Gesellschaft

Auch schöne Begegnungen können stressen: Warum ich nicht gerne zu oft unter Leuten bin

Schon als ich meine Freundin Sabine* von weitem erblickte, huschte mir ein Lächeln über mein Gesicht. Ich freute mich sehr auf unser gemeinsames Mütterfrühstück beim Bäcker. Wir hatten uns seit über vier Wochen nicht gesehen, weil Sabine mit ihren drei Kindern auf Mutter-Kind-Kur war; ein Frauengespräch war also längst überfällig, nicht zuletzt deswegen, weil ich schon sehnsüchtig auf ihre detailreichen Anekdoten wartete, die sie mir während des Kuraufenthaltes zwischendurch immer wieder häppchenweise per WhatsApp servierte, ganz nach dem Motto: „Viele Grüße aus der Ferne. Alles scheiße, deine Elli.“ Auch bei mir hatte sich in den letzten Wochen einiges angesammelt, was es zu erzählen gab und ich spürte während unseres Treffens, wie wohltuend mal wieder ein sozialer Kontakt außerhalb meines Familiensystems für mich war. Und doch weiß ich, dass ich als introvertierte hochsensible Mutter aufpassen muss, nicht zu viel und zu oft unter Leuten zu sein.

Als ich letztens das Arbeitszimmer meines Mannes betrat, nahm ich binnen Sekunden die angespannte Atmosphäre wahr. Mein Mann starrte gerade auf seinen Bildschirm und neben seiner Konzentriertheit befand sich da noch etwas anderes im Raum: Stress. Kein hektischer Stress im Sinne von „Hilfe ich werde nicht fertig“. Die Ursache des Stressfaktors galt dem Verfasser der E-Mail, welche mein Mann gerade las. Ohne mir die Inhalte der Konversation erklären zu müssen, versprühte mein Mann unter seiner gefasst wirkenden Oberfläche eine Stresswolke aus Wut, Frust und Empörung.

Das fatale an der Situation war nur: Diese Wolke aus Stress drang nun ungefiltert in mich ein. Innerhalb von Sekunden fühlte ich mich genauso gestresst wie mein Mann sich fühlen musste, obwohl ich mit der Angelegenheit überhaupt nichts zu tun hatte und zehn Sekunden vorher noch völlig unbedarft in der Küche stand und Teewasser aufsetzte.

Neben meiner extremen Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen reagiere ich leider auch äußerst stark auf die Gefühlsaussendungen anderer Menschen. Am schwierigsten ist es dabei für mich, wenn negative Schwingungen mit im Spiel sind. So wie bei meinem Mann im Arbeitszimmer. Oder eben auch, wenn mein Sohn schon länger am Stück oder mehrmals am Tag schlechte Laune hat und ich ihn eigentlich mit meiner wohlwollenden Art besänftigen möchte. Oft genug klappt das dann nicht, weil ich zuerst von seinen Gefühlen mitgerissen werde und somit ebenfalls genervt bin.

Wenn ich es schaffe daran zu denken, muss ich dann die Notbremse ziehen und am besten den Raum kurz verlassen. Nur, wenn ich mich aus der aufgeladenen Energie, die sich im Raum befindet, entferne, kann ich an einem neutralen Ort erst einmal selbst wieder runterkommen, mich sammeln und anschließend mit klarem Kopf wieder auf meinen Sohn zugehen, um ihm dabei zu helfen, sich auch selbst zu regulieren.

Auch schöne Begegnungen können stressen: Warum ich als introvertierte Hochsensible nicht gerne zu oft unter Leuten binAls ich das erste Mal auf meinem Blog erwähnte, dass ich eine Mutter bin, die ihre Kinder nicht jeden Tag um sich haben müsste, taten sich schnell Stimmen auf, ob ich meine Kinder denn dann überhaupt lieben würde. Genauso könnte man mich auch fragen, ob ich generell anderen Menschen gegenüber abgeneigt bin, nur weil ich nicht täglich mit anderen in Kontakt sein muss, um glücklich zu sein. Ich selbst würde mich nicht als asozialen Menschen bezeichnen. Und doch bin ich eine Person, die nicht gerne ständig unter Leuten ist. Dazu zählen eben auch meine Kinder.

