Gesellschaft

Brauche ich psychologische Hilfe, wenn ich die Mutterrolle bereue?

„So kann es nicht weitergehen, ich glaube ich brauche Hilfe.“
Nicht selten gestehen sich Frauen das ein, wenn das Leben als Mutter ihnen nicht die Erfüllung bringt, die sie sich so sehnlichst erhofft hatten. Weil sie nicht einen, nicht zehn oder hundert schlechte Tage hatten, sondern Stress, Erschöpfung und das Gefühl des Zurücksteckens zum Dauerzustand geworden sind. Wenn sich die permanenten Kompromisse zugunsten des Kindes quälend einengend anfühlen und das Leben als Mutter keinen Platz mehr für die fröhliche Frau bietet, die sie einst mal war. Aber wohin mit den schambehafteten Gedanken, die diese Mütter sich kaum trauen, vor sich selbst auszusprechen: Dass sich ihr neues Leben als Mutter wie ein Gefängnis anfühlt und sie -wenn sie könnten- die Zeit zurückdrehen und sich für ein Leben ohne Kind entschieden würden?

Die Suche nach einem Ausweg aus der tragischen Lage, der Wunsch, die eigene Situation zu verändern, unter der so viele Mütter heute leiden, ist groß und gleichzeitig schambehaftet. Schließlich geht es um die „natürlichste Rolle der Frau“. Regretting Motherhood bricht völlig unvorbereitet auf die Frauen ein, weil es nämlich in den meisten Fällen die gleichen sind, die unbedingt Mutter werden wollten. In dem Wissen, dass auch anstrengende Zeiten auf sie zukommen würden, ohne zu ahnen, dass sie das Leben mit Kind einmal so sehr überfordern würde, dass sie sich wünschten, sie wären kinderlos geblieben.

Das Muttersein grundlegend als Erschöpfung statt Erfüllung zu empfinden, während „alle Anderen“ um mich herum im Beisein ihrer Kinder aufzublühen scheinen, löst früher oder später nahezu bei jeder dieser Mütter den Gedanken aus, falsch, krank oder gestört zu sein. Aber braucht man zwingend psychologische Hilfe, wenn man unter Regretting Motherhood leidet?

Mich überraschen die unzähligen Leserinnen-Anfragen zu Hilfsangeboten und Therapiemöglichkeiten, die in mein Postfach flattern, inzwischen nicht mehr. Im Gegenteil: Sie waren Anlass für mich, eine Hilfe-Seite auf meinem Blog einzurichten, um alle Fragen diesbezüglich auf einen Blick aus meiner Perspektive heraus zu beantworten und um auch jene Leserinnen zu erreichen, die vielleicht der Mut verließ, mich mit ihren Fragen oder Gefühlen zu „behelligen“ (das tut ihr übrigens NICHT, ihr dürft zu mir mit jedem noch so kleinen oder schambehafteten Anliegen kommen!).

Und hier ist sie nun! Auf der Seite „Hilfe und Therapie bei Regretting Motherhood“ schauen wir uns die inneren und äußeren Faktoren an, die Mütter dazu bringen können, ihre Mutterrolle zu bereuen, klären die Frage, ob Regretting Motherhood therapierbar ist und welche Möglichkeiten es noch gibt, deine Lage zu verbessern (du kommst auch ganz einfach über das Menü unter „Noch mehr?“ auf die Hilfe-Seite).

Werde jetzt Mitglied in meiner Community, dem Pusteblumengarten, und erlebe die tragende Gemeinschaft gleichgesinnter Mütter, die sich mit dem Muttersein schwertun und unter ihren ambivalenten Gefühlen zwischen Liebe zum Kind und der Last der Mutterrolle leiden.

Titelfoto mit freundlicher Unterstützung von Priscilla du Preez

6 Gedanken zu „Brauche ich psychologische Hilfe, wenn ich die Mutterrolle bereue?“

  1. Corina sagt:

    Deinen Blog zu lesen hilft mir immer wieder, meine Gefühle neu zu sortieren und in eine positivere Richtung zu lenken. Auch fühle ich mich mit meinem Problem weniger alleine.
    Vielen Dank dafür! <3

    1. Christine sagt:

      Das freut mich sehr zu lesen, liebe Corina! Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Weg ♥

  2. Antonia sagt:

    Liebe Christine,

    nach drei Wochen habe ich endlich wieder Internet und freue mich seh, als erstes sofort deine neuen Texte zu lesen. Ja, es ist hart, das Muttersein, aber nicht hoffnungslos. Bei mir hat sich wirklich auch vor einer Woche zum ersten Mal so eine innere Freude beim Betrachten meines Sohnes entwickelt, irgendwo ist da jetzt eine Akzeptanz dieser neuen Rolle. Das ist toll, dass das auch bei dir jetzt so ist! Und ich wollte dir auch noch allen Respekt dafür ausdrücken, dass du dich so bewusst mit allem auseinandersetzt und uns daran teilhaben lässt, das ist so eine Bereicherung…

