spielplatz im Sandkasten einbuddeln. So oder ähnlich. Ich hoffe, dass meine Kinder auch außerhalb des „sicheren Elternhauses“ in einem Umfeld aufwachsen, das sie für das Thema sensibilisiert. Ob verständnisvolle Nachbarn, die akzeptieren, wenn Mama nicht möchte, dass sie ihrem Kind Schokolade schenken oder aufmerksame Kindergärtnerinnen, die hinsehen, wenn Fremde sich für ihre Schützlinge interessieren. Missbrauch ist ein Thema, das nicht unter den Teppich gekehrt werden darf. Und um unsere Kinder dafür zu sensibilisieren, sollten wir Erwachsene alle an einem Strang ziehen.„Komm mit, ich zeig dir einen richtigen Hasen!“

Ein Gedanke zu „„Komm mit, ich zeig dir einen richtigen Hasen!““

  1. KinderKichern sagt:

    Das ist wirklich ein sehr schwieriges Thema. Meine Große ist 6 Jahre alt und ich sträube mich wirklich dagegen, sie alleine von der Schule nach Hause laufen zu lassen. Und da fängt auch schon mein Problem an: Wie sage ich ihr, warum sie nicht zu fremden ans Auto gehen soll oder etwas annehmen soll? Ich will ihr ja auch keine Angst machen, so nach dem Motto „Manche Menschen sind böse, nehmen die Kinder einfach mit und bringen sie nie wieder zurück!“ Wie verstörend muss das für ein Kind sein… Ich habe leider auch noch keine perfekte Lösung gefunden. Aber ich höre meiner Großen auf jeden Fall sehr genau zu, wenn sie etwas erzählt,das mir komisch vorkommt!

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