Manchmal wird mir das soziale Gefüge einfach zu viel. Gerade als Mutter muss ich mit meinen Energien sehr gut haushalten, weil ich nicht mehr vierundzwanzig Stunden am Tag nur mit mir selbst oder einem Partner beschäftigt bin und die Möglichkeit eines längeren Rückzugs (vor allem in Anwesenheit der Kinder) nicht mehr gegeben ist. Für mich persönlich sind meine Kinder mit ihren sechs und sieben Jahren immer noch kleine Energie-Vampire: Sie nehmen mehr, als dass sie geben. Also bleibt in meinen kinderlosen Zeiten weniger Zeit für andere Menschen, denn auch die Begegnungen mit Erwachsenen können stressen. Und das nicht nur, wenn die schlechtgelaunte Verkäuferin hinter der Wursttheke mir missmutig die Ware rüberschiebt oder der Herr vom Amt am anderen Ende der Leitung eine pampige Bemerkung macht. Beides sind Situationen, die mich noch den ganzen Tag verfolgen können und mich in meinem Wohlbefinden beeinflussen, und die sich leider auch manchmal in meinem genervten Verhalten meinen Kindern gegenüber entladen.

Aber auch herbeigesehnte Treffen mit anderen Menschen sind für mich kräftezehrend.

Es ist ja nun mal so, dass Menschen im Gespräch gerne von sich reden. Das ist für mich grundsätzlich nicht schlimm, ich bin eh eine Person, die von Natur aus eher zuhört als selbst viel zu erzählen. Allerdings kann diese Art des Gesprächs auch sehr Energiezehrend sein, wenn es sich nicht die Waage hält. Redet der eine ohne Unterlass, fragt er beim anderen nur mal nach, wie es ihm geht, um dann ausschweifend von seinem eigenen Befinden zu berichten, hat das für mich zum einen nichts mit einem ernsthaften Gespräch zu tun, dann ist es nur ein Monolog. Zum anderen ist diese Art von Kontakt auf Dauer gerade für hochsensible Menschen Gift.

Auch schöne Begegnungen können stressen: Warum ich als introvertierte Hochsensible nicht gerne zu oft unter Leuten binIch erinnere mich an ein Treffen mit einer ehemaligen Mitschülerin aus meiner Berufsschule. Wir kannten uns bis dahin nur aus dem Unterricht und am Ende des (viel zu langen) Treffens kannte sie mich sicherlich genauso wenig wie vorher, ich sie dafür umso mehr. Sie redete ohne Punkt und Komma, seit wir uns am verabredeten Treffpunkt gesichtet hatten und es war mir nahezu unmöglich, in einer kurzen Atempause dazwischen zugrätschen. Ich erlaubte mir daher den Spaß, mitzuzählen, wie viele Sätze ich bis zum Ende des Treffens schaffen würde, von mir zu geben. Es waren zwei.

Kein Wunder, dass ich auf eine weitere Verabredung keinen Wert legte und am Ende des Tages total ausgelaugt war.

Aber selbst Telefonate und Treffen mit Freundinnen und lieben Verwandten, mit denen ich gerne Zeit verbringe und wo die Gespräche nicht so einseitig verlaufen, fordern von mir als hochsensibler Person viel Energie. Stundenlange Konversationen über Gott und die Welt, die ich öfter mit meiner Mutter führe, sind für mein hochsensibles Wesen geradezu bereichernd und eine echte Wohltat. Dennoch benötige ich anschließend viel Zeit und Raum, um das Erzählte und Gehörte in Ruhe in meinem Kopf sortieren zu können und dem Ganzen nochmal nachzuspüren.