    Die Fotos aus dem Sauerland sind auch wunderschön. Wollte noch hinzugügen, dass ich auch seit zwei Wochen kein Handy mehr habe und so auch kein WhatsApp und es sich wie eine echte Befreiung anfühlt. Viel ruhiger, ich spüre mich selbst viel mehr und fühle mich viel freier und bestimmt hat auch die echte neue klein sprießende Freude über das Muttersein damit zu tun. Ich fühle mich auch weniger alleine, weil ich nicht mehr die ganze Zeit auf Nachrichten und potentielle Treffen warte, sondern einfach meinen Tag mit meinem Sohn herumkriege und zwischendurch in der Natur sogar genieße.
    Kann ich nur allen empfehlen, weniger SMSe, mehr Spontanität…habe sogar ein paar spontane Besuche gemacht, die schön waren…

    Alles Liebe,

    Antonia

    1. Christine sagt:

      Liebe Antonia,

      herzlich willkommen zurück :)

      Sehr bewundernswert deine Entscheidung gegen ein Handy!! Ich bin auch seit Jahren immer mal wieder an dem Punkt, habe für mich dann aber doch entschieden, es zu behalten. Zum einen wegen der Organisation, dass mich z.B. die Schule oder der Kindersitter immer im Notfall erreichen kann, auch, wenn ich mal außer Haus bin und zum zweiten, weil ich lieber schreibe als zu telefonieren: Da ist mir WhatsApp eine große Erleichterung!

      Aber ich gebe dir total recht, dass es vor allem um den bewussten Umgang damit geht! Am Wochenende weiß ich meistens nie, wo ich mein Handy hingelegt habe und finde es erst durch Zufall in irgendeiner Tasche oder an der Ladestation. Und den Sonntag habe ich jetzt allgemein zum Internetfreien Tag erklärt, um mal wieder bewusst(er) im Hier und Jetzt zu leben.

      Unglaublich, was sich bei dir dadurch in der kurzen Zeit schon positiv verändert hat. Glückwunsch!! :)

  3. Birgit sagt:

    Hallo Christine,

    ich denke die Mutter braucht keine psychologische Hilfe wenn sie ihre Mutterrolle bereut, denn es gibt einfach Frauen, denen macht es eben nicht sonderlich viel Spass hauptsächlich für ihre Kinder zuständig zu sein, so wie ich zum Beispiel. Und das ist ganz normal und nicht krank. Für sie ist die Mutterrolle nur ein kleiner Teil in ihrem Leben und sie ist auch noch Frau und Berufstätige und möchte diese Rolle auch zu gleichen Teilen leben. Es ist nur die Gesellschaft, die diesen Frauen einredet, dass sie krank wären wenn sie es nicht toll finden, nonstop für den Nachwuchs zu sorgen…. Ich denke der Vater, die Grosseltern, Leihoma/Leihopa, der Kindergarten/Krippe, Schule, Nachbarn, Tagesmutter sollten der Mutter das Kind/ die Kinder öfter abnehmen, sodass sie mehr arbeiten gehen kann, mehr Freiraum / Freizeit für sich hat. Sodass sie alle Rollen ausgewogen leben kann. Erst dann ist sie glücklich. Dieses 24/24 Kleben am Kind ist nicht gesund für diese Mutter und auch nicht gesund für die Kinder….und besonders nicht für die Umgebung.
    Natürlich gibt es auch die Frauen welche in der Mutterrolle komplett aufgehen und sich nichts Schöneres vorstellen können. Diese sind gesellschaftskonform indem sie alles willig annehmen, was ihnen gesellschaftlich aufgebürdet wird. Aber die Lösung besteht doch jetzt nicht darin, dass die erste Gruppe von Frauen sich zwingt, so zu werden wie die zweite Gruppe von Müttern!! Dass sie sich pathologisieren und als „krank“ bezeichnen / bezeichnen lassen.
    Und durch diese Entlastung

    Hier auch noch ein sehr guter Artikel zum Thema geteilte Elternschaft.

  4. Nanie sagt:

    Hallo ihr Lieben meine Name ist Nanie und ich habe diesen Block hier neu für mich entdeckt.
    Für mich stellt sich die Frage, wenn wir unsere Kinder den ganzen Tag fremdbetreuen lassen, wie geht es ihnen dann? Vor allem wenn sie selber hochsensibel sind? Nur damit wir wieder frei sein können sind dann die Kinder den ganzen Tag dieser Belastung ausgesetzt?
    Wie kann man das mit sich vereinbaren?
    Sie können sich nicht wehren und werden oft gegen ihren Willen in Ganztageseinrichtungen gesteckt.
    Für mich ist das ein Teufelskreis einer geht auf jeden Fall psychisch am Stock entweder ich oder mein Kind. Nur denke ich mir dann wer ist verantwortlich dafür, dass mein Kind bei mir ist? Ich oder mein Kind? Wer sollte es dann auch gerechter Weise austragen müssen?
    Ich drehe mich da echt im Kreis.
    Birgit vielleicht hast du eine Antwort für mich.
    Ganz liebe Grüße an euch alle.

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