Von Mittwoch bis Freitag hatten wir Besuch von meinem Schwager und meiner Schwägerin zuhause. Unser Hochzeitsgeschenk an die beiden beinhaltete zwei Übernachtungen und ein bisschen Sightseeing rund um die Küstenregion. Ich habe die zwei sehr in mein Herz geschlossen, es sind freundliche, unkomplizierte Menschen. Und trotzdem habe ich erst einmal durchgeatmet, als sie wieder in ihr Auto stiegen und nach Hause fuhren. Das Wochenende schlief ich (meinem lieben Mann sei Dank!) bis zum Mittagessen durch, obwohl die beiden Kinder nebenan Lärm machten für Fünf. Ich war so platt, dass ich mich erst einmal wieder von Grund auf erholen musste. Sicherlich, wir hatten viel gemacht in den zweieinhalb Tagen: Brauereibesichtigung, Strandbesuch, Eis essen mit den Kindern, Spielplatz, Heckenlabyrinth und Spieleabende. Aber wir hätten auch nicht weniger machen wollen, immerhin sehen wir die beiden meist nur zu Familienfeiern, auf denen auch nicht wirklich viel Zeit füreinander bleibt.

Ein Dilemma für Hochsensible, vor allem für die introvertierten, die -im Gegensatz zu den extrovertierten- ihre Akkus in der Regel nicht in Gesellschaft anderer wieder aufladen. Aber wenn die Hochsensible noch dazu Mutter ist, kommt hier noch eine Schippe drauf, denn:

Wann soll sich die reizempfindliche Mutter nach einem (wenn auch schönen!) Austausch mit einer Freundin oder dem langen Telefonat mit ihrer Mutter erholen, wenn anschließend das Kind begierig auf Mama wartet und diese erneut in Beschlag genommen wird?

Nicht wenige hochsensible Mütter fühlen sich dann ausgelaugt und wissen nicht, wann sie sich selbst, ihrem Nachwuchs und ihren sozialen Kontakten gerecht werden sollen, denn es fehlt zu oft die Zeit zum Regenerieren und Sortieren der (eigenen sowie fremden) Gedanken und Gefühle.

Auch schöne Begegnungen können stressen: Warum ich als introvertierte Hochsensible nicht gerne zu oft unter Leuten binIch habe meine sozialen Interaktivitäten auf ein Minimum reduziert. Es gibt Menschen, die kommen mit dieser Art meiner Beziehungspflege nicht gut klar. So wie meine damalige Freundin Daniela*, die nicht verstand, dass ich es nicht persönlich meinte, wenn ich mich mal wieder drei Tage nicht auf ihre SMS gemeldet hatte und mich nicht verbindlich jede Woche mit ihr und unseren Kindern treffen wollte. Mich ständig rückmelden oder alle paar Tage nach dem Befinden der kranken Mutter einer Bekannten nachfragen zu müssen, übersteigt einfach meine eigenen Kapazitäten. Ihr war das für eine Freundschaft zu wenig, was ich sogar nachvollziehen kann.

Auch in der Freundschaft mit Sabine (die mit der Mutter-Kind-Kur), müssen wir beide uns mit manchen Einschränkungen arrangieren, die ich in unsere Freundschaft mitbringe. So verlasse ich beispielsweise freiwillig nach 19h nicht mehr das Haus, obwohl sie mich schon oft auf ein Glas Wein zu sich eingeladen hat, wenn die Kinder im Bett sind. Außer zu Elternabenden oder wichtigen Geburtstagen kriegen mich um diese Uhrzeit keine zehn Pferde mehr vor die Tür. Abends ist meine Energiekurve ziemlich heruntergefahren und da brauche ich nur noch Zeit für mich und meinen Roman sowie stupide TV-Berieselung neben dem Mann auf dem Sofa. Also können Sabine und ich uns seltener sehen, dafür aber zu Uhrzeiten, bei denen ich noch voller Energie und aufnahmefähig für ihre Geschichten mit der Rasselbande bin. Und so haben wir beide letztendlich mehr davon.

Früher habe ich mich oft für Freundschaften verbogen, meine eigenen Bedürfnisse hintenangestellt, um die Freundschaft nicht zu gefährden. Heute weiß ich, dass echte Freunde Verständnis für meine Empfindlichkeiten haben, auch ohne, dass ich ihnen konkret von meiner Hochsensibilität erzählen muss. Durch meinen Blog kenne ich inzwischen sogar persönlich Menschen, denen es ähnlich geht! So wie Christiane*, mit der ich einen herrlichen Apriltag in dem netten Café am Markt verbringen durfte und die ein weiteres Treffen erst auf einen Sonntag Ende Juni legen konnte, weil sie vorher ein bisschen Luft braucht, um sich von den anstehenden runden Geburtstagen und sonstigen Familienfeiern zu erholen.

Das empfinde ich als sehr entspannend und sympathisch und es hilft mir, meiner Linie und somit mir selbst, treu zu bleiben.

Im Sommer ziehen wir von der Küste wieder zurück nach Nordrhein-Westfalen. Im Sauerland haben wir ein hübsches Haus, etwas abgelegen im Wald gefunden – das Paradies für meine Einsamkeit liebende und hochsensible Seele. Denn neben meinen Schwierigkeiten mit mehrstündigen Treffen oder Gefühlsintensiven Begegnungen bin ich ebenso kein Freund vom täglichen Nachbarschafts-Hallo morgens um Acht am Auto oder Über-den-Gartenzaun-Gespräche, wenn ich eigentlich nur in Ruhe auf der Terrasse die Nachmittagssonne genießen möchte.

Dort in dem neuen Haus werde ich in Zukunft nicht mehr abends um Zehn den Rasenmäher oder morgens um Vier die Schneeschaufel vom Nachbarn ertragen müssen. Ich werde in die Abenddämmerung hinein lauschen, wie Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen und von weitem dem Förster auf seinem Hochsitz zuwinken. Wenn ich will.

Und wenn du mich mal besuchen kommen möchtest, folge einfach dem Vogelgezwitscher sowie dem Duft nach Nadelholz und frisch aufgebrühtem Kaffee. Dann plaudern wir über dies und das, bis es uns zu viel wird. Anschließend legen wir uns schweigend nebeneinander ins Gras, beobachten die vorbeiziehenden Wolken und laden gemeinsam unsere Energiereserven wieder auf.

(Die mit * gekennzeichneten Personen heißen in Wirklichkeit anders, wie du es wahrscheinlich schon geahnt hast)

16 Gedanken zu „Auch schöne Begegnungen können stressen: Warum ich nicht gerne zu oft unter Leuten bin“

  1. SilkeAusL sagt:

    Ach Mensch, Christine, dann ziehst Du Ja wieder näher an mich ran ;)
    Ich bin zur Zeit auch an der Nordseeküste zur Mutter-Kind-Kur, gestern angekommen und bin jetzt schon fertig… Ich bin mit nur einem Kind gefahren(der Kleineren)und bereue es jetzt schon fast, weil sie sooo unselbständig ist. Hat ihren Löwen im Speisesaal vergessen:“Du musst mitkommen.“ Überall muss ich mit hin kommen. Da hab ich sie eher abgeholt, damit wir Fahrräder leihen und eine Tour ins Dorf machen können, jetzt spielt sie mit einer 8 – jährigen, deren Vater in einer Anwendung ist…Soll ich diese da alleine lassen? Auch blöd.
    Gestern hätte ich heulen können vor Lautstärke; alle Kinder mit im Speisesaal, sämtliche Mütter und Väter. Auf der Fähre war es schon so laut, weil ein kleines Kind zu eine schrille, quäkige Stimme hatte, aber mein Kind partout nicht woanders mit in wollte.
    Wie war das nochmal mit der Gefangenschaft?
    Gruß Silke

    1. Christine sagt:

      Liebe Silke,

      wie war denn deine Kur nun summa summarum? Sicherlich bist du inzwischen wieder zuhause, aber hoffentlich nicht direkt wieder reif für die nächste Kur (alleine ;-)). Wie schön, dass wir bald wieder näher aneinander wohnen – das schreit ja fast förmlich nach einem Wiedersehen :)
      Lieben Gruß
      Christine

  2. Dana sagt:

    Und mal wieder kann ich nur nicken… Ich kenne das so gut, wenn nicht mal mehr Kraft für die beste Freundin oder ein Telefonat mit der eigenen Schwester da ist. Oder wenn abends jeder Termin, ob schön oder nötig, nur noch stört. Oder wenn die nettesten Menschen Erleichterung hinterlassen, sobald sie gegangen sind. Schlimm eigentlich und noch schlimmer, dass man es niemandem so richtig sagen bzw. erklären kann, weil sie es tatsächlich nicht verstehen (können). Aber anders geht es nicht und meine eigenen Grenzen sind mir in letzter Zeit zu deutlich geworden, als dass ich sie ignorieren kann.
    Das mit dem Stimmungen übernehmen kenne ich auch sehr gut, vor allem schlechte Laune zieht mich rasend schnell runter, auch wenn ich vorher vielleicht sogar richtig gut drauf war.
    Es tut wirklich gut, zu lesen, dass es nicht nur mir so geht auch wenn es leider nichts daran ändert, dass viele in meinem Umfeld das überhaupt nicht nachvollziehen können.
    Ganz liebe Grüße und eine große Portion Nerven allen hier, die es brauchen können. :-)
    Dana

    1. Christine sagt:

      Liebe Dana,

      vielen Dank für deine Ehrlichkeit in dieser Hinsicht, auch, wenn du sie nur hier teilen konntest.
      Ich wünsche dir auch gute Nerven und dass du weiterhin gut für dich sorgen kannst!
      Liebe Grüße

  3. Antonia sagt:

    Liebe Christine,

    erstmal freue ich mich fuer dich, dass du ins Sauerland ziehst. Wie schoen da! Ich weiss, dass man da im Winter gut Schlittenfahren kann.
    Fein. Ansonsten kann ich alles sehr gut nachvollziehen und finde es ebenfalls betrueblich. Dass es so schwer ist, MIT Menschen wirklich aufzutanken, dazu muessen die Bedingungen schon sehr ideal sein. Gibt es durchaus, solche Begegnungen, aber es kann eben auch sogar bei einem Treffen mit einer guten Freundin anders kommen als gedacht. Laesst sich eben nicht vorhersehen und ist nicht selbstverstaendlich… dass man auch gehoert wird bei einem Treffen und sich die andere Person auch wirklich interessiert…
    Eine gute Freundin von mir redet auch bei unseren Treffen die meiste Zeit und ich habe das Gefuehl, sie hat ein irgendwie romantisiertes Bild von mir von damals und interessiert sich gar nicht fuer mich jetzt und fuer mein Leben. Irgendwie schon, fragt aber nicht nach und erzaehlt immer nur von sich…da existiert man halt nicht wirklich in der Freundschaft.
    Ich telefoniere nur mit einem guten Freund wirklich gerne, diese Gespraeche laden mich auf und strengen mich nicht an. Ansonsten ist Reden und Telefonieren besonders ja auch an sich irgendwie anstrengend.
    Ich finde auch, dass man durch das Leben mit Kind oder Kindern weniger in den Tiefen schuerft und dass die Gespraeche da auch immer relativ banal an der Oberflaeche bleiben koennen, wenn man sich nicht so gut kennt. Mein Leben ist ja auch nicht mehr so aufregend und von grossen anderweitigen Interessen erfuellt momentan.
    Ich finde es wirklich mutig und ehrlich von dir, dass du dann mit den meisten Menschen auch tatsaechlich nicht mehr kommunizierst, weil es dich anstrengt, so geradeauch muss man erstmal sein. ich kommuniziere auch oft aus Pflichtgefuehl, „fuer die anderen“, und wer weiss, ob die eigentlich so heiss sind auf eine Unterhaltung?!?
    Das Ding ist auch, dass ich durch meinen Sohn viel mehr in Kontakt mit Leuten sein muss, als ich von Natur aus gerne waere, weil er in der Gesellschaft von anderen viel ruhiger ist als nur mit mir. Zu zweit faellt uns nach einiger Zeit die Decke auf den Kopf. So ziehe ich also immer mit ihm herum, er in seinem Wagen, wir sitzen in Cafes und treffen Bekannte, ich mache small talk, ich treffe andere Muetter mit Babies, die Grosseltern kommen, ich bin fast immer mit dabei, auch weil ich zu hoeflich bin, mich abzuseilen, echt doof…
    Letztens war der Opa von meinem Sohn alleine da, und da er nicht oft kommt, habe ich auch mit den beiden gesessen, obwohl ich es am tollsten gefunden haette, wenn der Opa nun das Kind bespasst. Du hast da ja mal einen Artikel drueber geschrieben, dass hochsensible Muetter da grosse Skrupel haben, ihre Kinder auch mal alleine zu lassen…das bin ich!
    und nun ist der kleine aufgewacht…

    tschuess und weiterhin
    allesguteallesliebe und starke nerven,

    antonia

    1. Christine sagt:

      Liebe Antonia,

      deine Schilderungen bestätigen mir mal wieder, dass viele Frauen erst von ihrer Hochsensibilität erfahren, wenn sie Mutter werden. Durch unsere Kinder kommen wir so oft an unsere Grenzen – eben nicht nur in Interaktion mit ihnen sowie ihren Bedürfnissen und Gefühlen (bzw. Gefühlsschwankungen oder -ausbrüchen), sondern auch „nur“ deshalb, weil wir durch sie plötzlich viel mehr mit anderen Menschen in Kontakt und somit in innere Konflikte kommen. Wie bei dir, wenn du deinem Kind (bzw. der Stimmung) zuliebe ständig unter Menschen gehst, damit es mit ihm nicht anstrengend ist, dabei aber den Stress im Außen, im Miteinander und im SmallTalk erfährst. Es ist ein permanentes Abwägen der Stressfaktoren, denn irgendwie ist immer einer vorhanden. Allein diese Erkenntnis ist für mich auch ein Stressfaktor.

      Sei lieb gegrüßt
      Christine

  4. Lupinchen1976 sagt:

    „…Aber auch herbeigesehnte Treffen mit anderen Menschen sind für mich kräftezehrend. …“

    Hallo, wir wollen heiraten – doch ich bin oftmals versucht, alles abzublasen, weil ich den Gedanken nicht ertragen kann, keine Rückzugsmöglichkeit zu haben, wenn es mir zu viel wird. Erst planten wir eine Feier im eigenen Garten – Panik überkam mich. Mir war gar nicht genau bewusst warum. Mein Mann hat mich so lange bedrängt mit Fragen, was daran so schlimm sei, bis sich der entscheidende Satz Bahn brach: „Dann kann ich nicht gehen, wann ich will, wenn ich zu Hause feiere.“
    Auch weiß ich nicht, wie ich das mit der Hochsensibilität unseren Bekannten oder neuen Nachbarn erklären soll. Die wollen immer ewig lange sitzen bleiben. Ich möchte schon gar niemanden mehr einladen, weil mir das zu viel ist.

    1. Christine sagt:

      Du Liebe,

      ich wünsche dir sehr, dass eure Hochzeit unter den Bedingungen stattfindet, die dir (und euch als Paar) gut tun. Auch, wenn es egoistisch klingt: Es ist EURE Hochzeit, EUER Tag, wahrscheinlich DER Tag im Leben. Da solltet ihr es nicht den anderen recht machen.
      Und das mit der Hochsensibilität würde ich gar nicht unbedingt erklären, das ist für Außenstehende eh schwer nachzuvollziehen. Du kannst doch auch „einfach nur so“ spontan sagen, wenn es dir zu viel wird. Der Tag ist ja nunmal auch lang und anstrengend, selbst wenn es im Positiven anstrengend ist. Vielleicht findet sich ja auch noch ein Kompromiss zwischen Zuhause und woanders feiern? Ich wünsche dir jedenfalls eine richtig schöne Hochzeit!

      Liebe Grüße
      Christine

    2. Mol sagt:

      Kann ich total nachvollziehen. Ich kann Besuch auch nur schwer ertragen, eben weil dann die Möglichkeit fehlt sich zurück zu ziehen. Wir haben ganz unromantisch im Standesamt geheiratet, nur unsere Eltern waren anwesend. Ohne Trubel. Wäre das keine Lösung?

  5. Sabrina sagt:

    Ja ja, Laberbacken gibt es leider zu Genüge. Hach, echt anstrengend.

    Eine Bekannte von mir lässt niemanden zu Wort kommen und erzählt innerhalb weniger Minuten alles, was sie gerade beschäftigt, als müsse sie seelischen Müll abladen. Meist zwischen Tür und Angel im Kindergartenflur. Ich kann ihr gar nicht folgen, weil sie von Hölzchen auf Stöckchen kommt.

    Eine andere, aber gute, Freundin ist zwar ein total lieber und herzensguter Mensch, mit dem ich gerne zusammenbin, aber sie redet auch nur von sich. Bei ihr kann ich es noch verstehen, da sie total einsam ist und Redebedarf hat. Aber ausgelaugt bin ich auch nach Treffen mit ihr. Sie fragt zwar auch mal, wie es bei uns ist. Aber meist bin ich nach ihren Erzählungen gar nicht mehr fähig, mehr als „gut“ zu antworten. Ich habe einfach keine Energie mehr und denke auch, dass es sie nicht so sehr interessiert, da wir sehr unterschiedliche Leben haben (ich als Mama, sie als Dauersingle).

    Möchtest du verraten, wohin du ziehst? Ich wohne auch im Sauerland. :)

    Alles Gute für den Umzug und das Leben hier!!!

    1. Christine sagt:

      Liebe Sabrina,

      ja, gerade in Freundschaften, bei denen die eine Mutter und die andere Kinderlos ist, kann es manchmal schwierig sein. Auch, wenn ich das oft als sehr bereichernd empfinde, gibt es an manchen Stellen auch weniger Verständnis bzw. wie du schreibst, auch einfach kein Interesse.

      Das ist ja toll, dass du auch im Sauerland wohnst – wir ziehen nach Arnsberg! :)
      Liebe Grüße schon mal voraus
      Christine

  6. Kaffeekleckserin sagt:

    Liebe Christine,
    Ich stieß beim Googeln eben auf deinen Blog und erkenne mich immer mehr wieder. Immer wurde ich als „seltsam“ abgestempelt, weil ich nicht wie der Großteil bin.

    Ich stöbere gerne weiter, freue mich, nicht mehr „allein“ zu sein und versuche, mich mit meinen neuen Erkenntnissen zu bereichern, statt stets zu grübeln und zu zweifeln. Parallel habe ich eben einige Selbsttests zum Thema gemacht – Bingo. ;-)

    … Und dies schreibe ich gerade, weil ich einen wunderbaren Mann habe, der auch sofort spürt, was mit dem Gegenüber ist und mich auf eine kleine Badewannen-Auszeit geschickt hat und sich rührend um unsere kleine Maus kümmert, damit ich wieder Energie tanken kann.

    Danke für deine geteilten Gedanken! :-)

    1. Christine sagt:

      Liebe Kaffeekleckserin,

      sei herzlich willkommen auf meinem Blog, schön, dass Google dich hergeführt hat :)

      Ich ahne, wie du dich momentan fühlen musst mit deinen neuen Erkenntnissen, denn ich erinnere mich noch genau an meinen „Aha“-Moment, als ich zum ersten Mal über das Thema Hochsensibilität gestolpert bin und sich zu gleichen Teilen Erleichterung als auch Neugierde einstellten.

      Ich wünsche dir sehr, dass du dein empfindsames Wesen von nun an immer öfter als Bereicherung denn als Hindernis erleben kannst und freue mich sehr, dass auch du so einen empathischen Mann um dich herum hast!

      Viel Spaß nun beim Stöbern – vielleicht entdeckst du ja noch ein paar warme Schokomuffins auf meinem Küchentisch :)

      Herzlichst
      Christine

  7. Olga sagt:

    Ach Christine, Balsam für die Seele zu lesen, dass es noch mehr „Aliens“ unter den Müttern da draußen gibt!

    Mir geht es mit vielen Themen wie dir, das würde den Rahmen eines Kommentars sprengen (und mich stressen ;-). Zu gerne würde ich eine Tasse Kaffee am Morgen mit dir trinken, mit Blick auf Wald und Wiese und reden oder schweigen, wie wir Lust haben. Wohl wissend, dass die emotionale Aufregung eines Blind Dates ungefragt den anderen infiziert und dass die besten Ehemänner im Hintergrund parat stehen und die Jungs bespaßen, schon mal das Badewannenwasser einlassen und ein Glas Rotwein bereit stellen weil sie wissen, wieviel Stille und Zeit wir brauchen, um gesagtes, gehörtes, gesehenes, gespürtes nochmal neu zu durchleben, verarbeiten, genießen, sortieren und speichern.

    Verbundene Grüße, Olga

  8. Valeska sagt:

    Hallo Christine,
    mal wieder stelle ich mit Erstaunen fest, dass wovon Du da berichtest, könnte auch fast meine (Leidens) Geschichte sein. Negative Stimmungen in meinem Umfeld ziehen mich nicht nur runter, sie stören auch empfindlich meinen Seelenfrieden. Gerade bin ich richtig zerissen, weil es auf Arbeit Stress ohne Ende gibt, wir sind vier Weiber im Büro, und ich stelle immer mehr fest, es ist die reinste Hölle! Ich grübele fast jeden Tag darüber nach, was meine Berufung wäre, wie gerne ich alleine für mich arbeiten würde, selbstbestimmt und freiheitsliebend. Ganz so einfach ist das leider nicht. Wir bauen gerade ein Häuschen, und das will natürlich auch abgezahlt werden, so dass, zumindest vorerst, an Kündigung nicht zu denken ist… Deine Worte haben mir heute sehr geholfen, denn ich weiß ich bin nicht allein mit meinen verworrenen Gedanken, und das mich nahezu kaum einer versteht. Ich sende Dir liebe Grüße aus der schönen Lausitz!

    1. Christine sagt:

      Liebe Valeska,

      es tut mir sehr leid zu lesen, dass du an deiner jetzigen Situation kaum etwas ändern kannst und ich hoffe, dass du wenigstens nach der Arbeit in Hobbys bzw. eurem neuen Häuschen Frieden und Erfüllung erlebst, als Ausgleich! Vielleicht ergibt sich ja doch nochmal innerhalb des Büros die Möglichkeit einer Veränderung, z.b. der Wechsel in eine andere Abteilung oder die Umgestaltung deines Arbeitsplatzes? Gibt es vielleicht die Möglichkeit, dass du mit Kopfhörern arbeitest und schöne Musik hörst, um mit den anderen Frauen wenigstens nicht die ganze Zeit reden zu müssen?
      Auf jeden Fall wünsche ich dir sehr, dass sich deine Situation bald entspannt!
      Herzliche Grüße in die Lausitz,
      Christine

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